Mehr Teamgeist in EU gewünscht Schülerprojekt „Wir und Europa“ am Gymnasium Oesede

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Georgsmarienhütte. Aus Anlass des Europatags beschäftigte sich die Klasse 10F2 am Gymnasium Oesede in einer umfassenden Projektarbeit mit dem Thema „Wir und Europa“ und lud den Bad Iburger Bundestagsabgeordneten Matthias Seestern-Pauly (FDP) zu einer Gesprächsrunde ein.

Die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentierten die Schüler auf großen Stelltafeln im Pädagogischen Zentrum. „Damit rücken wir das Thema Europa wieder in den Fokus der Schulöffentlichkeit“, merkte Politiklehrer Jan-Henrik Beyer an, „sonst wird es nämlich nur im Unterricht der Klasse 10 behandelt.“ Schulleiter Ulrich Schimke begrüßte das Ausstellungsprojekt, das sowohl bei jüngeren als auch älteren Schülern auf Interesse stoße, ausdrücklich. „Europa ist in unserem Leitbild als Europaschule allgegenwärtig und in Sachen interkulturelles Lernen sind wir gut aufgestellt“, würdigte der Oberstudiendirektor das Engagement seines Kollegiums. Soeben finde parallel ein Treffen von Fremdsprachenassisstenten und ‚native speakers‘ aus dem englischsprachigen Raum statt.

In sechs Doppelstunden hatten die Zehntklässler sich selbst Themen gesucht und bearbeitet. Da ging es um Sozialpolitik und die Flüchtlingsproblematik ebenso wie um das Image von Europa und die Frage, ob Europa unter einem Demokratiedefizit leide. Breiten Raum nahm die Frage ein „Wie stehen die Menschen in den verschiedenen Mitgliedsländern zur EU?“ Isabell Simon und Clarissa Burckert erläuterten stellvertretend für ihre Mitschüler deren Standpunkte. Nach wie vor würden dauerhafter Frieden, Demokratie, gemeinsame Grundwerte, kulturelle Vielfalt und wettbewerbsfähige Marktwirtschaft von vielen geschätzt, aber es gebe auch Mitgliedsländer wie Polen und Ungarn, deren Solidarität zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage sehr unterentwickelt sei. „Etwas mehr Teamgeist wäre wünschenswert“, meinten die Schüler.

Matthias Seestern-Pauly, seit Herbst 2017 Bundestagsabgeordneter und kinder- und jugendpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, nahm die lebhafte Auseinandersetzung der Schüler mit den politischen und sozialen Rahmenbedingungen der EU erfreut zur Kenntnis. Anknüpfungspunkte zu seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter ergaben sich schnell, zum Beispiel bei Fragen nach dem Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen oder der Vermeidung von Kinderarmut. Der von allen Parteien immer wieder formulierte Wille zum Kampf gegen Kinderarmut scheitere bislang an dem unübersehbaren Gewirr gesetzlicher Regelungen, die in Teilen einander widersprächen. Allein in der Bundespolitik gebe es 156 familien- und kinderbezogene Leistungen. „Die kann ein Sachbearbeiter nicht alle auf dem Schirm haben“, sagte Seestern-Pauly. Berechtigte könnten ihre Ansprüche nicht realisieren, weil sie sie schlichtweg nicht kennen würden. Und wenn doch, würden datenschutzrechtliche oder andere Regelungen eine zügige Bearbeitung verhindern.

Weitere Fragen der Jugendlichen bezogen sich auf Bildungspolitik, Digitalisierung, das Scheitern der Jamaika-Koalition und den Arbeitsalltag eines Bundestagsabgeordneten. Zum Abschluss ermunterte Sestern-Pauly die Schüler, sich weiterhin in die Politik einzubringen, etwa bei „Pulse of Europe“, einem Praktikum in der Politik oder in einem Erasmus-Stipendium. „Die EU ist nach wie vor für uns alle eine Riesenchance und wir sollten Verantwortung dafür übernehmen.“


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