Mit Theologin Qualbrink Vortrag in GMHütte: Rolle der Frau in katholischer Kirche

Von Regine Hoffmeister


Georgsmarienhütte. Die Kolpingfamilie Kloster Oesede hatte Andrea Qualbrink, die selbst aus Kloster Oesede stammt, zu einem Gastvortrag über „Die Kirche und ihre Frauen“ eingeladen. Erst kürzlich wurde die frisch promovierte Theologin, die heute im Bistum Essen tätig ist, für ihre Dissertation über „Frauen in kirchlichen Leitungspositionen“ mit dem Elisabeth-Gössmann-Preis ausgezeichnet.

Die zunehmende Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Gesellschaft habe auch in der katholischen Kirche einen Wandel bewirkt, stellte Qualbrink eingangs fest. Das zweite Vatikanische Konzil in den 60er Jahren reagierte auf die Emanzipationsbewegung und definierte die Rolle der Frauen in der Kirche ganz neu.

„Natürliche Ordnung“

Zunächst aber warf Qualbrink einen Blick zurück: Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete Papst Leo XIII. die Arbeitsteilung von Männern und Frauen im Erwerbsleben und am heimischen Herd noch als „natürliche Ordnung“. Papst Pius XI. mahnte noch in den 1930er Jahren die „willfährige Unterordnung und den bereitwilligen Gehorsam“ der Frauen gegenüber den Männern an. Emanzipation sei eine „Entartung des weiblichen Empfindens“, zitiert Qualbrink aus seiner Enzyklika „Casti connubii“.

„Nach dem Krieg kann die Kirche nicht länger ignorieren, dass die Frauen im öffentlichen Leben präsent sind“, erklärte Qualbrink. In den 50er Jahren besuchen mehr Frauen als Männer die Gottesdienste, Frauen übernehmen zunehmend kirchliche Ehrenämter. Ende des Jahrzehnts wird die Promotion von Frauen in Theologie zugelassen. In den 60ern wird das „Aussegnen“ von Frauen nach der Geburt eines Kindes abgeschafft.

„Pacem in terris“

Das zweite Vatikanische Konzil (1962-65), an dem erstmals auch Frauen als Auditorinnen teilnehmen durften, habe diese neuen Realitäten wahrgenommen und darauf reagiert. So heiße es in der Enzyklika „Pacem in terris“, dass die Frau sowohl zu Hause wie auch im Staat alle Rechte und Pflichten in Anspruch nehme, „die der Würde der menschlichen Person entsprechen“. In „Gaudium et Spes“ sei dann wenig später von der „Gleichheit aller Menschen“ die Rede.

Priesterweihe nur für Männer

Dennoch halte die katholische Kirche an ihrer ständischen und hierarchischen Organisation und damit auch an der Geschlechterhierarchie fest: Alle Weiheämter wie Papst, Bischof, Generalvikar, Pfarrer, Pastor, Offizial – „Schlüsselpositionen der Kirche“ – sind Frauen verwehrt. Andere Berufe stünden Frauen aber seit Jahren offen: Frauen seien als Pastoral- und Gemeindereferentinnen, als Kommunionausteilerinnen, Lektorinnen und Messdienerinnen tätig. (Weiterlesen: Zugang zu Leitungsfunktionen? – Bischof Bode schließt Priesterweihe für Frauen aus)

Darüber hinaus könnten Frauen heutzutage Gemeindeleiterin, Katechetin, Seelsorgeamtsleiterin oder geistliche Verbandsleiterin werden. „Aufgrund des Priestermangels werden zunehmend Funktionen Laien beziehungsweise Frauen übertragen“, schränkte Qualbrink ein. (Weiterlesen: Gegen feste Quote in der Kirche – Osnabrücker Bischof Bode: Mehr Frauen in Führungsjobs)

Mehr Frauen als Männer verlassen die Kirche

Trotz solcher Entwicklungen empfinden viele Frauen die katholische Kirche für sich als nicht anschlussfähig, was die zunehmenden Kirchenaustritte von Frauen beweisen. Eine Allensbach-Umfrage von 1993 zeige, dass ein sehr großer Teil der Frauen in Deutschland bei der katholischen Kirche ein bestimmtes festgefügtes Frauenbild vermute, „das die eindimensional familienorientierte, aufopfernde, sich dem Mann unterordnende Frau zum Leitbild erklärt“. Ein überwiegender Anteil sieht bei der Kirche „kein Verständnis für die Anliegen von Frauen“.

Im Zuge des Bekanntwerdens des Missbrauchsskandals 2010 hätten die Bischöfe einen Gesprächsprozess angestoßen. Insbesondere die Verbände rückten in diesem Prozess auch das Thema Frauen in Leitungspositionen in den Mittelpunkt, berichtete Qualbrink. „Derzeit gibt es eine gewisse Dynamik. Strukturen, Funktionen und Berufsrollen werden sich weiter vervielfältigen“, so ihre Prognose. Mehr aus Georgsmarienhütte lesen Sie hier.

„Organisiert Euch“

An der Ungleichbehandlung von Frauen in der Kirche seien diese „zum Teil auch selbst schuld“, bemerkte einer der Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum und appellierte an die ehren- oder hauptamtlich in der Kirche tätigen Frauen: „Organisiert Euch und streikt doch einmal, dann ändert sich ganz schnell was.“