Argumente gegen den Stammtisch Einfache Parolen unter Erklärungszwang setzen

Von Stefan Buchholz

Strategien gegen Stammtischgeschwafel: Martina Jeßnitz sprach in der Heilig-Geist-Gemeinde über Argumente gegen Stammtischparolen. Foto: Stefan BuchholzStrategien gegen Stammtischgeschwafel: Martina Jeßnitz sprach in der Heilig-Geist-Gemeinde über Argumente gegen Stammtischparolen. Foto: Stefan Buchholz

Georgsmarienhütte. Wie lässt sich gegen „Stammtischparolen“ argumentieren? Darüber informierten sich über 20 Interessierte bei einer Veranstaltung der Kolpingsfamilie Oesede und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung der Heilig-Geist-Gemeinde.

Stammtischparolen? Kennzeichnend ist die Einfachheit, Plumpheit, Verallgemeinerung und der meist negativer Charakter solcher „Parolen“. Sie bringen Vorurteile zum Ausdruck und richten sich stets gegen „Andere.“ Eingeladen hatten die Organisatoren der Veranstaltung Martina Jeßnitz. Die freiberufliche Kommunikationstrainerin hielt keinen Vortrag, sondern wollte mit den Teilnehmern Strategien aus deren eigenem Erleben erarbeiten.

Die erste Erkenntnis: Mit Stammtischparolen verbinden die Besucher Unterschiedliches. Assoziationen zu Flüchtlingen, dem Wolf sowie zur Art und Weise wie Medien Sachverhalte präsentieren. Ebenso verbanden die Teilnehmer mit Stammtischparolen Dumpfes, Verstocktes und einen ausgeprägten Widerstand gegen Sachargumente. Aber was kennzeichnet überhaupt solche Behauptungen, fragte Martina Jeßnitz. Abwertungen, Verallgemeinerungen und Ängste gehören etwa dazu, genauso wie Neid, Egoismus, ein dagegengestelltes Wir-Gefühl und auch Erfahrungen sammelte der Teilnehmerkreis Kriterien.

Hilfreiche Strategien

Welche Strategien könnten hilfreich sein, wenn man auf „allzu einfache Antworten“ trifft? Mit aufklärenden Argumenten, Verständnis oder dem Hinweis: „In meiner Anwesenheit möchte ich das nicht mehr hören“, schlug ein Teilnehmer vor. Schwierig ist es, gegen eine Gruppe zu argumentieren, die sich solche Parolen zu eigen macht, berichtete ein anderer von seiner Erfahrung. Einzelgespräche seien da deutlich effektiver.

Oder einfach das gepflegte Vorurteil ignorieren? Nein, meinte jemand. Das sei genau das Gegenteil dessen, was mit dem Themenabend erreicht werden solle. Hier gehe es doch um das richtige Argumentieren. Das werde aber schwierig, wenn man allein einer sogenannten Stammtischrunde gegenübertrete, meinten andere. „Es gibt ganz unterschiedliche Argumentationslinien, je nachdem ob ich Teil der Gruppe bin oder ob ich außen stehe“, riet Jeßnitz.

Und: Bei der Einschätzung der Situation, in der man meint, intervenieren zu müssen, sei auch die Wahrnehmung der aktuellen eigenen Verfassung wichtig, so Jeßnitz. Fühle ich mich beispielsweise kompetent genug im jeweiligen Themenbereich?

Parolen in Frage stellen

Ein probates Mittel sei zudem das Infragestellen der gehörten Parole mit der schlichten Frage nach den Belegen. „Wenn nämlich erklärt werden muss, kann schnell klarwerden: „Hier ging es zum Beispiel nur darum, mal Luft abzulassen“, meinte Jeßnitz. Wichtig sei zudem: Eine richtige Einschätzung der Situation ist, um sich nicht selber in Gefahr zu bringen.