Bildvortrag beim Heimatverein Kloster Oesede Gestrandet am Limberg: Als LZ VII in ein Unwetter geriet

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Georgsmarienhütte. Mit der plattdeutschen Frage „Worüm ligg dei graude Steen up’n Limbiärge?“ lockte der Heimatverein Kloster Oesede rund 50 Interessierte zum „Frühstück für Aufgeweckte“ und einen anschließenden Bildvortrag über den Zeppelinstein in die Klosterpforte.

Jakob Klein, selbst Mitglied des Heimatvereins, gewährte den Anwesenden einen ausführlichen Blick in seine Bildpostkartensammlung mit heimatlichen Motiven. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Zeppelinstein am Limberg. Warum liegt denn nun dieser riesige Findling dort und ist seit über 100 Jahren beliebtes Ausflugsziel?

Die Antwort wusste zumindest früher jedes Kind: Nach einem Sommerunwetter stürzte das Luftschiff Zeppelin LZ VII am 28. Juni 1910 an eben jener Stelle im Teutoburger Wald ab, besser gesagt, es strandete in den hohen Tannen und blieb in etwa acht Metern Höhe hängen. Die Fahrgäste konnten die Personengondel unter dem 148 Meter langen, mit Leuchtgas-Wasserstoff gefüllten Luftschiff unverletzt verlassen. ( Weiterlesen: Wanderlust: Beliebter Rundweg zum Zeppelinstein in Bad Iburg)

Abenteuerliche Fahrt

Dabei war die Fahrt abenteuerlich genug gewesen. Eigentlich wollte die Graf Zeppelin GmbH mit diesem Fahrzeug demonstrieren, dass die Zeit der Kinderkrankheiten ihrer Luftschiffe überwunden sei. Der Technikpionier Zeppelin hatte, aufbauend auf den Patenten des Erfinders David Schwarz, schon mehrere Luftschiffe konzipieren und bauen lassen, die allerdings oft auch durch Notlandungen, Sturmschäden und Abstürze von sich reden machten. Doch Technikbegeisterte riefen die „Zeppelinspende des deutschen Volkes“ ins Leben und ermöglichten mit sechs Millionen Mark den Bau der LZ VII.

Am Morgen des 28. Juni war das Luftschiff trotz schlechter Wettervorhersage zu einem Demonstrations-Presse-Rundflug mit internationalen Journalisten an Bord in Düsseldorf gestartet. Die 20 Fahrgäste wurden mit Sekt und Kaviar bewirtet. Auch als wegen des Ausfalls eines der drei Motoren das Luftschiff von seinem Kurs abkam, sei die Stimmung der Passagiere gut gewesen, wusste Klein zu berichten. Aufkommender Regen und Sturm ließen Notlandungen in Dortmund und Münster nicht zu, das Luftschiff trieb auf den Teutoburger Wald zu und in eine „schwefelgelbe Wolkenwand mit Schneegestöber“ hinein.

„De Zeppelin is unnergaun“

Augenzeugen sahen den Zeppelin über dem Freeden verschwinden und hätten gerufen: „De Zeppelin is unnergaun, do buorben upp’n Limbiärge mot he liggen“, berichtete Klein unter Berufung auf seinen Gewährsmann Heini Künne. Binnen kürzester Zeit fuhren Helfer und Schaulustige mit Rädern und Pferdegespannen zum Unglücksort. Dort bot sich ihnen ein beeindruckender Anblick: Das schmucke Luftschiff war zerstört, die Tannen ragten durch den Aluminium-Leichtbaurumpf, die Stoffbespannung und Hüllen hingen in Fetzen. Die Passagiere indes konnten unverletzt über eine Strickleiter die Gondel verlassen.

Soldaten wurden zum Aufräumen abkommandiert

Ersthelfer kamen aus dem Iburger Drahtseilwerk, Soldaten aus Osnabrück und Münster wurden zum Aufräumen abkommandiert; aus den wiederverwertbaren Resten wurde später die LZ VIII gebaut. „Und das Pech wurde praktisch miteingebaut, denn auch dieser Zeppelin wurde durch eine Windböe zerstört“, berichtete Klein.

Am Limberg allerdings entstand ein neues Ausflugsziel. Von nah und fern kamen Schaulustige. Anwohner erkannten ihre wirtschaftliche Chance und schenkten Bier und Limonade in einer „stillken Kniepe“ aus. 1911 stellte der Teutoburger Wald- und Gebirgsverein zur Erinnerung an das Unglück den Findling mit einer Relieftafel des Bildhauers Heinrich Wulfertanger auf.

Schankerlaubnis für die „Lustige Witwe“

Auch die etwas weiter von der Absturzstelle entfernt wohnende Witwe Stönner wollte an dem neuen Ausflugsbetrieb teilhaben und beantragte eine Schankgenehmigung. Die wurde ihr erst 1923 erteilt, aber der Ruf der Gaststätte „Lustige Witwe“ ist legendär. Jahrzehntelang, bis in die 1960er Jahre hinein, waren Zeppelinstein, „Lustige Witwe“ und auch die naheliegenden „Kaffeehäuser“ das Ziel ungezählter Maiwanderungen. Unlängst erlebte der Zeppelinstein, nunmehr ohne gastronomisches Angebot, sein Revival als Ziel jugendlicher Maiwanderer.


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