Klosteraner Anbieter reduziert Angebot Notstand bei der ambulanten Pflege in GMHütte

Von Wolfgang Elbers

Pflegenotstand: Der Pflegedienst Schnitger im Juni noch einmal sein ambulantes Angebot. Die beiden anderen Anbieter vor Ort verfügen über keine Kapazitäten, noch neue Fälle zu berücksichtigen. Foto: dpaPflegenotstand: Der Pflegedienst Schnitger im Juni noch einmal sein ambulantes Angebot. Die beiden anderen Anbieter vor Ort verfügen über keine Kapazitäten, noch neue Fälle zu berücksichtigen. Foto: dpa

Georgsmarienhütte. Die Situation bei ambulanten Pflegeangeboten ist auch in der Hüttenstadt seit Langem problematisch. Jetzt verschärft sich durch den Rückzug des Pflegedienstes Schnitger, der sich auf Tagespflege-Plätze konzentriert, die Betreuungslage noch einmal: Die beiden anderen Anbieter vor Ort verfügen über keine Kapazitäten, noch neue Fälle zu berücksichtigen.

„Mobile Hilfe und Pflege“ verspricht die Aufschrift auf den roten Fahrzeugen des Pflegedienstes Schnitger, doch das gilt nur noch eingeschränkt: Nachdem zum 1. November des vergangenen Jahres rund einem Drittel der ursprünglich einmal um die 180 versorgten Pflegebedürftigen mitgeteilt wurde, dass die ambulanten Pflegeangebote eingestellt werden und eine Konzentration auf die Tagespflege erfolgt, wird jetzt zum 1. Juni der nächste Reduzierungsschritt vollzogen.

Keine Nachfolgelösung

„Hilfe & Pflege“-Leiterin Agnes Schnitger, die seit 43 Jahren in der Pflege tätig ist und seit 1996 einen ambulanten Pflegedienst betreibt: „Ich will mich auf die Ende 2017 eröffnete neue Tagespflege mit angegliedertem Wohngemeinschaftsprojekt an der Glückaufstraße 179 in der Nähe der Waldbühne konzentrieren.“

Die Zahl der vom Schnitger-Dienst ambulant versorgten Pflegebedürftigen wird ab Ende der Woche nur noch um die 50 Personen betragen: „Wir haben extra zwei rund ein halbes Jahr auseinander liegende Kündigungstermine gewählt, damit alle Zeit haben, sich auf die neue Situation einzustellen. Ich bin jetzt Mitte 60 und kann das Engagement einfach nicht mehr im bisherigen Umfang weiterführen, sondern muss mich verkleinern.“ Leider sei es nicht möglich gewesen, eine qualifizierte Nachfolgelösung für das ambulante Angebot zu finden. ( Weiterlesen: „Ambulante geht vor stationärer Pflege“ - Interview mit Pflegeberatin Petra Herder)

Rund 50 Betreuungen werden hier aber auch in den kommenden Wochen und Monaten weitergeführt. Agnes Schnittger: „Hier handelt es sich um einen Kreis, bei dem sich keine Anschlusslösung finden ließ, oder aufgrund der Erkrankung ein Wechsel nicht zuzumuten war. Natürlich sehe ich mich in bei solchen Fällen in der Pflicht, das derzeitige Angebot fortzusetzen.“ Dafür seien auch weiter um die 50 „Mobile Hilfe und Pflege“-Mitarbeiter im Einsatz.

Sie bedauert die durch den „gestaffelten Rückzug“ entstandene Situation: „Das bringt die Betroffenen natürlich zum Teil in eine schwierige Lage, da es kaum Ersatzangebote gibt.“ Aber die grundsätzlichen Probleme beim ambulanten Pflegeangebot im südlichen Landkreis aufgrund fehlender Fachkräfte seien seit Langem bekannt und auch von Caritas und Diakonie, den beiden anderen vor Ort tätigen Diensten, immer wieder thematisiert worden.“ Leider ohne Erfolg.

Agnes Schnitger: „Wir haben seit Langem in der Region erhebliche Engpässe bei der Versorgung.“ Das bestätigt auch Renate Frankenberg-Klostermann, stellvertretende Leiterin der GMHütter Caritas-Station, die in ihrem Bereich um die 180 Patienten ambulant betreut: „Alle Dienste suchen händeringend Fachkräfte, aber es wird seitens Politik und Krankenkassen leider wenig getan, um Pflegeberufe attraktiver zu machen.“

Durch die Veränderungen bei Schnitger habe sich die Situation bei den ambulanten Angeboten noch einmal verschärft: „Wir haben viele Anfragen, ob wir die Pflege übernehmen können, aber einfach nicht die Kapazitäten, da es sich auch um sehr unterschiedliche Betreuungen handelt.“ Das reihe von intensiven Fällen mit vier täglichen Besuchsterminen und Spätdienst- und Wochenendeinsätzen bis zu Patienten, die einmal die Woche aufgesucht werden müssten.

„Wir versuchen, natürlich Lösungen zu finden. Aber das ist derzeit nur möglich, wenn dies vom Zeitaufwand in eine bestehende Tour passt. Sonst können wir darauf hinweisen, sich in zwei Wochen noch einmal zu melden“, erläutert Renate Frankenberg-Klostermann zur Alltagslage. Für die Betroffenen sei dies natürlich ein Drama.

Auch der „Ambulante Dienst“ der GMHütter Diakonie Sozialstation, die derzeit rund 100 Pflegebedürftige in der Hüttenstadt und Umgebung in deren Wohnungen betreut, verzeichnet weiter eine verstärkte Nachfrage. „In den vergangenen Monaten sind es um die 20 Fälle gewesen, die in mehreren Schüben von unserer Sozialstation übernommen wurden“, bestätigt Diakonie-Sprecherin Karina Eggers.

Nach ihren Angaben ist in den vergangenen Jahren „wie in allen Gebieten der Bedarf an Pflege-Dienstleistungen kontinuierlich gestiegen und dementsprechend natürlich auch die Nachfrage nach Fachkräften“. Die Diakonie-Sprecherin: „Auch unser Bedarf an Fachkräften ist, unter anderem durch die Ausweitung unseres Pflege-Angebotes, höher als die Anzahl sofort zur Verfügung stehender Mitarbeiter in und um Osnabrück.

Schnitger: Für Qualität der Pflege schlechte Perspektive

Die Personalprobleme bei der ambulanten Pflege dürften bestehen bleiben, da im Pflegebereich die Kräfte-Nachfrage weiter steigt. Im Juli dürfte in Kloster Oesede das Haus Amare eröffnen – eine Seniorenresidenz und „modernste Pflegeeinrichtung“ mit 120 Wohneinheiten, deren Mitarbeiterbedarf insgesamt bei weit über 100 Kräften liegen könnte.

Agnes Schnitger: „Das derzeit schon rund 200 Stellen im Pflegebereich nicht besetzt werden können, zeigt die Dramatik der sich weiter zuspitzenden Situation.“ Dies sei vor allem für die Qualität der Pflege eine ganz schlechte Perspektive.