Bunker, Bergbau oder Bodenerosion? Im Musenberg in Georgsmarienhütte tut sich die Erde auf

Von Markus Pöhlking


Georgsmarienhütte. Ein rätselhaftes Loch im Musenberg hat in der vergangenen Woche in den sozialen Netzwerken und darüber hinaus für Aufregung gesorgt. Ein von einem Spaziergänger gemachtes Foto zeigt die von Betonelementen teils verdeckte Vertiefung. Der Urheber will einen ausströmenden, warmen Luftzug wahrgenommen haben.

Am vergangenen Wochenende hatte ein Facebook-Nutzer zwei Bilder in die Gruppe „Was ist los in G.M.Hütte, Bad Iburg, Hagen, Dissen, Tecklenburg und Co.“ gepostet. Sie zeigen eine vermooste und brüchige Betonplatte, die ein Loch mehr schlecht als recht abdeckt. Darunter fällt der Blick ins Schwarze, offenbar ist das Loch tief. „Im Vergleich zur Temperatur an der Oberfläche kam da relativ warme Luft raus“, schrieb der Nutzer und fragte, ob jemand wisse, auf was er da gestoßen war.

Unter dem Eintrag aufgeführt finden sich Spekulationen anderer Nutzer: Möglicherweise ein Überbleibsel eines alten Luftschutzkellers könne es sein, hieß es. Und Horst Grebing, Betreiber eines Online-Archivs zum Thema „Geologie und Abbau von Bodenschätzen im Gebiet der heutigen Stadt Bad Iburg “, brachte das Loch mit einem alten Schacht in Verbindung, der im Bereich des Musenberges überliefert ist. „An der ganz konkreten Stelle ist allerdings bislang keine Bergbautätigkeit bekannt. Insofern ist das schon ein spannender Fund.“

Bergbau oder Bunker?

Tatsächlich ist das Loch aber wohl weder Bunker noch Bergbau-Relikt. Das zumindest teilt der Eigentümer des Waldstücks im Musenberg mit, in dem sich das Loch befindet. Das Gebiet befindet sich seit drei Generationen im Besitz seiner Familie, erzählt Karl-Heinz Brunemann. Sein Großvater habe die Fläche Ende des 19. Jahrhunderts erworben und mit der Aufforstung begonnen, zudem habe die Familie im Musenberg den dortigen Buntsandstein abgebaut. (Weiterlesen: Als auf dem Herrenrest Ziegel gebrannt wurden)

Brunemann kennt den Musenberg und das Waldstück, das seine Familie dort besitzt, wie seine Westentasche. Und somit auch das mysteriöse Loch. Um dessen Ursprünge zu erklären, klopft er an die Küchenwand im Wohnhaus der Familie. Das Gebäude sei aus Musenberger Buntsandstein errichtet, erklärt er. „Wir mussten es daher von innen mit Holz verkleiden. Buntsandstein sieht zwar massiv aus, ist aber eigentlich nicht besonders dicht.“

Der Berg ist nicht ganz dicht

Nicht besonders dicht – das sei in gewisser Hinsicht auch der gesamte Musenberg. „Es gibt im Berg keine durchgehende, massive Felsstruktur“, erklärt Brunemann. Vielmehr seien poröse und zerklüftete Gesteinsschichten kennzeichnend, darüber habe sich eine mal mehr, mal weniger dicke Schicht Boden abgelagert. Ursache des Loches sei wohl, dass Erde in Hohlräume abgesackt oder durch Wasser weggespült worden sei. Nach Darstellung Brunemanns habe er gemeinsam mit seinem Vater das Loch vor vielen Jahren unter einem alten Baum entdeckt. „Wir haben damals Höhlenforscher beauftragt, das Loch auszukundschaften, und die haben uns diese Erklärung geliefert.“ Demnach sei das Loch mindestens zwanzig Meter tief, eine weitere Erkundung sei nicht möglich gewesen.

Entsprechende Behörden habe man damals über das Loch informiert und es mit schweren Trittböden, wie sie auch im Schweinestall der Brunemanns liegen, abgedeckt und somit „verkehrsgerecht“ gesichert. Deren auf den Fotos dokumentierter schlechter Zustand sei wohl Folge von Erosion. „Gerade nach Frost, wenn der Boden taut, kann der Rand durchaus weiter absacken. Dadurch hat die Abdeckung wohl an Halt verloren und ist in der Folge teils eingebrochen“, erklärt Brunemann.

Mittlerweile sei die Stelle erneut mit 300 Kilogramm schweren Spaltenböden gesichert und weitestgehend unkenntlich gemacht. „Dennoch sollte sich niemand auf die Suche nach dem Loch machen. Es gibt da nichts Spannendes zu sehen und ist im Zweifelsfall schlicht gefährlich. Ich will als Eigentümer einfach nicht, dass da irgendwer zu Schaden kommt“, sagt Brunemann, der übrigens auch die warme Luft aus dem Loch erklären kann. „In den alten Steinbrüchen liegt die Gesteinsschicht bis heute offen. Weil sie so löchrig ist, kann Luft in den Berg einströmen. Durch das Loch tritt sie dann wieder aus – und ist im Winter natürlich wärmer als die Außentemperatur.“