Treffen in Georgsmarienhütte Kontaktgruppe für Menschen mit und ohne Behinderung

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In der Selbsthilfegruppe „Gemeinsam statt einsam“ für Menschen mit und ohne Behinderung geht es um Trauerbewältigung, Lebensfreude und Zuversicht. Foto: Petra PieperIn der Selbsthilfegruppe „Gemeinsam statt einsam“ für Menschen mit und ohne Behinderung geht es um Trauerbewältigung, Lebensfreude und Zuversicht. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. In der Selbsthilfegruppe „Gemeinsam statt einsam“ sind Menschen willkommen, die sich einsam fühlen. Sei es aufgrund des Verlusts eines geliebten Menschen, sei es, weil sie wegen einer Behinderung oder durch langwierige Krankheitsverläufe zermürbt und entmutigt sind, oder einfach, weil sie sich unverstanden und allein fühlen.

In dieser Gruppe geht es eher um menschliche Beziehungen als um Krankheiten: „Wir sind eine offene Kontaktgruppe für Menschen mit und ohne Behinderung, die aus einem Seminar zur Trauerbegleitung entstanden ist“, erläutert die Heilerziehungspflegerin Evelyn Krause-Heiß, die vor zehn Jahren mit Elisabeth Ibing und der inzwischen verstorbenen Lydia Neiberger die Initiative zur Gruppengründung ergriffen hat. Nach Schicksalsschlägen komme oft das große Schweigen. „Wenn die Seele weint“, falle es schwer, mit andern Menschen zu sprechen. Und auch viele Mitmenschen täten sich schwer, unbefangen auf Trauernde zuzugehen. Im verstehenden Miteinander der Gruppe lasse sich die Trauer zwar auch nicht auflösen, aber vielleicht lindern: „Wir alle zeigen Verständnis und sind bereit zuzuhören.“

Sprechen oder schweigen

In der Gruppe, die sich jeden ersten und dritten Freitagnachmittag von 15.30 bis 18 Uhr im Familienzentrum Maries Hütte trifft, trinken die Teilnehmer zunächst gemeinsam Kaffee, bevor sie später „etwas Kreatives“ machen. Im geschützten Raum kann jeder über sich und seine Erlebnisse sprechen, man kann aber auch einfach nur schweigen. „Hier gibt es kein Muss“, betont Ruth Bardtke, die manchmal ihren 16-jährigen „Irish-soft-coated-wheaten“-Terrier mitbringt. „Antons weiches Fell und sein sonniges Gemüt machen ihn zum beliebten Therapiehund.“ An diesem regennassen Tag ist der betagte Hund aber zuhause geblieben und die Gruppenteilnehmer müssen ohne ihn auskommen.

Zum Pressetermin ist auch nur der „harte Kern“ der bis zu zwölf Personen umfassenden Gruppe erschienen, wie Evelyn Krause-Heiß schmunzelnd feststellt. Dazu gehören auf jeden Fall Stefan, Sabine, Doris und Stephan, die per Bulli aus ihrem Wohnheim gekommen sind. Mit formvollendetem Handkuss bedenkt Stefan die bereits anwesenden Damen und macht sich dann an der Kaffeemaschine nützlich. Doris begleitet die schwer sehbehinderte Sabine zu einem Sitzplatz, bevor auch sie die Anwesenden mit herzlichen Umarmungen begrüßt.

Warmherziger Umgangston

Fast wirkt die Gruppe wie eine große Familie, so warmherzig ist der Umgangston. Doris berichtet, wie sie sich vor Jahren „von Mama und Papa abseilen“ wollte und in ein Wohnheim gezogen ist, wie sie dann den Tod ihrer Mutter verkraften musste: „Ich hatte psychische Probleme, und die Gruppe hat mir sehr geholfen.“ Gern erzählt sie auch von ihrer Teilnahme an einem Seminar über leichte Sprache in Leipzig: „Da musste ich erst einmal das Sächsische verstehen!“ Weniger mitteilsam, aber ebenfalls reiselustig ist der 58-jährige Stefan, ein leidenschaftlicher Schachspieler, der trotz Down-Syndrom allein nach Stuttgart reist.

All die besonderen Fähigkeiten und Lebensgeschichten der Teilnehmer verewigt Elisabeth Ibing in einem ihrer Buchprojekte. Die Fantasyfreundin hat sich ein Setting ausgedacht, in dem nach einer Katastrophe auf der Erde nur noch ganz besondere Menschen überleben. Diese erzählen in Interviews, was ihr Leben ausmacht und was ihnen wichtig ist.

Zuversicht ist Programm

Inzwischen geht es in der Gruppe längst nicht mehr ausschließlich um Trauerbewältigung; alles, was der Lebensfreude dient und Zuversicht ermöglicht, hat Platz im Programm. So werden häufig kreative Tätigkeiten wie malen, basteln, singen, kochen oder backen ausgeübt, im Sommer sind Ausflüge beliebt. Zu Ostern wurden Grußkarten gefertigt. Und wenn jemand aus der Gruppe erkrankt, bekommt er liebevoll gestaltete Genesungswünsche.

Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Selbsthilfegruppe wollen die Teilnehmer im Laufe des Sommers einen Baum auf der Landesgartenschau pflanzen, verrät Doris, und Elisabeth ergänzt, dass am 22. September nachmittags ein „Tag der offenen Gruppe“ mit Kaffeetafel für alle Unterstützer und „stillen Helfer“ sowie Freunde und Verwandte in Maries Hütte stattfinden wird.

Neue Teilnehmer sind jederzeit willkommen, die nächsten Treffen sind jeweils freitags am 20. April und am 4. Mai, um 15.30 Uhr in Maries Hütte, Werner-von-Siemens-Straße 10 in Georgsmarienhütte.

Kontakt: Evelyn Krause-Heiß, Tel. 05401/32711 oder E-Mail: ek-heiss@osnanet.de.


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