Grünkohl mit Parteigenossen Linken-Promi Jan Korte auf Heimatbesuch in GMHütte

Von Petra Pieper

Austausch bei Grünkohl und Bratkartoffeln: Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Bundestagsfraktion Jan Korte (rechts) traf Georgsmarienhütter Parteifreunde. Foto: Petra PieperAustausch bei Grünkohl und Bratkartoffeln: Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Bundestagsfraktion Jan Korte (rechts) traf Georgsmarienhütter Parteifreunde. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Nach zweistündiger Besichtigungstour von Oesede nach Alt-Georgsmarienhütte war der Appetit auf Grünkohl groß: „Hier in der Region schmeckt er einfach am besten“, freute sich Jan Korte, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken im Bundestag und gebürtiger Georgsmarienhütter, auf die warme Mahlzeit im Kolpinghaus.

Der Kontakt zur Basis ist dem in deutschen Medien hochpräsenten Politiker wichtig. Und auch die Georgsmarienhütter Genossen schätzen den „heißen Draht“ nach Berlin, wie Ratsherr Peter Schmechel unterstrich. Gemeinsam mit Parteifreunden hatte Korte einige der in lokalpolitischen Diskussionen stehenden Orte aufgesucht und nebenbei Erinnerungen an seine Jugend aufgefrischt: die als Baugebiet anvisierten Wiesen am Forstweg unterhalb des Gymnasiums Oesede, an dem er vor 20 Jahren sein Abitur abgelegt hat, den Sportplatz Rehlberg und das Jugendzentrum Alte Wanne, in dem er als Mitglied des Stadtjugendrings viel Zeit verbrachte, oder den Neubau der Kita „Haus der kleinen Füße“.

Korte lobte die politische Arbeit der Linken-Fraktion im Georgsmarienhütter Rat: „Das Wesen linker Politik ist sozialer und solidarischer Einsatz für Arme und Benachteiligte, und hier finde ich das Engagement für ‚kleine Dinge‘ wie den Sozialtarif im öffentlichen Personennahverkehr einfach vorbildlich.“ Die erfolgreiche politische Arbeit schlage sich auch in steigenden Mitgliederzahlen nieder.

Die Parteifreunde wollten ihrerseits wissen, wie es in der großen Politik in Berlin zugeht. Große Sorgen macht sich Korte sich über die Neuen im Bundestag, die AfD. Man sei natürlich sehr zurückhaltend gegenüber der rechten Fraktion, betonte Korte, und springe nicht über jedes Stöckchen, das sie dem Plenum hinhalte: „Wir lassen uns nicht auf jede Provokation der AfD ein, denn dadurch würde sie nur aufgewertet.“ Allerdings gehe es nicht an, dass verbale Entgleisungen von AfD-Mitgliedern ungerügt blieben. So hatte am Freitag der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio bei seiner Kritik an Doppelpässen auch die Vokabel „entartet“ benutzt. „Dieser Begriff ist unmissverständlich Nazivokabular“, stellte Korte klar, „wir müssen alles dafür tun, dass das nicht normal wird“, und mit Blick auf die Zurückhaltung des Bundestagspräsidenten in der Situation: „ Schäuble hätte eingreifen müssen.“

Es gebe nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa einen Rechtsruck, an dem die Bundeskanzlerin samt Großer Koalition großen Anteil habe, indem sie zum einen „AfD-Parolen nachgeplappert“, zum anderen Politik nur noch verwaltet und keine klaren Standpunkte bezogen hätten. Alternativen würden, so Korte, „nicht mehr kenntlich gemacht“.

Deshalb brauche auch niemand eine „Weiter-so“-Regierung, wie sie in der Fortsetzung der Groko zu erwarten wäre. „Wichtig wäre stattdessen, eine positive Idee von einem Land und einer Gesellschaft zu finden, in dem tatsächlich alle ‚gut und gerne‘ leben – und nicht nur eine reiche Elite.“ Mit Kinderarmut und einem liberalisierten Arbeitsmarkt, der die Menschen entwurzele und ihnen die Planbarkeit ihres Lebens versage, erweise sich der Neoliberalismus als Zwillingsbruder des Rechtsextremismus. Die nach Kortes Ansicht „übergroße Mehrheit“, die keinen Rechtsruck wünsche, müsse das endlich deutlich machen und „lauter werden“.

Die Links-Partei könne und wolle Kern einer größeren linksgerichteten Sammlungsbewegung sein, die sich der „Rechtsverschiebung“ entgegenstellt. Die Linke sei schon heute die fleißigste Fraktion im Bundestag, habe die Besetzung der Fachausschüsse eingefordert und kritische Fragen zu Rüstungsexporten gestellt. Sie sehe ihren Auftrag ganz klar darin, soziale Opposition zu sein und für eine gerechtere Umverteilung samt grundlegender Neuordnung der Finanzen zugunsten der Kommunen zu kämpfen.