Noch im Rollstuhl unterwegs GMHüttes älteste Bürgerin Clara Röhrig wird 106 Jahre alt

Treffen der Generationen: Knapp 98 Jahre liegen zwischen der ältesten Bürgerin Clara Röhrig und ihrer achtjährigen Urenkelin Melina, die häufig zu Besuch im Haus am Kasinopark ist. Foto: Horst TroizaTreffen der Generationen: Knapp 98 Jahre liegen zwischen der ältesten Bürgerin Clara Röhrig und ihrer achtjährigen Urenkelin Melina, die häufig zu Besuch im Haus am Kasinopark ist. Foto: Horst Troiza

GMHütte. Auch wenn sie noch gar nicht solange in der Hüttenstadt wohnt: Clara Röhrig ist die älteste Bürgerin der Stadt. Und am heutigen Mittwoch feiert sie ihren 106. Geburtstag. Die alte Dame lebt im Haus am Kasinopark, wo sie sich es nicht nehmen lässt, in ihrem Rollstuhl über die Flure zu fahren.

Vor sechs Jahren ist Clara Röhrig nach GMHütte gezogen, wo ihr Sohn Johannes mit seiner Familie lebt. Da die Seniorin auf Hilfe angewiesen ist, lebt sie seit einigen Jahren im Haus am Kasinopark. Ihr Augenlicht hat nachgelassen. Und auch die Ohren sind nicht mehr so, wie sie es einmal waren. Das Alter eben, was sie aber nicht an Touren im Rollstuhl über die Flure des Heimes hindert. Fast täglich ist sie dort unterwegs und sorgt selbst für ihre Bewegung. „Meine Arme sind inzwischen zu schwach, um die Räder zu bewegen. Deshalb stoße ich mich mit den Füßen ab, das geht“, sagt sie. Die alte Dame gibt eben nicht so leicht auf, in ihrem langen Leben hat sie auch gelernt zu kämpfen.

Sie wurde am 17. Januar 1912 als Clara Korte in Binghausen bei Twistringen geboren. Damals gab es noch das Kaiserreich mit einem machtbewussten Wilhelm II auf dem Thron, die Schrecken des Ersten Weltkrieges lagen gut zweieinhalb Jahre in der Zukunft.

Gelernte Krankenschwester

In Binghausen verbrachte Clara Röhrig auch ihre Kindheit. Nach der Schulzeit ging sie nach Hamburg und erlernte den Beruf der Krankenschwester. 1933 legte sie das Examen ab. Einige Jahre war sie in einem Sanatorium tätig, kehrte aber während der Kriegszeit wieder in ihr Elternhaus nach Twistringen zurück.

Das war eine mehr als schicksalhafte Entscheidung. Nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr in die alte Heimat wurde das Haus in Hamburg, wo sie mit ihrem Sohn Johannes gelebt hatte, von einer Bombe getroffen und zerstört.

Schwerer Schicksalsschlag

1946 wurde das zweite Kind, Barbara, geboren. Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie zwei Jahre später, als Claras Ehemann überraschend starb. Von dem Tag an war sie mit den beiden Kindern allein und musste in der schweren Nachkriegszeit für sie allein sorgen. Bis 2011 lebte sie in Twistringen, dann kam sie in die Hüttenstadt.

Mehrmals in der Woche erhält sie Besuch von ihrem Sohn und dessen Ehefrau Christine. Besonders freut sie sich, wenn sie Ur-Enkelin Melina mitbringen. „Nein, was ist die Lütte groß geworden“, freut sie sich auch an diesem Tag, obwohl es nicht lange her ist, dass die Achtjährige bei ihr war.

Ihren Ehrentag wird sie im kleinen Kreis mit ihren Angehörigen verbringen. Der Trubel ist ihr inzwischen zu viel geworden. Auf ein Stück Kuchen von ihrer Geburtstagstorte freut sie sich aber auf jeden Fall.


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