Diskussionsveranstaltung GMHütte: Hindenburg als tauglicher Namensgeber?

Von Andreas Wenk

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So könnte eine Info-Tafel aussehen, die über Hindenburg aufklärt. Sophia Frankenberg und Deborah Hune vom Gymnasium Oesede zeigen einen Entwurf. Im Hintergrund: Professor Wolfram Pyta, Lioba Meyer und Ruprecht Polenz. Foto: Andreas WenkSo könnte eine Info-Tafel aussehen, die über Hindenburg aufklärt. Sophia Frankenberg und Deborah Hune vom Gymnasium Oesede zeigen einen Entwurf. Im Hintergrund: Professor Wolfram Pyta, Lioba Meyer und Ruprecht Polenz. Foto: Andreas Wenk

Georgsmarienhütte. Nein, ein Missionar, der durch die Lande ziehe, um einen Feldzug zur Umbenennung aller nach Hindenburg benannten Straßen und Plätze zu führen, sei er nicht, stellte Ruprecht Polenz klar. Dennoch empfahl der frühere CDU-Generalsekretär, den Straßennamen-Diskurs darüber zu führen.

Die Frage ist simpel: Sollte eine Straße heute noch den Namen des Generalfeldmarschalls, Chefs der Obersten Heeresleitung und Reichspräsidenten tragen, der schließlich Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte?

Zu einer Diskussionsrunde über dieses Thema war Polenz aus dem benachbarten Münster angereist. Dort hatte eine Initiative nach langem Hin und Her 2012 schließlich erreicht, dass der Hindenburgplatz in Schlossplatz umbenannt wird.

Neuer Name

Vergleichbares beabsichtigt in Georgsmarienhütte eine Initiative um Eberhard Schröder, Klaus Schafmeister, Dieter Görbing und Johannes Bartel: Sie würden der Hindenburgstraße in Alt-GMHütte gerne einen neuen Namen geben. Argumente, Hindenburg kritisch zu sehne, gibt es genug: Eine Projektgruppe das Gymnasiums Oesede hatte zu Beginn des Abends den Entwurf für eine Infotafel vorgestellt, die über Hindenburg und sein Wirken bis hin zur Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler schildert. Deborah Hune von der Projektgruppe freute sich am Ende des Abends über die in Gang gekommene Diskussion.

Konzentriert und sachlich

Dass diese Diskussion in weiten Teilen konzentriert und sachlich geführt wurde, dazu hatte vor allem das Referat von Professor Wolfram Pyta aus Stuttgart beigetragen. Der forderte dazu auf, Hindenburg nicht ausschließlich als „Sieger von Tannenberg“ zu betrachten, sondern ihn auch mit politischen Maßstäben zu messen. Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler habe Hindenburg seiner Idee einer nach innen gefestigten und nach außen abgeschotteten Volksgemeinschaft zum Durchbruch verholfen. Zudem habe der „Gefreite Hitler“ ihm als General im militärischen Ansehen nicht den Rang ablaufen können. Darauf sei Hindenburg sehr bedacht gewesen und habe sich bereits damals aktiv an der Mythenbildung beteiligt.

„Man muss dem Münsteraner Beispiel ja nicht unbedingt folgen“

Der politischen Betrachtung mochte kaum jemand widersprechen. Der Initiativkreis „Pro Hindenburgstraße“ um Marius Kleinheider spricht sich trotzdem gegen eine Umbenennung aus. Der Gruppe gehören überwiegend Geschäftsleute und Anwohner der Hindenburgstraße an. „Man muss dem Münsteraner Beispiel ja nicht unbedingt folgen“, „das interessiert uns überhaupt nicht“, man solle den Namen beibehalten, „um Geschichte lebendig zu halten“, lauteten nur einige der teils offen vorgetragenen, teils getuschelten Entgegnungen.

Teile der eignen Geschichte

Aber vielleicht wäre es ja wirklich besser, den Straßennamen beizubehalten, statt unangenehme Teile der eignen Geschichte einfach durch Umbenennung gleichsam auszuradieren? Polenz teilt diesen Ansatz nicht: Dem Gedanken, den Straßennamen als Mahnung beizubehalten, hielt er die Frage entgegen, wer denn in einem Mahnmal wohnen wolle?

Infotafel zu Hindenburg

Immerhin: In einem Punkt waren sich Befürworter und Gegner der Umbenennung weitgehend einig: Eine Informationstafel, wie sie die Schülerinnen präsentiert hatten, sei eine gute Idee. Doch während die einen sich davon versprechen, damit den Druck aus der Diskussion zu nehmen, hoffen die anderen darauf, sie damit erst richtig in Gang zu bringen.


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