Vortrag und Diskussion über die Rolle der Frau Auf die Auslegung des Korans kommt’s an

Auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Susanne Häring (links) in Georgsmarienhütte: Die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn, hier mit ihrem aktuellen Buch.

            

              
                Foto: Anke Herbers-GehrsAuf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Susanne Häring (links) in Georgsmarienhütte: Die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn, hier mit ihrem aktuellen Buch. Foto: Anke Herbers-Gehrs

ahg Georgsmarienhütte. „Rollenbilder – Religionsfreiheit – Rechtsstaat“ lautete der Untertitel des Vortrags im Gmhütter Rathaus. Referentin war die Religionswissenschaftlerin und zweifach promovierte Professorin Ina Wunn aus Hannover.

Die Gleichstellungsbeauftragte Susanne Häring hatte Ina Wunn im vergangenen Sommer bei ähnlich heißem Wetter während einer Veranstaltung des Niedersächsischen Sozialministeriums kennengelernt und war sehr beeindruckt gewesen. Auch in Georgsmarienhütte bot die Professorin einen differenzierten Einblick in das Thema. Die 63-Jährige hat einen Doktortitel sowohl als Biologin als auch als Religionswissenschaftlerin, forschte in Afrika und im Nahen Osten und lehrt heute als außerplanmäßige Professorin an der Leibnizuniversität Hannover. Ihr Credo: Der Diskurs ist nötig, man muss miteinander sprechen. Und zwar ohne Angst und ohne Diskriminierung.

„Der Islam unterdrücke die Frau nicht“

Der Islam unterdrücke die Frau nicht, so Wunn. Im Gegenteil: Bei seiner Entstehung habe er eine sehr gerechte Ordnung gebracht und den Frauen Rechte gegeben, die sie vorher nicht hatten. Dann aber habe sich die Religion entwickelt, es gab eine Evolution, wie in jeder Religion. „Nicht der Islam zwingt in Rollen, sondern das kulturelle Umfeld“, so Wunn.

Und wie ist es mit der Religionsfreiheit? Dieser Begriff wurde durchs christliche Abendland geprägt, sagte die Professorin. Er bedeute, dass man sich selbst aussuchen darf, was man glaubt. Er bedeute aber nicht, dass die Ausübung der Religion sich über das herrschende Recht erheben darf.

Große Freundin des Islam

Nur das Christentum habe ein Dogma, es sei auch die einzige Religion mit Kirche, also mit einer hierarchischen Organisation vom Gemeindepfarrer bis zum Papst. Dass es diese Organisation im Islam nicht gäbe, mache die Verständigung und das Aushandeln so schwierig, wenn Religion und Rechtsstaat in Konflikt geraten.

Aber, wie Wunn selbst einräumt: Sie sei eine große Freundin des Islam und der Kultur des Orients. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden dann auch aktuelle Konfliktpunkte aus dem täglichen Leben angesprochen. Wie ist es mit dem Triple Talaq, der Scheidung nach dreimaligem Zuruf? Wie soll die Schule mit dem Ramadan umgehen? Wie können Frauen gleichberechtigt sein, wenn sie noch nicht einmal etwas unterschreiben dürfen?

„Gewaltpotenzial gibt es bei allen Religionen“

Die Religionswissenschaftlerin kennt alle diese Probleme. „Gewaltpotenzial gibt es bei allen Religionen“, sagt sie und erinnert an die Inquisition. Es komme auf die Exegese, die Auslegung an. Die Anwendung des Scharia-Rechtes könne durchaus funktionieren, wie das Beispiel Israel zeige.

Unterwandert der Islam unseren Rechtsstaat? Ina Wunn warnte vor Polemisierung. Dennoch könne es ein oder zwei Generationen dauern, bis das Vertrauen der neuen Zuwanderer in einen funktionierenden Rechtsstaat wie in Deutschland gewachsen ist. „Vertrauen Sie unserer Kultur, wir haben eine funktionierende Demokratie“, das gab sie dem Publikum zum Abschluss mit auf den Weg.

Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Bundesprojekt „GMHütter Netzwerk für geflüchtete Familien“.