Jugendbuchautor in Georgsmarienhütte Dirk Reinhardt lässt mit „Train Kids“ mitfiebern

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Die Deutschlehrerinnen Denise Kirchner und Ulrike Leidecker (von links) begrüßten den Münsteraner Jugendbuchautor Dirk Reinhardt zur Lesung aus „Train Kids“ an der Realschule Georgsmarienhütte. Foto: Petra PieperDie Deutschlehrerinnen Denise Kirchner und Ulrike Leidecker (von links) begrüßten den Münsteraner Jugendbuchautor Dirk Reinhardt zur Lesung aus „Train Kids“ an der Realschule Georgsmarienhütte. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Eine etwas andere Deutschstunde genossen am Donnerstag die Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Realschule Georgsmarienhütte. Der Münsteraner Jugendbuchautor Dirk Reinhardt las aus seinem Roman „Train Kids“, den die Schüler soeben im Unterricht lesen und der durch die politische Entwicklung in den USA hohe Aktualität gewonnen hat.

Im Mittelpunkt des auf Reinhardts eigenen Recherchen beruhenden Jugendbuchs steht die abenteuerliche Flucht fünf Jugendlicher aus Lateinamerika, die über Mexiko in die USA zu gelangen versuchen. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgen die Georgsmarienhütter Schüler dem Autor, der zunächst von seiner 2013 absolvierten Recherche-Reise nach Mexiko und Guatemala erzählt, bevor er charakteristische Passagen aus seinem 365-Seiten-Buch vorliest. Geradezu atemlos hören die Jugendlichen zu, wie der Autor die 13- bis 17-jährigen blinden Passagiere auf ihrer gefahrvollen Reise zum ersten Mal auf einen fahrenden Güterzug aufspringen lässt, und sie scheinen es selbst körperlich zu spüren, wenn Miguel sich die Knie wundschlägt, wenn Angel, völlig entkräftet, die Haltestange loszulassen droht oder wenn Fernando bei der Razzia von einem Polizisten zusammengeschlagen wird.

Teufelskreis aus Armut und Gewalt

Warum die Jungen und ein Mädchen die gefährliche Reise auf sich nehmen, hat Reinhardt anfangs erläutert: Ein Teufelskreis aus Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit in Guatemala, El Salvador und Honduras treibt viele Kinder und Jugendliche dazu, ihre Heimatländer zu verlassen. Man schätzt, dass, bedroht von Unfällen, Hunger und Durst sowie von Banditen, Menschenschmugglern und korrupten Polizisten, ständig bis zu 100 000 Minderjährige unterwegs sind, die sich fast 3000 Kilometer durch Mexiko, durch Dschungel, Hochgebirge und Wüste, bis hin zur stark bewachten Grenze zu den USA durchschlagen. Von den USA, das weiß Reinhardt aus seinen Gesprächen mit Flüchtenden, erwarten sie „Wunderdinge“, auf jeden Fall aber ein besseres Leben.

Gefährliches Leben für „Illegale“

Ob denn die fünf Hauptfiguren es tatsächlich bis in die USA geschafft hätten, wollten die Realschüler im anschließenden Gespräch mit dem Autor wissen. „Das gelingt nur den wenigsten“, musste Reinhardt enttäuschen, er habe keine Kenntnis, wie es „seinen“ Jugendlichen letztlich ergangen sei. Aber von anderen wisse er, wie gefährlich „Illegale“ in den USA leben. Er denke über eine Fortsetzung nach, beantwortete er eine entsprechende Anfrage.

Politischen Aktualität

Bekannt geworden ist der Autor mit seinem Roman „Edelweißpiraten“ über oppositionelle Jugendgruppen im sogenannten Dritten Reich. Zunächst hatten die Lehrer tatsächlich eine Lesung aus diesem Roman ins Auge gefasst, sich dann aber angesichts der politischen Aktualität für „Train Kids“ entschieden. Die Schüler waren sehr zufrieden, Anna Maier aus der 9b lobt die Spannung, Marit Sellmeyer ist beeindruckt, dass alles auf Tatsachen basiert, und Alim Inderby freut sich, dass er zusätzlich zu spannendem Lesevergnügen auch noch „ganz viel Hintergrundwissen“ mitgeliefert bekommt. Möglich wurde die Lesung, so Fachleiterin Ulrike Leidecker, „dank großzügiger Unterstützung“ des schulischen Fördervereins.


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