Zeitgeist spricht aus Plakaten Ausstellung „70 Jahre Israel“ in Georgsmarienhütte

Geschichte des Staates Israel im Design: Sara Neumann (links) und Henrietta Singer zeigen eine Auswahl ihrer 70 Plakate im Rathaus Georgsmarienhütte.Geschichte des Staates Israel im Design: Sara Neumann (links) und Henrietta Singer zeigen eine Auswahl ihrer 70 Plakate im Rathaus Georgsmarienhütte.

Georgsmarienhütte. Ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in Ramat Hasharon und ganz Israel, so Bürgermeister Ansgar Pohlmann, soll die Ausstellung sein, die im Rathaus Georgsmarienhütte mit einer Lesung der beiden Autorinnen Henrietta Singer und Sara Neumann aus ihrem soeben erschienenen Buch „70 Jahre Israel in 70 Plakaten“ eröffnet wurde.

Die über 40-jährige Partnerschaft mit Ramat Hasharon sei letztlich auch der Auslöser für das Buch gewesen, berichtete die Frankfurter Art-Direktorin Henrietta Singer, die in Georgsmarienhütte aufgewachsen ist und mehrfach am Jugendaustausch teilnahm. In Israel sei ihr Entschluss gereift, Kommunikationsdesign an der Jerusalemer Bezalel Kunstakademie zu studieren. Die „Bezalel“ sei nach der Staatsgründung am 14. Mai 1948 die erste Hochschule des aufstrebenden Landes gewesen. „Nicht etwa eine technische Hochschule, wie man angesichts des heutigen hohen technologischen Standards in Israel erwarten könnte“, führte Singer aus. Kunst als unverzichtbare Ressource für mentale Stärke sei den Israelis schon immer sehr wichtig gewesen. Und Stärke habe man zum Aufbau des neuen Staates dringend gebraucht. (Weiterlesen: Deutsch-Israelischer Jugendaustausch wichtig – Bürgermeister Avi Gruber aus Ramat Hasharon in GMHütte)

Drehbuchautorin

Während ihres Studiums sammelte Singer mit Vorliebe Plakate, die sie als Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes faszinierend fand. Auf Anregung und mit Unterstützung ihrer Freundin, der Jerusalemer Drehbuchautorin Sara Neumann, entstand das Buch, das jedem Jahr seit 1948 ein zeittypisches Plakat zuordnet und die jeweilige Situation erläutert. Dazu sichteten die jungen Frauen über 3000 Plakate und besuchten viele noch lebende Designer in Israel. „Wichtig war uns, dass die Poster wirklich in Israel gestaltet und veröffentlicht wurden, dass sie eine wichtige Entwicklung reflektieren und zudem eine gute Designqualität haben“, erklärte Singer.

Den Auftakt zur Plakatsammlung macht die Darstellung einer Soldatin und eines Soldaten, die gemeinsam in der kurz nach der Staatsgründung entstandenen Armee kämpfen. Ben Gurion, der erste Ministerpräsident, habe alle der teils miteinander konkurrierenden paramilitärischen Milizen verboten und sie in den Israel Defence Forces geeint. „Bis heute dienen Frauen zwei Jahre und Männer drei Jahre in der Armee“, erklärte Neumann, die Übernahme militärischer Verantwortung auch durch Frauen sei ein wichtiges Merkmal des Landes.

„Let my people go“

Den israelischen Alltag und das jüdische Leben beleuchten die Autorinnen exemplarisch über die Themen Einwanderung, Versorgung, technologischer Fortschritt, Kultur, Geschichte und Politik. Als Beispiele seien hier die beiden Lieblingsplakate von Singer genannt. Das eine, gestaltet vom KZ-Überlebenden Dan Reisinger 1969, zu Zeiten eines äußerst restriktiven Umgangs mit Juden in der Sowjetunion, formuliert die geradezu biblische Aufforderung „Let my people go“, wobei das letzte – entscheidende - Wort aus den kommunistischen Symbolen Hammer und Sichel gebildet ist. Das andere, ein Plakat aus dem Jahr 2000 von Yashe Rozov, zeigt, wie der Löwe dem Jerusalemer Stadtwappen entflieht – für Singer und Neumann eine Vorwegnahme der ein halbes Jahr später beginnenden zweiten Intifada. (Weiterlesen: Bewegte Historie – Plakat-Ausstellung über 70 Jahre Israel in GMHütte)

14 der insgesamt 70 Plakate samt ausführlichen Erläuterungen sind bis zum 30. Juni im öffentlich zugänglichen Foyer des ersten Obergeschosses im Rathaus Georgsmarienhütte zu sehen. Die Ausstellung soll auch in anderen deutschen Städten gezeigt werden.


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