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Malbergen war Ziel für Ausflügler Bahnhof mit Freizeit-Faktor

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Georgsmarienhütte. Von einem baufälligen Wartehäuschen abgesehen, lässt heute nichts erahnen, dass in GMHütte-Malbergen mal ein Bahnhof stand. Dabei war das Gebäude südlich des Bahnübergangs Harderberger Weg nicht eben klein, hatte sogar eine angegliederte Gartenwirtschaft. Bis weit in die 50er-Jahre hinein begann hier, zwischen Oesede und Sutthausen, für viele Osnabrücker der Sonntagsausflug in den Teutoburger Wald.

In „Heerscharen“, so Lokalhistoriker Werner Beermann, strebten die Städter ins Grüne. Im Sonntagsstaat besuchten sie den Kasinopark, die feinere Gesellschaft richtete sich in der Restauration des Gesellschaftshauses ein, andere vergnügten sich auf der Außenkegelbahn oder wanderten weiter – vorbei am Holsteteich, durch den Wald, beehrten das Schützenhaus oder das Forsthaus Oesede, „dessen Förster Eichberg bis in die 30er-Jahre für seine gute Gastronomie bekannt war“. Besonders ambitionierte Ausflügler erklommen den Dörenberg und kehrten im Gasthaus Herrenrest oder in Iburg ein. Müde Wanderer konnten seit etwa 1928 mit der „blauen Linie“, einem Bus von Kattenvenne über Iburg nach Osnabrück, zurückfahren, später übernahm die „Kraftpost“ die Strecke.

Sonderzug zum Theater

Nicht nur Wanderer, auch Kultur-Touristen nutzten den Bahnhof Malbergen. Werner Beermann erinnert sich aus eigenem Erleben an Sonderfahrten der Bundesbahn, die von der Volksbühne GMHütte organisiert wurden. Einmal im Jahr gab es neben den stets gut besuchten Sondervorstellungen im Osnabrücker Theater für die Mitglieder eine Ausflugsfahrt, die in Oesede oder Malbergen startete: „Dann war ein kompletter Sonderzug voll“, sagt Beermann, noch heute beeindruckt. 1957 ging es nach Düsseldorf. Dort besichtigten die GMHütter die Stadt, eroberten die Kö und gingen natürlich auch ins Schauspielhaus.

1888, also erst zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Strecke Osnabrück–Brackwede/Bielefeld, hatte Malbergen seinen Haltepunkt bekommen. In den ersten beiden Jahren war der Haller Willem glatt durchgefahren; er hatte seinen ersten Halt im Bahnhof Oesede. Wahrscheinlich war man der Ansicht, die GMHütter könnten weiterhin – wie schon seit 1873 – mit der Hüttenbahn nach Hasbergen und von dort nach Osnabrück fahren. Im ersten Haller-Willem-Fahrplan von 1886 findet Malbergen noch keine Erwähnung.

Knapp zehn Jahre später, zur Eröffnung des neuen „Centralbahnhofs“ von Osnabrück 1895, wird jedoch im Fahrplan ausdrücklich auf die Halte in Malbergen hingewiesen. Das Osnabrücker Tageblatt veröffentlichte folgende Abfahrten von Osnabrück: 5.30 und 10.34 Uhr vormittags sowie 3.23 und 7.40 Uhr nachmittags, versehen mit der ausdrücklichen Erläuterung: „Vorstehende Züge halten sämtlich auf Station Malbergen bei Georgsmarienhütte (Fahrzeit 16 Minuten)“. Gleiches galt für die Gegenrichtung.

Neben den Ausflüglern nutzten natürlich auch Berufstätige und vor allem Schüler die neue Verbindung. Das Bahnhofsgebäude Malbergen wurde vermutlich um 1910 errichtet -- mit seinen ziegelumrandeten Rundbogenfenstern ähnelt es im Aussehen den Bahnhöfen Kloster Oesede und Lüstringen, die beide 1908 erbaut wurden.

Junger Geldbote

In den 40er-Jahren lernte Hansheinrich Böhm die Station sehr gut kennen. Auch ist ihm in Erinnerung, dass die Züge unmittelbar nach Kriegsende „bunt zusammengewürfelt“ waren: Was an Lokomotiven und Wagen noch fahrtüchtig war, wurde eingesetzt. „Die Züge waren damals sehr voll, selbst auf den Plattformen der Donnerbüchsen standen Passagiere.“ Als „ausgebombter“ Osnabrücker Junge, der vorübergehend in GMHütte in der Nähe des Waldbads eine neue Heimat gefunden hatte, nutzte er die Station für Fahrten zur Schule. „Ich hatte mir wohl das Vertrauen des Bahnhofvorstehers Torell erworben, denn ich durfte mein Fahrrad im Luftschutzbunker abstellen und später, noch vor der ‚Währung‘, bekam ich immer die Geldtasche vom Fahrkartenverkauf mit auf den Weg nach Osnabrück, wo ich sie im Bahnhof abliefern musste“, berichtet Böhm. Gelegentlich sei er auch über Hasbergen und dann mit der Georgsmarienhütten-Eisenbahn nach Hause gefahren, wenn deren Fahrplan eine schnellere Rückfahrt versprach: „Beide Strecken waren neun Kilometer lang und kosteten dasselbe; allerdings musste man in Hasbergen umsteigen.“

Diese Konkurrenz war aber wohl nicht der Grund für die sinkende Fahrgastzahlen in den 50er-Jahren. Der Bus- und Autoverkehr war vielen einfach bequemer. Die Gaststätte mit ihrer offenen Halle war längst abgerissen, als 1959 die Bahnagentur Malbergen schloss. Eine automatische Blinklichtanlage am Straßenübergang und ein zusätzlicher Bahnsteig nördlich desselben für die Züge in Richtung Osnabrück sollten auch ohne Bahnhofspersonal einen sicheren Betrieb ermöglichen. Die Aufsicht über den Haltepunkt Malbergen lag ab 1960 beim Bahnhof Oesede. Irgendwann in den 60er-Jahren machte man das nicht mehr benötigte Stationsgebäude Malbergen dem Erdboden gleich; die Fundamente sollen allerdings noch vorhanden sein.

Ab 1980 wurde auch der Haltepunkt nicht mehr bedient. Bei der Neueröffnung der Haller-Willem-Linie 2005 ging Malbergen trotz des Engagements der Initiative Haller Willem und der Dorferneuerungsgruppe leer aus. Sollte im Zuge einer möglichen Ausweitung des Betriebs auf den 30-Minuten-Takt ein weiterer Kreuzungsbahnhof gebaut werden müssen, hätte Malbergen aber wieder Chancen.


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