Widerborstig bis zum Erbrechen Betrunken GMHütter Polizisten attackiert – Geldstrafe

Von Heiko Kluge

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Amtsgericht Bad Iburg Foto: Michael SchwagerAmtsgericht Bad Iburg Foto: Michael Schwager

Bad Iburg. Das Amtsgericht Bad Iburg verurteilte einen 27 Jahre alten Mann wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von insgesamt 1200 Euro. Der Mann hatte in stark alkoholisiertem Zustand in Georgsmarienhütte Polizeibeamte massiv attackiert und beleidigt.

Es war wohl das, was der Richter als „unrühmliches Ende eines eigentlich schönen Abends“ bezeichnete. Der aus Rheine stammende Angeklagte hatte auf einer Betriebsfeier offenbar derart tief ins Glas geschaut, dass es selbst seinem Chef nicht verborgen geblieben war. Als der 27-Jährige die Party verließ, hatte der Vorgesetzte besorgt die Polizei verständigt, um zu verhindern, dass der junge Mann sich auf dem Weg verletzte.

Immer aggressiver

Zwei Beamte hatten den Angeklagten wenig später auf der Malberger Straße angetroffen. „Zunächst lief es eigentlich ganz gut“, erinnerte sich einer der Polizisten. Doch dann sei der junge Mann zunehmend aggressiver geworden und plötzlich weggelaufen. Als die beiden Polizisten den Angeklagten einholten, ging der Tanz los. Der 27-Jährige wurde derart renitent, dass die Beamten ihn zu Boden bringen mussten, um ihm Handfesseln anzulegen. Doch dagegen habe der Mann sich massiv gesperrt. Es gelang den Gesetzeshütern lediglich die Fesseln an einem Handgelenk des renitenten Mannes zu fixieren. „Wenn er damit um sich geschlagen hätte, wäre die Verletzungsgefahr erheblich gewesen“, so der Zeuge. Erst nachdem er ihm drei gezielte Faustschläge ins Gesicht versetzt habe, sei es möglich gewesen, dem Mann die Handfesseln vollends anzulegen. Bis die angeforderte Verstärkung gekommen sei, „hatten wir noch richtig gut mit ihm zu tun“.

Auch ein den Funkstreifenwagen wollte der junge Mann nicht einsteigen und sperrte sich nach Leibeskräften. Erst nach einem weiteren Schlag konnten die Beamten ihn in den Wagen bugsieren. Während der Fahrt zur Wache habe der Mann nach ihm getreten und versucht, ihn mit Kopfstößen zu treffen. Um sich gegen den Angetrunkenen, zu wehren habe er „massiv körperliche Gewalt gegen ihn einsetzen“ müssen, so der Polizist.

Beschimpfungen

Auch auf der Wache ging es im selben Stil weiter. Unter durchgehenden wüsten Beschimpfungen weigerte sich der Mann, eine Blutentnahme entnehmen zu lassen, um den Grad seiner Alkoholisierung bestimmen zu können. Da er sich mittlerweile in der Gewahrsamszelle erbrochen hatte, mussten die Beamten ihn in ein Behandlungszimmer bringen. Mit fünf Personen hätten sie dort den sich massiv wehrenden 27-Jährigen auf dem Boden fixieren müssen. Auch den Arzt, der die Blutentnahme durchführte, habe der Angeklagte beschimpft. „Ich bin wahrlich nicht unsportlich“, fasste es der Beamte zusammen. Aber nach der Aktion mit dem Angeklagten „war ich fix und fertig.“

„Ich habe an dem Abend echt zu viel Alkohol getrunken“, räumte der 27-Jährige ein. Allerdings habe er keinerlei Erinnerung an den Vorfall. „Ich bin in der Zelle aufgewacht, mir tat alles weh. Ich wusste nicht, wo ich bin.“ Bei normalem Bewusstsein würde er so etwas nie tun, beteuerte der Mann. „Ich respektiere die Polizei natürlich.“

Böse Überraschung

Dem bis dahin strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Mann entgleisten die Gesichtszüge, als der Staatsanwalt forderte, ihn wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte zu sieben Monaten auf Bewährung zu verurteilen. „Muss ich jetzt in den Knast“, frage er sichtlich fassungslos.

Tatsächlich sieht der relativ neue Paragraf 114 des Strafgesetzbuches, der den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte regelt, einen Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren Haft vor. Doch so gravierend sollte es für den 27-Jährigen doch nicht kommen.

Mildernde Umstände

Zu seinen Gunsten ging der Richter nämlich davon aus, dass der Mann aufgrund der gut zwei Promille vermindert Schuldfähig gewesen war, was einen milderen Strafrahmen mit sich bring. Der Richter sprach ihn auch wegen versuchter Körperverletzung und Beleidigung bei der Tat schuldig. Das Strafmaß wurde auf 120 Tagessätze zu je 10 Euro festgesetzt. Was den Mann zu dieser irrationalen Handlung, einfach wegzulaufen, veranlasst habe, sei unverständlich so der Richter. „Es war ja gar nichts.“ Die Sache möge tatsächlich auf die massive Alkoholisierung zurück zu führen sein, die der Angeklagte nicht gewohnt sei. „Sie haben jetzt mal gesehen, was passieren kann“, gab der Richter dem 27-Jährigen mit auf den Weg. „Halten sie sich ab jetzt zurück.“

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