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GMHütter Hundefreunde helfen Beim Hundekauf nicht in die Falle tappen

Von Carolin Hlawatsch


Georgsmarienhütte/Versmold. Ein Welpe soll einziehen – da stellt sich nicht nur die Frage „Welcher Vierbeiner passt zu mir?“ sondern auch, „welchem Züchter oder privatem Anbieter kann man vertrauen? Der Verein Georgsmarienhütter Hundefreunde will angehenden Hundehaltern und auch den Hunden selbst helfen. Sie bieten neben Rasseberatung und Infos zu Tierheimen der Region auch Begleitung beim Welpen-Kauf, denn die Vergangenheit habe gezeigt: Durch immer neue Tricks unseriöser Hundehändler tappten so Einige in die Falle.

Bulldogge Sam (2) muss operiert werden, damit er ohne Schmerzen weiter leben kann. Beim Welpenspiel auf dem Hundeplatz fiel es zum ersten Mal auf: „Sam lief plötzlich komisch“, erinnert sich seine Besitzerin. Röntgenbilder beim Tierarzt zeigten dann, dass Sams Hüften von Geburt an schwer missgebildet sind und deswegen bei Bewegung leicht auskugeln. Ein Schock für Sams Halter, die beim Welpenkauf nicht auf das Gesundheitsproblem des Hundes und damit anfallende , hohe Tierarztkosten hingewiesen wurden. „Dabei suchten wir damals nach einem verantwortungsvollen Old English Bulldog Züchter. Unser vorheriger Hund war schon schwer krank, aufgrund unseriöser Machenschaften in der Zucht“, berichtet Sams Georgsmarienhütter Halter, die nicht namentlich genannt werden möchte, da sie sich im Gerichtsverfahren gegen den Züchter befindet. Nachforschungen der Familie ergaben, dass auch Sams Bruder Hüftprobleme hat. Zehn Welpen habe der Wurf damals umfasst. Dank Aufklärung ihres Tierarztes weiß die Familie von Sam heute, dass ein Zehnerwurf bei Bulldoggen anatomisch nicht möglich ist. Hündinnen dieser Rasse werfen maximal sechs Welpen. „Die Hälfte des Wurfs stammt also nicht von der beim Züchter anwesenden Hundemutter, sondern ist wohl aus dem Ausland billig dazu gekauft und untergemogelt worden“, mutmaßen Sams Besitzer.

Unklare Herkunft

„Später ist aufgefallen, dass Sams Chipnummer nicht mit der für Deutschland typischen zwei beginnt“, ergänzt Nathalie Winter, Hundetrainerin und Vereinsvorsitzende der Georgsmarienhütter Hundefreunde. Seit 32 Jahren hält sie selbst Hunde, seit mehr als zehn Jahren trainiert sie sie. So hat Winter Kontakt zu zahlreichen anderen Hundefreunden und kennt viele solcher Schicksale. Zusammen mit ihrem Anfang 2017 gegründeten Verein möchte sie angehende Hundehalter vor „bösem Erwachen“ bewahren und Hilfestellung bei der Kauf-Einschätzung geben.

Welpen sollten Familienanschluss haben

Einen seriösen Anbieter, egal ob Züchter oder Privatperson erkenne man daran, dass er die Zuchtstätte bedenkenlos präsentiere und nicht mehrere Rassen auf einmal anbiete. Die Welpen sollten, zumindest tagsüber im Haus oder Garten Familienanschluss haben, dem Züchter gegenüber nicht ängstlich und nicht abseits in einem kalten Stall untergebracht sein. Zudem müsse ersichtlich sein, dass das gezeigte Muttertier auch wirklich die Mutter der Welpen ist. „Nur die tatsächliche Mutter wendet sich den Welpen zu, wenn diese Schutz suchen und hat vom Säugen ausgeprägte Zitzen“, weiß Hundetrainerin Winter. Guten Züchtern sei daran gelegen, dass ihre Welpen in gute Hände gelangen. Sie seien bereit alle Fragen zu beantworten, gäben Ratschläge und sicherten vertraglich ab, dass sie den Hund wieder aufnehmen, wenn dieser aus Gründen wie Krankheit oder Todesfall seitens der Halter, zurückgegeben werden muss.

Seriöse Züchter prüfen aufwendig

Die Georgsmarienhütter Hundefreunde empfehlen, Kontakte bei Züchtern zu suchen die entsprechenden Rasseclubs oder dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossen sind. Einmaligen Würfen von Hündinnen von Privatpersonen steht Winter skeptisch gegenüber. „Diese Leute sind oft unerfahren. Seriöse Züchter hingegen prüfen aufwendig, ob es genetische Erkrankungen im Hund gibt, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind, die sich aber ausbilden, wenn er mit einem weiteren Träger dieser Erkrankung verpaart wird“.

Um eine offizielle Zuchtzulassung zu bekommen, muss ein Züchter mit seinem Hund eine Prüfung des jeweiligen Zuchtverbands bestehen, bei der die äußere Erscheinung des Tiers, das Verhalten, sowie die Gesundheitsdaten genau unter die Lupe genommen werden. Silvia Stasch, Chihuahua-Züchterin und Leiterin des Hundehotels „Bello Marsch“ in Versmold hat diese Zulassung für ihre Hunde bekommen. Bei Schönheitswettbewerben rangieren ihre gesunden Chihuhuas jedoch nicht auf den höchsten Plätzen. „Da sind vielmehr die plattschnäuzigen Chihuahuas gefragt, bei vielen Käufern übrigens auch, da die platte Nase einen verniedlichenden Effekt hat“, sagt Silvia Stasch.

Qualzucht

Die hohe Nachfrage nach plattnasigen Hunden habe dazu geführt, dass unseriöse Züchter diese Merkmale fördern, obwohl sie den Hunden schaden. „So entstehen Qualzuchten“, weiß Stasch. Zu kurze Nasen rufen Atemprobleme durch abgeknickte und platte Luftröhren bei Rassen wie Chihuahua oder Mops hervor. Im kleineren Schädel gäbe es dadurch auch zu wenig Platz für die Augen, die dann empfindlich hervorstehen, sowie die Zähne, von denen plattschnäuzige Hunde nur 30 anstatt üblichen 42 besäßen. Mit der bedachten Auswahl beim Hundekauf, verhindere man eben nicht nur unglückliche Menschen, sondern auch Tierquälerei.

Wer Hilfestellung beim Hundekauf benötigt, kann sich bei den Georgsmarienhütter Hundefreunden melden, Telefon: 05401/3659850. Auskunft zum Zuchtgeschehen und zur Rasse Chihuhua gibt Silvia Stasch: 05423/951750.