„Bezahlbarer Wohnraum ist möglich“ Familienbund der Diözese Osnabrück appelliert an Gemeinden und Kommunen

Von Andreas Wenk

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Bedanken sich bei Diakon Gerrit Schulte für seinen Vortrag: Maike Wenzel, Heike Geers und Marga Apke. Foto: Andreas WenkBedanken sich bei Diakon Gerrit Schulte für seinen Vortrag: Maike Wenzel, Heike Geers und Marga Apke. Foto: Andreas Wenk

awen Georgsmarienhütte. Kirchengemeinden und Politik sollen sich für ebenso familiengerechten wie bezahlbaren Wohnraum einzusetzen und für entsprechende Modellprojekte Grundstücke günstig zur Verfügung zu stellen. Das fordert der Familienbund in einem Appell.

„Wohnen ist ein Menschenrecht und man kann Menschen nicht in die Wohnungslosigkeit räumen“ verlangte der Vorsitzende des Caritasrates, Gerrit Schulte jetzt in seinem Vortrag beim Diskussionsabend in der Katholischen Landvolkhochschule Oesede. Wunschdenken – denn, so Schulte, „zum einen fehle ein entsprechendes Gesetz und selbst wenn es das gäbe, fehlten alternative Wohnungen.“ Und: Grundsätzlich müssten Räumungen natürlich möglich bleiben, sei es zum Schutz eines Hauses oder der anderen Mieter.

Wie können Kommunen und Kirchen helfen?

Mit seinem Impuls-Referat stieß Schulte eine engagierte Diskussion im Familienbund an. Dabei ging es nicht zuletzt darum, ob und wie Kommunen und Kirchen helfen können, aktuelle Fehlentwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und hohe Baukosten und teure Mieten zu verhindern. Schulte plädierte dafür, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Dabei riet er Kirchengemeinden und Kommunen zum Verzicht – zum einen auf Grundsteuern und zum anderen darauf, beim Grundstücksverkauf den optimalen Preis herauszuholen. Er beobachte in Teilen aber genau das Gegenteil, berichtete Franz Josef Strunk. Möglicherweise wäre ein Verzicht sogar ein zweischneidiges Schwert: Es gebe schließlich Gemeinden, die am Jahresende kaum noch ihre Gehälter zahlen könnten, hielt Andre Averdiek solchen Appellen entgegen, oder Kommunen müssten unter solchen Voraussetzungen womöglich dringend notwendige Kita-Projekte hinausschieben.

Aufruf an Kirchengemeinden und Politik

Am Ende verabschiedete der Familienbund dennoch einstimmig einen Aufruf an Kirchengemeinden und Politik, sich für ebenso familiengerechten wie bezahlbaren Wohnraum einzusetzen und für entsprechende Modellprojekte Grundstücke günstig zur Verfügung zu stellen.

Kritik an Privatisierung

Zuvor hatte Schulte einen Überblick über den Wohnungsmarkt gegeben. Gerade in Großstädten bliebe rund 1,3 Millionen Menschen nach Abzug der Mietkosten ein verfügbares Einkommen, das unterhalb der Hartz-IV-Sätze liege. Außerdem habe sich die Zahl der Single-Haushalte dramatisch erhöht. Als politischen Fehler stellte Schulte die Privatisierung sozialer Wohnungsbaugesellschaften heraus. Seit 1990 sei die Zahl der Sozialwohnungen um rund 40 zurückgegangen. Zudem gebe es viel „vagabundierendes Kapital“, das „in Stein“ investiere. Das gelte nicht nur für große Metropolen, sondern auch für Osnabrück.

Dabei könne man den neuen Eigentümern keinen Vorwurf daraus machen, dass sie mit ihren Investitionen Geld verdienen wollten, entscheidend sei das wie. Grundsätzlich dürfe Wohnraum nicht zu einem beliebigen Wirtschaftsgut verkommen. „Der freie Markt ist im Sozialen schwierig“, so Schulte. Wohnen sei ein Grundbedürfnis. Kranke und Schwache seien – anders als von vielen Wirtschaftstheoretikern angenommen - keine autonomen Bürger, die frei entscheiden könnten.

Fehlentwicklungen am Wohnungsmarkt

Schulte wandte sich aber dagegen, die Fehlentwicklungen am Wohnungsmarkt einzig dem Treiben internationaler Fonds anzulasten. Es gelte alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Manchmal stelle sich dann heraus, dass das soziale Gewissen überraschend stärker ausgeprägt sei als das Gewinnstreben. Außerdem forderte Schulte dazu auf, Kosten treibende Bauvorschriften zu lockern.

Sein Fazit: „Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist möglich, wenn es denn gewollt ist.“


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