„Landesweites Leuchtturmprojekt“ Stahlwerk Georgsmarienhütte will zum Klimaschutz beitragen

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Georgsmarienhütte. Der Fernwärmespeicher mit dem Wappen der Stadt ist prägend für das Gelände des Stahlwerks. Allerdings wurde er seit zehn Jahren nicht mehr genutzt. Dabei wäre das Potenzial riesig, denn die Hälfte der industriellen Abwärme im Osnabrücker Land stammt vom Stahlwerk. Jetzt soll der Fernwärmesspeicher wieder in Betrieb gehen.

Georgsmarienhütte. Auf Anfrage unserer Redaktion sprechen das Stahlwerk und die Stadtwerke Georgsmarienhütte von einem „landesweiten Leuchtturmprojekt“. Nirgendwo in der Region könnte mehr Abwärme genutzt werden. Um Stahl zu schmelzen, muss der Elektrolichtbogenofen der Georgsmarienhütte (GMH) bis zu 1600 Grad Celsius heiß werden. Das Stahlwerk verbraucht pro Jahr genauso viel Strom wie ganz Osnabrück im selben Zeitraum. Eine immense Abwärme entsteht bei den hohen Temperaturen. Nach einer Studie der Hochschule Osnabrück produziert die GMH so 1,025 Gigajoule an Abwärme und damit alleine mehr als alle anderen Firmen im Landkreis zusammen. Etwa die Hälfte dieser Wärme, die beim Schmelzen von Stahl als Nebenprodukt entsteht, bleibt bei der GMH bislang ungenutzt. „Ein erheblicher Teil der verbleibenden Abwärmemenge könnte im Falle einer Projektumsetzung in das Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist werden“, erklärt der Leiter des GMH-Energiemanagements, Reimund Laermann.

Absichtserklärung unterzeichnet

Aktuell führen die Georgsmarienhütte GmbH und die Stadtwerke Georgsmarienhütte Gespräche darüber, dass der Fernwärmespeicher der Stadt auf dem GMH-Gelände wieder genutzt werden soll, um mit der Abwärme des Stahlwerks wieder private Häuser und öffentliche Gebäude mit Fernwärme zu versorgen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben GMH und Stadtwerke bereits unterzeichnet. Demnach wurden die Planungen aufgenommen, um die technische Umsetzung zu erarbeiten und die voraussichtlichen Kosten zu ermitteln. „Hier hat sich ergeben, dass die wirtschaftliche Umsetzung dieser ökologisch herausragenden Maßnahme nur mit dem Einrechnen von entsprechenden Fördermitteln möglich ist“, betont Laermann. Die entsprechenden Fördermittel wurden bereits beantragt. Stahlwerk und Stadtwerke seien „guter Hoffnung, eine entsprechende Förderung für dieses landesweite Leuchtturmprojekt zu erhalten“, fügt Laermann hinzu. Die Erweiterung des aktuellen Fernwärmenetzes kann laut Laermann einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Georgsmarienhütter Stadtgebiet leisten.

Wärmelieferungsvertrag lief 2008 aus

Bereits in den 80er-Jahren hatte die Stadt eine Fernwärmeversorgung für öffentliche Gebäude wie Krankenhaus, Schwimmbad, Schulen, Sporthallen und einige private Wohngebäude aufgebaut. Auf Basis eines Wärmelieferungsvertrages mit einer festen Laufzeit von 20 Jahren wurde Wärme als Heißdampf vom Stahlwerk der damaligen Klöcknerwerke geliefert. Dieser Heißdampf musste in Warmwasser umgewandelt werden, um ein geeignetes Versorgungsmedium zu bekommen. Da die Wärme je nach Stahlproduktion nicht kontinuierlich anfiel, musste zudem ein Warmwasserspeicher mit 3600 Kubikmeter Inhalt gebaut werden. Mit Auslaufen des Liefervertrages endete diese Art der Wärmenutzung jedoch im Jahr 2008.

Bürgermeister lobt Wiederaufnahme

Der Georgsmarienhütter Bürgermeister Ansgar Pohlmann, lobt die geplante Wiederaufnahme der Abwärmenutzung „und die schon sehr konkrete Planung“, die Nutzung der Industriewärme der Georgsmarienhütte GmbH wieder aufzunehmen: „Das ist eine tolle Entwicklung und eine begrüßenswerte effizientere Nutzung von Energieressourcen. Wir hoffen, dass das Projekt mit Unterstützung verschiedener Förderungen schnell realisiert werden kann.“ Darüber hinaus setzt er darauf, das heutige Fernwärmenetz für künftige städtebauliche Entwicklungen, wie etwa „Südlich des Panoramabades“ zu erweitern.

Baukosten von 1,1 Millionen Euro

Der Geschäftsführer der Stadtwerke Georgsmarienhütte, Jörg Dorroch, ergänzt: „Seitens der Stadtwerke Georgsmarienhütte können wir mit der Wiederaufnahme der Abwärmenutzung einen regionalen Beitrag zu dieser Zielerreichung leisten. In den eingereichten Förderanträgen der Stadtwerke sind Planbaukosten in Summe von 1,1 Millionen Euro beantragt. Die Planungen für die technische Ausführung auf der Seite der Stadtwerke laufen aktuell.“ Für die Kunden der Stadtwerke berge die Nutzung der Abwärme ein großes umweltfreundliches Potenzial im Stadtgebiet.


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