Stadtgeschichtlicher Stammtisch zur Harderburg Korte: Erbe GMHüttes nicht leichtfertig preisgeben

Von Lennart Pieper

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lpi Georgsmarienhütte. Den zahlreichen Interessierten, die sich trotz des herrlichen Frühlingswetters zum Stadtgeschichtlichen Stammtisch in den GMHütter Rathaussaal aufgemacht hatten, versprach Veranstalter Johannes Börger: „Sie werden es nicht bereuen.“ – und behielt damit recht. Rainer Korte berichtete kenntnisreich und unterhaltsam aus der langen Geschichte der ehemaligen Harderburg.

Harderburg? Um seine Zuhörer mit dem Gegenstand seines Vortrags bekannt zu machen, klärte Korte zunächst über Lage und Beschaffenheit des ehemaligen „Adelichen Gutes Hadderburg“ auf, das sich nördlich von Gut Osthoff befand. In seiner größten Ausdehnung umfasste es eine alte Burganlage, ein Herrenhaus samt Wirtschaftsgebäuden und Fischteichen sowie insgesamt 126 Hektar Land. Wer sich heute aufmacht, um das Gebiet zu erkunden, findet indes nur noch die Reste des Burggrabens sowie einen 2015 errichteten Neubau.

Besitzerwechsel

In seiner Familie gebe es geradezu einen „Harderburg-Mythos“, verriet Rainer Korte, dessen Großmutter Maria Flach als Pächterin selbst dort gelebt hatte und noch im hohen Alter vom „Paradies“ ihrer Kindheit und Jugend geschwärmt habe. Die Geschichte der Harderburg reicht allerdings wesentlich weiter zurück. Um 1500 befand sich das Gut im Besitz der Familie von Sparrenberg aus Osnabrück, wechselte im Laufe der Zeit über zwölfmal seinen Besitzer und erlebte zahlreiche Um- und Ausbauten. Bis ins 19. Jahrhundert lebten die Bewohner auf der von Gräften umgebenen mittelalterlichen Burg, bevor 1818 ein repräsentatives Herrenhaus errichtet wurde. Mehr aus Georgsmarienhütte lesen Sie hier.

1846 erwarb Matthias Graf von Galen das Gut, um eine Verbindung zwischen seinen Münsteraner und Oldenburger Ländereien zu schaffen. Als Pächter stellte er Johann Flach, Kortes Ururgroßvater, ein. Dessen Sohn Theodor war zwar ein passionierter Jäger, „hatte es aber nicht so mit dem Arbeiten“, so Korte. Spätestens nach seinem Tod 1913 übernahm seine Frau Caroline die Bewirtschaftung, wie überhaupt das Gut häufig von starken Frauen geführt worden sei. Auf einem alten Foto aus der Zeit des Ersten Weltkriegs präsentiert sich die Familie inmitten von Schinken und Würsten, um ihren Wohlstand zu demonstrieren. Bereits 1919 erfolgte jedoch die „Vertreibung aus dem Paradies“, als die Flachs vom neuen Eigentümer, dem Eisenfabrikanten Ernst Stahmer, zur Aufgabe gezwungen wurden. Auch ein Hilfegesuch beim Osnabrücker Bischof Berning blieb erfolglos.

„Trauerspiel“

Was dann für die Harderburg folgte, bezeichnete Korte als „Trauerspiel“: Zunächst wurde um 1940 der Großteil des alten Herrenhauses abgebrochen und das Gelände sich selbst überlassen. Immerhin wurde 1985 ein Naturschutzgebiet eingerichtet – bis heute das einzige in Georgsmarienhütte. Das wesentlich verkleinerte Haupthaus ging 1997 und 2001 – wahrscheinlich durch Brandstiftung – mehrfach in Flammen auf. Trotz mehrerer Planungsgutachten seitens der Stadt und einer Bürgerinitiative zum Erhalt wurde das Gelände 2010 an die jetzigen Eigentümer verkauft, die nach Abbruch des historischen Kellergewölbes einen Neubau errichteten.

Am Schluss seines Vortrags rief Korte daher zu einem bewussteren Umgang mit dem baulichen Erbe auf: Vieles sei in der Vergangenheit vorschnell abgerissen worden, da finanzielle und private Interessen überwogen hätten. Für einen künftigen Umgang mit historischer Bausubstanz empfahl er Besinnung und stadtweite Diskussionen über Möglichkeiten der Erhaltung und Pflege.


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