Zahlen zum GMHütter Wohnungsmarkt In der Hüttenstadt fehlen jedes Jahr 61 neue Wohnungen

Von Wolfgang Elbers


Georgsmarienhütte. So viele Informationen zum Wohnungsangebot in der Hüttenstadt hat es lange nicht gegeben: So sind von 2011 bis 2015 insgesamt 257 neue Wohneinheiten in GMHütte geschaffen worden – ein Plus von 1,7 Prozent. Das sind aber nicht genug, um die Einwohnerzahl zu halten. Dafür müssten jährlich 61 neue Wohnungen auf den Markt kommen.

Der GMHütter Rat hat vergangenen Donnerstag darüber diskutiert, wie die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen kann. Am Montag gab es jetzt im Stadtplanungsausschuss Zahlen des Landkreises zum Wohnungsbestand in der Hüttenstadt und der demografischen Entwicklung bis 2035.

GMHütte zuletzt bei neuen Wohnungen Schlusslicht

„Wohnraumversorgungskonzept Landkreis Osnabrück 2017“ lautet der Titel der knapp 70-seitigen Studie, die im Fachausschuss vorgestellt wurde. Danach stammen kreisweit 63 Prozent des Wohnungsbestandes von 156730 Wohneinheiten zum Jahresende 2015 aus den Jahren vor 1979, 34 Prozent sind zwischen 1980 und 2009 entstanden sowie 3 Prozent des Angebots dem Zeitraum ab 2010 zuzuordnen. Das durchschnittliche Baualter der Gebäude wird in der Übersicht mit 47 Jahren beziffert.

Dass in GMHütte schneller Handlungsbedarf besteht, machen die Veränderungen beim Wohnungsbestand in den fünf Jahren von 2011 bis 2016 deutlich: Hier ist GMHütte mit einem Plus von 1,7 Prozent (257 neue Wohneinheiten) zusammen mit Bissendorf (1,9 Punkte/118 Wohnungen) Schlusslicht. Dagegen liegen die Nachbarkommunen Hasbergen (2,7/138), Hagen (3,2/189) und Hilter (3,3/144) kreisweit im Mittelfeld, während Bad Iburg mit Plus 5,4 Prozent (266 Wohneinheiten), die Samtgemeinde Bersenbrück (5,3/585) sowie Bad Laer (4,0/153) das Spitzentrio bilden. Kreisweit nahm der Bestand an Wohnungen insgesamt im Schnitt um 3 Prozent zu.

Deutlich nach oben zeigt Entwicklung der Bautätigkeit zwischen 2011 und 2016. Die Zahl der Baugenehmigungen für Neubauvorhaben und Maßnahmen im Bestand ist danach von jährlich 1038 (davon 931 neue Wohngebäude) auf zuletzt 1522 (Neubauten 1362) gestiegen – ein Plus um knapp 47 Prozent. Nur 2013 fällt hier aus dem Rahmen: Da gab es zwischenzeitlich einen leichten Rückgang von 1236 im Vorjahr auf 1137 Genehmigungen.

Deutlich zurückgegangen ist von 2013 bis 2016 nach der Auswertung der Immobilienteile und der Internetportale die Zahl der angebotenen Mietwohnungen. Wurden hier kreisweit 2013 noch 9572 offerierte Wohnungen gezählt, so hat sich die Zahl 2016 auf 3806 reduziert – ein Minus um rund 60 Prozent in vier Jahren.

Bezüglich der Wohnungsgrößen ergab die Auswertung: Es werden mehr große als kleine Wohnungen angeboten. So wurden 2013 insgesamt 1155 Inserate für kleine Wohnungen bis 50 Quadratmeter gezählt, die aktuell von Singles und jungen Paaren besonders nachgefragt werden. 3069 Anzeigen bezogen sich hier auf Wohnungen mit mehr als 90 Quadratmetern.

