Einsammeln und wiederverwerten Was passiert mit entsorgten Tannenbäumen?

Von Catharina Kronisch

Mit Warnwesten, Mützen und dicken Jacken: Freiwillige Helfer haben am Wochenende in der Osnabrücker Region wie hier in Melle-Buer ausgediente Tannenbäume eingesammelt. Foto: Norbert WiegandMit Warnwesten, Mützen und dicken Jacken: Freiwillige Helfer haben am Wochenende in der Osnabrücker Region wie hier in Melle-Buer ausgediente Tannenbäume eingesammelt. Foto: Norbert Wiegand

Georgsmarienhütte. Liebevoll geschmückt, intensiv bestaunt und dann entsorgt. Gegen eine kleine Spende begleiten derzeit in vielen Gemeinden Freiwillige den abgeschmückten Baum auf seinem letzten Weg. Doch was passiert eigentlich mit den ausgedienten Bäumen?

Nach dem Weihnachtsfest und auf dem Grünabfallplatz ist der Weg für den Tannenbaum noch nicht vorbei. Die meisten entsorgten Bäume im Landkreis Osnabrück werden nach dem Dreikönigstag von freiwilligen Helfern eingesammelt und zu Abfallplätzen gefahren. So zum Beispiel auch zu den Plätzen der Awigo, der Abfallwirtschaft im Landkreis Osnabrück.

Tannenbäume landen auf dem Abfallplatz

Rund 55.000 Tonnen Grünabfall aus der Region landen pro Jahr auf den 27 Awigo-Grünplätzen und Recyclinghöfen. Darunter sind auch jedes Jahr die entsorgten Weihnachtsbäume: „Kommt ein Tannenbaum zu einem Grünabfallplatz der Awigo, dann wird er zunächst zur Aufbereitung abtransportiert“, sagt die Pressesprecherin der Awigo, Daniela Pommer. „Aufbereitet werden alle Tannenbäume in unserer Anlage in Ankum. Dort werden die Bäume zerkleinert und danach in einem Sieb in drei verschiedene Fraktionen geteilt.“ Da gebe es einmal die „holzige Fraktion“, die sechs Wochen gelagert und dadurch biologisch getrocknet werde. Nach einem erneuten Schreddern und Sieben werde diese grobe Masse als Brennstoff genutzt, zum Beispiel in Biomasseheizwerken. Zusätzlich gebe es noch eine sogenannten „feine Fraktion“, die später als Mulch verkauft werde. „Viele Abfälle landen auch im „Awigo-Humus“, sagt Pommer. „Dieser wird verkauft und landet somit wieder in den Gärten der Region.“

Als Monochargen, also als eine Abfallsorte, die getrennt in großen Mengen geliefert wird, eignen sich Tannenbäumen nicht gut für die Kompostierung. „Allerdings haben wir ja nicht nur Tannenbäume im Grünabfall, sondern vor allem auch Grasschnitt, Hecken- oder Baumrückschnitt“, sagt Pommer. Die jährlich im Januar entsorgten Tannenbäume seien in der Aufbereitung deshalb nicht problematisch.

Wie viele Tannenbäume die Menschen in diesem Jahr bei der Awigo abgegeben haben, das weiß Daniela Pommer nicht genau: „Die Kollegen auf den Grünplätzen und Recyclinghöfen erfassen oder zählen die eingehenden Tannenbäume nicht gesondert, sondern erfassen die Bäume genauso wie den sonstigen Grünabfall“, sagt Pommer. Fest steht, dass so einige Bäume in diesem Jahr dort abgeliefert worden sind. So war zum Beispiel auch am Awigo-Grünabfallplatz in der Straße „Am Wiesenbach“ in Georgsmarienhütte reger „Tannenbaum-Verkehr“.

Sicherheit beim Tannenbaum-Transport

Mit gelben Warnwesten, Mützen, Schals und dicken Jacken ausgestattet stehen die Helfer beim Abholen der Bäume oft auf den Ladeflächen der Transporter. Auch wenn das eigentlich nicht erlaubt ist, gebe es in bestimmten Fällen Ausnahmen, sagt der Pressesprecher des Landkreises Osnabrück Henning Müller-Detert auf Nachfrage unserer Redaktion. „Es gibt einen Erlass, nach dem Fahrten beispielsweise für nichtgewerbliche Sammlungen von Altmateriealien genehmigungsfrei durchgeführt werden können“, so Müller-Detert. Dazu gehören auch die Tannenbaum-Sammelaktionen. „Wenn Menschen auf der Ladefläche stehen, dann haben die Fahrzeuge bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, sie brauchen zum Beispiel rutschfeste Standflächen. Im Idealfall ist die Sammel- und Fahrtätigkeit in die Betriebshaftpflichtversicherung des Veranstalters eingeschlossen“, sagt er.

Aktion für den guten Zweck

Bei den jährlichen Tannenbaumaktionen beteiligen sich jedes Jahr viele freiwillige Helfer, um die entsorgten Weihnachtsbäume für den guten Zweck abzuholen. In Wellendorf wurden zum Beispiel über 600 Bäume von der Kolpingfamilie Wellendorf eingesammelt. „Wir sind mit der diesjährigen Aktion rund um zufrieden, mit zwölf Personen haben wir zwischen 9 und 12:30 Uhr alle Bäume zusammen gehabt“, sagt Werner Wiesner von der Kolpingfamilie Wellendorf. „Das gesammelte Geld wird für die Heilung von krebskranken Kindern gespendet. Die alten Tannenbäume dürfen wir für das Osterfeuer verwenden“, sagt er. In Bad Iburg hat unter anderem die Kolpingjugend Glane durch das Einsammeln der Tannen Geld eingenommen, das gespendet wird: „Es sind 3000 Euro für unser Schulprojekt in Westafrika zusammen gekommen“, sagt Lena Schlüter von der Kolpingjugend Glane.

Seit mehr als 30 Jahren führt auch der Eine-Welt-Arbeitskreis der Christlichen Jungen Gemeinde Belm (CJG) eine Tannenbaum-Abholaktion durch. Vorigen Samstag waren dafür 45 meist junge Helfer im Einsatz. Sie können sich über das bisher beste Ergebnis freuen. Der Eine-Welt-AK sammelte in diesem Jahr rund 500 ausgediente Weihnachtsbäume ein und übergab sie an die Awigo zur umweltgerechten Entsorgung. Der Erlös beträgt 2300 Euro, der wieder für Selbsthilfeprojekte in Burkina Faso in Westafrika bestimmt ist.

Weitere Abholtermine

Wer seinen Tannenbaum jetzt doch noch zu Hause stehen hat, kann ihn auch am kommenden Wochenende noch abholen lassen. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) St. Johannis Glandorf sammelt erneut am Samstag, 20. Januar, ab 9 Uhr Tannenbäume ein. Auch in Bad Laer werden von der KAB wieder Tannenbäume eingesammelt, dieses Mal im Ortsteil Ortsteile Müschen, Hardensetten, Winkelsetten und Westerwiede. Los geht es am Samstag, 20. Januar, ab 9:30 Uhr.

Der ausgediente und abgeschmückte Weihnachtsbaum ist also, dank vieler Freiwilliger, nach dem Fest wieder schnell aus dem Weg geräumt. Aber ganz weg ist er irgendwie auch nicht, denn er landet als Humus in den Gärten oder wird als Brennmaterial für das Osterfeuer genutzt.