Werksbesichtigung Die wichtigsten „Mitarbeiter“ schuften im GMHütter Klärwerk ohne Lohn

Von Stefan Buchholz

Was kommt an, was geht ab - Wasserwirtschaftsleiter Olaf Lietzke (links) erklärte am Weltwassertag das Klärwerk der Stadt. Foto: Stefan BuchholzWas kommt an, was geht ab - Wasserwirtschaftsleiter Olaf Lietzke (links) erklärte am Weltwassertag das Klärwerk der Stadt. Foto: Stefan Buchholz

Georgsmarienhütte. Schön - soviel ist sicher – ist es eher woanders. Trotzdem: Am Weltwassertag bot das GMHütter Klärwerk einstündige Führungen durch die Anlagen an. Eine Stippvisite, wo all das, was wir hinter uns lassen wieder an die Oberfläche kommt.

Deutlich wurde: Die meisten „Mitarbeiter“ arbeiten ohne Lohn und leisten nebenbei noch kostenfrei einen Beitrag zur Energieversorgung.

Die Gewerkschaften ruft das nicht aber auf den Plan. Hat wohl damit zu tun, dass diese sogenannten Mitarbeiter sich gar nicht organisieren lassen. Es sind nämlich Bakterien. „Die leisten hier die Hauptarbeit“, sagt Olaf Lietzke. Allerdings noch nicht am Anfang.

Dort wo es, für Geruchssensible beschönigend gesagt, ziemlich schnuppert, ergießt sich schlammfarbenes Wasser pausenlos in einen gemauerten Graben. Hier kommen die Abwässer der Stadt GMHütte, Teilen von Wellendorf und Hagen an. Insgesamt 175 Kilometer Kanalschächte landen mit der Schmutzfracht von 32500 Einwohner an, schildert Lietzke.

Ausgelegt ist die Anlage für mehr als das doppelte. Weil auch große Firmen aus der Stadt ihre Abwässer in die Kläranlage leiten. Aus einem Rohr schießt gerade eine rötliche Brühe. „Das ist der Schlachthof.“

Vorreinigungsstufe und Havariebecken

Vorbei an ersten Vorreinigungsstufen und einem Havariebecken („Falls es mal wieder stärker regnen sollte“), geht es nun zu einem der Hauptarbeitsplätze der Bakterienkolonie. Hier wird in einem großen runden Becken, die letzte Filterung von ihr übernommen. Das einzige, was die Bakterien an dieser Stelle für ihren Job brauchen, ist Sauersoff, sagt Lietzke.

Ist die letzte Klärung des Wassers getan, wird es in die Düte entlassen. „Im Schnitt kommen acht Millionen Liter Abwasser pro Jahr bei uns an, fast genauso viel entlassen wir geklärt in die Düte“, so Lietzke.

In den Faultürmen warten die Bakterien

Der Rest des Wassers steckt noch im Klärschlamm, der auf den Reinigungsstufen zuvor von den Heerscharen unentlohnt arbeitender „Mitarbeiter“ gefiltert wurde. Der Schlamm wird in Faultürme gepumpt, wo sich auch wieder Legionen von Bakterien an die Arbeit machen. Sie zersetzen den Klärschlamm weiter. Ihr Verdauungstrakt ist so angelegt, dass er Methan entlässt. „Mit dem Gas betreiben wir das Blockheizkraftwerk, das 60 Prozent unseres Strombedarfs liefern kann“, berichtet Lietzke.

Die Zersetzungsarbeit der Bakterien führt am Ende dazu, dass aus 132 Millionen Litern Klärschlamm jährlich nur noch 1,3 Millionen Liter werden. „Abnehmer ist die Zementindustrie, die den Rest als Brennstoff nutzt.“