Vier Stellen zu besetzen Generationswechsel unter den GMHütter Schulleitern steht an

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Vier scheidende Schulleiter: (von links) Ulrich Schimke, Wolfgang Göbel, Ulla Marshall, Andreas Viehoff. Foto: Thomas OsterfeldVier scheidende Schulleiter: (von links) Ulrich Schimke, Wolfgang Göbel, Ulla Marshall, Andreas Viehoff. Foto: Thomas Osterfeld

Georgsmarienhütte. Den Schulen in GMHütte steht ein Generationswechsel bevor. Gleich vier Schulleiter werden am Ende des laufenden Schuljahrs in den Ruhestand verabschiedet. Vom niedersachsenweiten Engpass an Nachfolgern bleibt die Hüttenstadt allerdings weitgehend verschont. Herausforderungen gibt es dennoch zu Genüge.

Schulleiter Ulrich Schimke (66) vom Gymnasium Oesede geht zum Sommer in den Ruhestand. Auf eigenen Wunsch hatte er den Beginn um ein Jahr hinausgezögert. Die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Gymnasiums habe er noch mitnehmen wollen, jetzt im Anschluss sei ein guter Zeitpunkt um sein Amt zu übergeben. Übernehmen wird Thomas Rohm, der schon zuvor stellvertretender Schulleiter war. „Wir arbeiten seit sieben Jahren zusammen“, sagt Schimke. „Thomas war in alle Entscheidungen eingebunden und ist damit prädestiniert für die Aufgabe.“ Schimke wünscht seinem Nachfolger vor allem viel Kraft und Geschick für die zukünftigen Herausforderungen: „Es wird viel verlangt: Digitalisierung, Inklusion, Dokumentation und Berufsorientierung – in diesen Bereichen müssen Lehrer heute neben ihrem eigenen Unterricht geschult sein.“

189 freie Stellen

Und Schulleiter sind ein knappes Gut: Der Niedersächsischen Landesschulbehörde zufolge sind über alle Schulformen hinweg derzeit 189 Schulleiterstellen in Niedersachsen nicht besetzt. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, dass in diesem Zusammenhang auch auslaufende Stellen aufgeführt werden, die zum Beispiel wegen der Zusammenlegung zweier Schulen gar nicht mehr besetzt werden. Die Gründe für den Engpass sind laut der Behörde breit gefächert: standortbedingt geringes Bewerberinteresse, kurzfristige Rücknahme von Bewerbungen aus privaten Gründen oder auch eine zu geringe Besoldung für die hohe Arbeitsbelastung werden angeführt.

Um die Attraktivität der Stellen zu erhöhen, hat die Landesregierung zuletzt zwei Maßnahmen ergriffen. Zum einen wurde die Besoldungsstufe von Grundschulleitern für das kommende Schuljahr von A12Z auf A13 angehoben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen bemängelt jedoch, dass die Bezahlung damit weiterhin nur leicht über der eines Gymnasiallehrers ohne Leitungsfunktion liegt. Zum anderen werden die rund 1900 Leitungen von Grund- und kleineren Schulen seit dem 1. März 2018 bei administrativen Aufgaben unterstützt. Die Landesschulbehörde übernimmt beispielsweise die Vertragsgestaltung bei der Einstellung von pädagogischen Mitarbeitern. Der GEW zufolge stoßen die meisten Lehrkräfte dennoch an ihre Belastungsgrenze. Die Gewerkschaft fordert, die Arbeitszeit herunter und das Maß an Anrechnungsstunden herauf zu setzen. Das würde bedeuten, dass die Lehrer für die Erledigung anderer schulischer Aufgaben weniger Unterricht geben müssten.

Hohe Belastung

Während die Nachfolge des Schulleiters am Gymnasium geregelt ist, ist für die Antoniusschule in Holzhausen noch keine Entscheidung gefallen. „Wir hatten einen Kandidaten, der aber vor Kurzem seine Bewerbung zurückgezogen hat“, berichtet der amtierende Schulleiter Wolfgang Göbel (65). Private Gründe aber auch die hohe Belastung des Postens seien ausschlaggebend gewesen. „Neben dem eigenen Unterricht sind mit dem Beruf viele administrative Aufgaben verbunden, die mitunter sehr zeitintensiv sind“, so Göbel. Dennoch möchte er seine 22 Jahre als Schulleiter nicht missen: „Für den Job braucht man eine hohe Motivation. Aber gerade in Holzhausen gibt es ein tolles Netzwerk aus Eltern und Lehrern, die sich gegenseitig unter die Arme greifen. Die enge Zusammenarbeit erleichtert viele Aufgaben.“ Bis der Schulleiterposten offiziell besetzt ist, wird Göbels Vertreterin Anke Brauweiler das Amt kommissarisch übernehmen.

Auch für die kommissarische Leitung sinkt der Pflichtsatz an zu leistenden Unterrichtsstunden. Damit soll mehr Zeit für Verwaltungsaufgaben frei werden. Wie viele Stunden die Schulleitung genau unterrichten muss, ist von der Anzahl der Schüler abhängig. Trotz größerer Verantwortung wird die Bezahlung kommissarischer Leitungen allerdings nicht angehoben.

Um dem Schulleitermangel entgegenzuwirken, hat die Landesschulbehörde mehrere Maßnahmen im Programm. Lehrkräfte, die für eine Leitungsposition in Frage kommen, werden gezielt angesprochen und beraten. Weiterhin informiert die Behörde regelmäßig und überregional über freie Stellen. Aus Beratungsgesprächen von schulfachlichen Dezernenten mit kommissarischen Leitern entstehen, nach Auskunft der Behörde, ebenfalls regelmäßig Bewerbungen.

„Kinder im Blick behalten“

Auch Andreas Viehoff (65), Leiter der Comeniusschule, geht nun nach 13 Jahren in den Ruhestand. Einen Bewerber gibt es auf seinen Posten, worüber er sehr froh ist. Da das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen ist, möchte er keinen Namen nennen. Viehoff gibt seinem Nachfolger vor allem eins mit auf den Weg: „Viele Entscheidungen der Politik gehen völlig an den Kindern vorbei. Deswegen ist es auch Aufgabe der Lehrer, die Kinder im Blick zu behalten.“ Gerade für eine Förderschule wie die Comenius werde es jedoch immer schwieriger, kompetente und angemessene Förderung anzubieten. Viele pädagogische Vorgaben seien unklar und es fehle an ausgebildeten Sonderpädagogen. Auch im Ruhestand möchte Viehoff deshalb seinen Einsatz für benachteiligte Jugendliche fortsetzen.

Nach 19 Jahren gibt auch Ulla Marshall (64) von der Regenbogenschule ihr Amt weiter. Nachfolger wird Stephan Seestern-Pauly, der sich von außerhalb beworben hat. Marshall blickt mit Wehmut auf ihre Laufbahn zurück: „Es war eine tolle Zeit mit einem verlässlichen Kollegium und einem sehr aktiven Förderverein.“ Für den Ruhestand hat sie sich schon einiges vorgenommen: „Ich möchte viel verreisen und Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen. Außerdem möchte ich mir einen Traum erfüllen, und mir einen Zirkuswagen als Ort der Entspannung in den Garten stellen.“


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