Dieser Trend hat sich bis 2016 bei einem geringeren Angebot noch verstärkt. Hier entfielen zuletzt 10 Prozent auf Mietwohnungen mit bis zu 50 Quadratmetern Wohnfläche, 14 Prozent auf die Größe 50 bis 65 Quadratmeter, 39 Prozent auf 66 bis 90 Quadratmeter und 36 Prozent auf Angebote mit mehr als 90 Quadratmetern Wohnfläche.

Als Problem für die kommenden Jahre bis 2024 wird in der Studie der anstehende Generationswechsel in den Ein- und Zweifamilienhaus-Wohngebieten gesehen, der zu einer enormen Vererbe- und Verkaufswelle führen dürfte. Rund 70 Prozent der Wohnungen im Landkreis entfallen in diese Kategorie. Hier wird in der Studie davon ausgegangen, dass in den nächsten sechs Jahren rund 770 Objekte zusätzlich auf dem Markt kommen. Allerdings gebe es aufgrund der allgemeinen demografischen Entwicklung hier eine abnehmende Nachfrage durch junge Familien.

Die Leerstandsquote bewegt sich auf Kreisebene derzeit bei 3,1 Prozent. Für die Kommunen liegen die Zahlen zwischen 1,6 (Glandorf/Samtgemeinde Neuenkirchen) und 4,3 Prozent (Bad Rothenfelde). GMHütte wird hier mit 3,2 Prozent gelistet. Die Stadtverwaltung hatte hier zuletzt einen Wert von rund 2,5 Prozent kommuniziert. Die Quoten für die Nachbargemeinden: Bad Iburg (3,0), Bad Laer (3,2), Dissen (3,6), Hagen 2,7), Hasbergen (3,4) sowie Hilter (3,1).

Mieten seit 2005 um 16 bis 24 Prozent gestiegen

Deutlich gestiegen sind nach der Auswertung die Mieten in den vergangenen zehn Jahren. Kreisweit ist der Preis pro Quadratmeter in dem Zeitraum um 14 Prozent nach oben gegangen. Ein Plus, das 3 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt.

Für die Mittelzentren wie GMHütte wird sogar seit 2005 von einem Mietanstieg zwischen 16 und 24 Prozent ausgegangen. Damit bewegen sich die Wohnungskosten aber im Schnitt zwischen 1,30 und 2 Euro pro Quadratmeter unter dem Niveau, das im Oberzentrum Osnabrück anzutreffen ist.

Nicht nur die Mietpreise sind nach der Studie nach oben gegangen, sondern auch die Grundstücke kosten erheblich mehr. Hier wird seit 2011 für alle Kommunen eine Steigerung zwischen 15 und 30 Prozent registriert.

Wie groß der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in GMHütte ist, macht der Anteil der Haushalte mit einem Einkommen von unter 1500 Euro aus. Er beträgt in GMHütte 22 Prozent. Zum Vergleich die Werte der Nachbarkommunen: Bissendorf 10, Hasbergen 15,1, Hagen 15,7, Bad Iburg 20,7, Bad Laer 17,6, Hilter 22,4, Dissen 32,8 und Bad Rothenfelde 33,7. Ein Problem dürfte hier beim Wohnungsbestand werden, dass das Angebot an mietpreisgebundenen Wohnungen im Landkreis von 4631 Objekten im Jahr 2011 über eine Zahl von mehr als 3600 Angebote im laufenden Jahr bis 2023 auf Null zurückgeht.

Deutlich zunehmen wird in den kommenden Jahren nach der Landkreis-Übersicht die Wohnungsnachfrage in zwei Gruppen: den sogenannten „Best Agern“ zwischen 55 und 65 Jahren, die auch bereit sind, höhere Mieten zwischen 7,50 und 10,50 Euro zu zahlen, sowie bei Senioren ab 65, die altersgerechte Angebote suchen.

Die Ergebnisse der Studie werden jetzt zunächst in den Fraktionen diskutiert, bevor dann voraussichtlich im April darüber beraten wird, welche Schlussfolgerungen für GMHütte hinsichtlich des Angebots an bezahlbarem Wohnraum beziehungsweise Sozialwohnungen zu ziehen sind. Ein Ratsbeschluss zu dem Thema ist für Juni vorgesehen.