Ausdauersportlern der Luft Brieftaubenzüchter in GMHütte und Hagen öffnen die Türen

Von Carolin Hlawatsch


Georgsmarienhütte. Am 15. April ist „Tag der Brieftaube“. Zum ersten Mal in der über 130-jährigen Geschichte des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter laden Züchter aus ganz Deutschland Interessierte in ihre Taubenschläge ein, um für ihr Hobby zu werben. Auch in Georgsmarienhütte und Hagen öffnen Taubenhalter am Sonntag ihre Schläge.

In gut zwei Wochen beginnt die Reisesaison der Brieftauben. In den folgenden drei Monaten fliegen die Tiere an Wochenenden um die Meisterschaften. Dabei legen sie Distanzen von 200 bis 600 km Kilometern zurück und das mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern.

Taubentraining

Um nach der winterlichen Ruhe- und Mauserzeit nun für die Flüge wieder topfit zu sein, werden Brieftauben von ihren Haltern trainiert. Die Züchter legen großen Wert auf Orientierungsfähigkeit, Schnelligkeit und Gesundheit der Tiere. Gerade mitten in der Trainingszeit seiner 70 Tauben steckt auch Christoph Gröne aus Georgsmarienhüttes Ortsteil Oesede-Dröper. Er fiebert den Wettflügen entgegen und setzt seine Tauben derzeit täglich fünf, zehn oder auch zwanzig Kilometer entfernt aus, damit sie dann zum Schlag zurückfliegen. Für die Jungtiere unter einem Jahr beginnt das Training langsamer. Sie absolvieren Wettflüge erst im August und über deutlich kürzere Distanzen.

Schon seit seiner Kindheit fasziniert ihn der angeborene „Heimkehrwille“ der Brieftauben. „Bis heute konnte die Wissenschaft nicht abschließend klären, warum sich Brieftauben über hunderte Kilometer so gut orientieren können“, sagt Christoph Gröne. Als Elfjähriger trat er 1982 in den Brieftaubenverein Fortuna Oesede ein. Dieser Verein ist der Reisevereinigung Georgsmarienhütte angeschlossen, deren Vorsitzender Gröne ist. Zur Reisevereinigung Georgsmarienhütte gehören 60 Brieftaubenfreunde mit zirka 40 Taubenschlägen. Rund 13 Wettkampflüge, sogenannte „Reisen“ veranstaltet die Reisevereinigung pro Jahr. In dieser Saison werden ihre Vögel dafür in Boxen eines speziellen Transportwagens, dem Kabinen-Express, zu den Startplätzen, oder zu den „Auflassplätzen“, wie die Brieftauben-Experten sagen, gebracht. Unter anderem nach Lauterbach, Fulda oder Bamberg. „Mit Rückenwind und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern kann eine Taube von Bamberg aus in dreieinhalb Stunden wieder hier am Schlag in Oesede sein“, weiß Gröne aus Erfahrung. (Weiterlesen: Täuberich erhält endlich den Ritterschlag – Züchter Johannes Behrenswerth aus Georgsmarienhütte hat die schönste Taube Deutschlands)

Ring mit Informationen

Alle Tauben werden bereits sechs bis acht Tage nach dem Schlüpfen beringt. Dieser Ring mit Elektrochip am Bein ist ihr Personalausweis, enthält Informationen zum Geburtsjahr und die Vereinsnummer. Außerdem dient er der Messung bei Wettflügen. Sobald die Taube nach Flug ihren Heimatschlag erreicht, wird darüber die Ankunftszeit registriert. Auflasszeit, Ankunftszeit und Wegstrecke bilden die Daten zur Auswertung der Fluggeschwindigkeit. „Die Tauben rasten zwischendurch nur, um zu trinken“, erklärt Christoph Gröne. Vom Kanu aus habe er aber auch schon zufällig beobachten können, wie Brieftauben flach über das Wasser fliegen um in Bewegung zu trinken. Natürlich komme es hin und wieder auch vor, dass Tauben sich verfliegen, von Futter oder einem fremden Taubenschlag angezogen werden. Dann sei darauf zu hoffen, dass die Finder sich die Mühe machen über die Informationen des Rings den Züchter zu kontaktieren. (Weiterlesen: Mit Magnetsinn nach Hause – Osnabrücker Schüler Joel Dirkes züchtet Brieftauben)

Am Sonntag, dem „Tag der Brieftaube“, können sich Besucher auf dem Hof Gröne, Dröper Mark 2 in Georgsmarienhütte von 10 bis 16 Uhr über den Brieftaubensport informieren. Sie können die Vögel in ihren Volieren beobachten, bekommen die Funktion eines Taubenschlags mit Sitzregal und Kotband erklärt und dürfen die Tauben sogar vorsichtig auf den Arm nehmen. Mit Kaffee, Kuchen und Würstchen wird für das leibliche Wohl gesorgt. Auch in der Grafenstraße 19 in Natrup-Hagen erwartet Interessierte ein buntes Programm rund um die Brieftaube. Dort freuen sich die Züchter Heinrich, Phil und Henrik Möller auf viele Gäste.