Im Rausch des Boogie Woogie Klanggewitter im GMHütter Ratssitzungssaal

Von Rolf Habben

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Einen fulminanten Start in das diesjährige Veranstaltungsprogramm der Hüttenstadt legten „Boogielicious“ zusammn mit Axel Zwingenberger im Ratssitzungsaal in Oesede hin. Foto: Rolf HabbenEinen fulminanten Start in das diesjährige Veranstaltungsprogramm der Hüttenstadt legten „Boogielicious“ zusammn mit Axel Zwingenberger im Ratssitzungsaal in Oesede hin. Foto: Rolf Habben

Georgsmarienhütte. Mit Axel Zwingenberger und dem Duo „Boogielicious“ traten jetzt gleich drei absolute Meister des Boogie Woogie sowie langjährige Wegbegleiter Gottfried Böttgers im Ratssitzungssaal in der Hüttenstadt an, um den im vergangenen Herbst gestorbenen Jazzpianisten mit einem „Memorial Konzert“ zu würdigen.

Erst im November 2016 hatte Böttger zusammen mit dem Pianisten Eeco Rijken Rapp und Schlagzeuger David Herzel vom Duo „Boogielicious“ an gleicher Stätte ein Konzert der Extraklasse gegeben. Zwingenberger und „Boogielicious“ würdigten im Wechselspiel in ihrem knapp zweieinhalbstündigen Auftritt Böttgers kraftvoll-fröhliche und dabei tief empfundene Musikalität auf ihre eigene Weise. „Wie er es sich gewünscht hätte“, so Herzel, „ich denke, dass er uns heute zuhört“.

Heiße Musik

Seit seinem 19. Lebensjahr ist der 1955 in Hamburg geborene Zwingenberger als Botschafter des Boogie Woogie weltweit unterwegs. Seinem Credo, Boogie Woogie sei „die heißeste Musik, die jemals auf einem Klavier gespielt worden ist“, verlieh in voller Haarpracht der leicht ergraute Pianist jederzeit authentische Lebendigkeit, ob Solo oder im Wechselspiel mit seinem kongenialen niederländischen Partner Rapp am Piano.

Mit enormem Drive und Gespür für den Aufbau von Atmosphäre erstürmte Zwingenberger, rollend und stampfend die Gipfel des Boogie Woogie, wobei er in seinen Solo-Einlagen das Schlagzeug Herzels durch seine rhythmisch stampfenden gelbbeschuhten Füße unüberhörbar ersetzen konnte.

Stampfende Rhythmik

Auf seinen Konzerttourneen Anfang der 1990er Jahre in der ehemaligen DDR fielen Zwingenberger viele der dort noch vorhandenen Dampflokomotiven auf, für ihn als Eisenbahn-Freak die akustische Nähe zur stampfenden Rhythmik des Boogie Woogie. Rollende Bässe in „Boogie train mystic“ oder im „Honky Tonk train Blues“, monoton die Schienenstränge entlang gleitend, imitierten die höheren Töne zugleich die Dynamik eines fauchenden Eisenbahnzuges, den Zwingenbeger „von Osnabrück nach Bohmte“ fahren ließ.

Mit einer gelungenen Mischung aus Boogie Woogie und Blues begeisterte das Duo „Boogielicious“ das Publikum von Beginn an. Den sehnsuchtsvoll getragenen Bluesklängen im „How long Blues“, vorgetragen mit Rapps Gesang und virtuosem Fingerspiel oder dem rasanten „Down the road apiece“, verlieh Herzel, mal dezent mit den Besen rührend, mal energisch mit den Stöcken schlagend oder allein mit den Handflächen auf seinen eher bescheidenen Schlagwerken, ausdrucksstark den nötigen Background. Faszinierend wie das Duo traumwandlerisch allein durch Blickkontakt mit unglaublicher Präzision auf einander abgestimmt ihren Part absolvierten.

Frostige Temperaturen

Mit den frostigen Temperaturen draußen wollte das Publikum gewiss nicht wetteifern, dennoch war über weite Strecken des Konzerts andächtige und zugleich respektvolle Zurückhaltung zu spüren, die erst gegen Ende des Konzerts mit wiederholtem Zwischenapplaus aufzutauen begann.

Höhepunkte waren unstreitig die spontanen Jam-Sessions aller drei Musiker vor der Pause und zum Finale. Ohne vehement mit langanhaltendem Applaus geforderte Zugabe entließ das Publikum die Musiker natürlich dann auch nicht von der Bühne.


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