Ort der Einkehr und Bildung Zum 100-jährigen Bestehen des Franziskanerkonvents in Ohrbeck

Von Bastian Rabeneck


Georgsmarienhütte. So ganz genau lässt sich heute nicht mehr sagen was die Franziskaner vor 100 Jahren bewegte, sich in Holzhausen niederzulassen. Sicher ist: Von der Gründung im Jahr 1918 über schwere Jahre während des Zweiten Weltkriegs bis hin zur heutigen Nutzung als Bildungseinrichtung – wenn die Gemäuer des Klosters in Holzhausen sprechen könnten, sie hätten viele spannende Geschichte zu erzählen. An diesem Wochenende feiert das Konvent Holzhausen-Ohrbeck sein 100-jähriges Bestehen.

Nach mühevoller Kleinarbeit erklärte Franziskanerpater Markus Huneke im Jahr 2003 das Archiv der Kirchengemeinde St. Antonius für fertig. Die zuvor völlig ungeordneten Dokumente reichen bis zu den Anfangstagen des Franziskanerkonvents auf dem Boberg zurück. Urkunden, Handschriften, Taufbücher und Fotos erlauben Interessenten seitdem einen Blick in die Vergangenheit. So lässt sich herausfinden, dass die ersten Mönche bei ihrer Ankunft 1918 noch in Notbaracken unterkamen, acht Jahre später eröffnete an gleicher Stelle das heutige Haus Ohrbeck als Exerzitienhaus: Ein Ort abseits des alltäglichen Lebens, der den Menschen helfen soll Ruhe und Frieden bei Gott zu finden.

Das Archiv beherbergt außerdem einen Brief der Holzhauser Bürger an den Bischof von Osnabrück, mit der Bitte eine Kirche im Ort zu errichten. Inzwischen hat die Kirche St. Antonius seit 80 Jahren Bestand und dient zum einen als Pfarrkirche der Gemeinde und zum anderen als Klosterkirche der Ohrbecker Franziskanermönche.

Von den Nazis aufs Korn genommen

Jahre später mussten sich die Ohrbecker Mönche mit der wohl härtesten Bewährungsprobe ihrer Geschichte auseinandersetzen: dem Nationasozialismus. Gezielt machten die Nazis den Franziskanern und der Ohrbecker Kirchengemeinde das Leben schwer und gaben sich alle Mühe, den Einfluss der Mönche zu untergraben. Bereits in den Dreißigern durchsuchten die Nazis die Pfarrbücherei, um „belastendes Material“ zutage zu fördern. Immer wieder bemühten sie sich, die Grundstücke der Gemeinde an sich zu reißen, und terrorisierten die Mönche mit Plakataktionen und störten ihre Gottesdienste. 1941 wurde bei einer neuerlichen Durchsuchung der Bibliothek eine niederländische Schrift mit dem Titel „Pogrome in Deutschland“ gefunden, die den Franziskanern möglicherweise „untergejubelt“ worden war. Aller Widerstand war vergebens, Kloster und Exerzitienhaus wurden unter staatliche Aufsicht gestellt.

1942 kam den Gebäuden eine neue Bedeutung zu. Nach der Bombardierung der Osnabrücker Krankenhäuser wurden Kranke und Verletzte im Ohrbecker Kloster und dem Exerzitienhaus untergebracht und behandelt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte langsam wieder Normalität ein, offiziell durften die Mönche aber erst 1954 das Kloster wieder ihr Eigen nennen.

Modernisierung zur Bildungsstätte

Der nächste bedeutende Einschnitt in der Geschichte des Klosters ereignete sich 1971. Damals wurde das Konzept des Exerzitienhauses überarbeitet. Von jetzt an sollte die Einrichtung nicht nur ein Ort der Einkehr und Besinnung, sondern auch der Bildung sein. Seit 1954 hatte das Kloster ohnehin regelmäßig Veranstaltungen organisiert, um den Gemeindemitgliedern Lebenshilfen anzubieten. Bis 1970 besuchten 46273 Teilnehmer die rund 1070 Veranstaltungen. Das neue Konzept ging auf. Noch heute bietet das ehemalige Exerzitienhaus – die heutige katholische Erwachsenenbildungsstätte Haus Ohrbeck – jährlich um die 400 Veranstaltungen in Bereichen wie Wissenschaft, Kunst, Kirche, Politik und Wirtschaft an.

Und die Modernisierung ging weiter: Ende der Achtzigerjahre weihte der Osnabrücker Bischof Ludwig Averkamp nach zweijähriger Bauzeit mit den Worten „Möge ein guter Geist in dieses Haus einziehen“ den Erweiterungsbau der Bildungsstätte Haus Ohrbeck ein. 2,25 Millionen Deutsche Mark (DM) fielen damals für das Bauprojekt an. 1997 machten kaputte Fenster, marode Böden und eine defekte Heizungsanlage die Sanierung der Klosterkirche unvermeidbar. Weitere 2,15 Millionen DM wurden fällig. Die auffälligste Neuerung der Sanierungsarbeiten ist wohl die überarbeitete Altarwand. Bis heute zieht das farbenprächtige und kraftvolle Christusgemälde des Kirchenmalers Hermann Gottfried die Blicke der Kirchenbesucher auf sich.


Die Pfarrfestwoche der Pfarreiengemeinschaft GMHütte-West:

Am Samstag, 16. Juni, laden die Franziskaner vom Konvent Holzhausen-Ohrbeck anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums zum Fest-Gottesdienst um 17 Uhr in die St. Antonius-Kirche ein. Die Messe hält Weihbischof Johannes Wübbe.

Um 11 Uhr startet am Sonntag das Pfarrfest, bei dem sich die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde mit einer vielfältigen Groschenkirmes präsentieren. Eine Tombola, Kirchen- und Konventführungen und weitere Aktivitäten sind geplant. Das Ende des Pfarrfestes wird gegen 15.30 Uhr sein. Im Anschluss folgt die Übertragung der Fußball-WM-2018 Deutschland : Mexiko (Beginn 17:00 Uhr) auf der Großleinwand im DRK-Heim am Haunhorstweg in Holzhausen.

Die Senioren treffen sich am Dienstag, 19. Juni, zum Senioren-Nachmittag im Pfarrheim St. Antonius. Beginn ist um 15.30 Uhr. Es wird ein Fahrservice angeboten. Interessenten können sich bis zum 14. Juni in den jeweiligen Pfarrbüros unter Tel. 05401-83569-26 (St. Antonius) oder unter Tel. 05401-839063 (Herz-Jesu) anmelden.

Die Fahrradtour für Jung und Alt beginnt am Mittwoch, 20. Juni. Start ist jeweils um 18 Uhr in den Gemeinden am Pfarrheim St. Antonius und am Pfarrhaus Herz-Jesu. Gemeinsamer Abschluss ist gegen 19 Uhr im Antoniuspark.

Am Donnerstag, 21. Juni, lädt die Gemeinde um 18.30 Uhr zum Liederabend in der Herz-Jesu-Gemeinde ein. Der Wanderpokal der Doppelkopffreunde wird am Freitag, 22. Juni im Raum St. Marien der Herz-Jesu-Gemeinde erspielt. Die Anmeldung ist ab 18.30 Uhr, Start des Turniers ist um 19 Uhr. Startgeld: 5 Euro.

Der Erlös des Pfarrfestes in St. Antonius ist für die Instandhaltung des Pfarrheims bestimmt. In Herz-Jesu ist der Erlös des Pfarrfestes für caritative Zwecke bestimmt.