Villa Stahmer: Dramatische Kunst Oeseder Abiturienten stellen aus



Georgsmarienhütte. Acrylmalerei auf Leinwand, Skulpturen aus Gips und Ton, Fotografien und nachkonstruierte Räume im Maßstab 1:20. Das sehen die Besucher der Villa Stahmer ab heute in Georgsmarienhütte. Zwölf Schülerinnen und ein Schüler des Kunstleistungskurses des Gymnasiums Oesede arbeiteten zusammen mit Kursleiterin Katrin Balßen drei Semester an ihren künstlerischen Fertigkeiten. Die Ergebnisse sind nun in einer Kunstausstellung zu sehen.

Aufgeregtes Getuschel herrschte am Sonntagmorgen in der Villa Stahmer in Georgsmarienhütte. Nach und nach füllte sich das Kunstmuseum mit Besuchern, die gespannt auf die Rede des Bürgermeisters Ansgar Pohlmann warteten. Zusammen mit der Museumsleiterin Inge Becher eröffnete er die Ausstellung offiziell. Der Schulleiter des Gymnasiums Oesede Ulrich Schimke sowie das Lehrerkollegium, Freunde und Familien waren gekommen, um die drei Räume, gefüllt mit Malereien, Zeichnungen, Skulpturen und Fotografien, auf sich wirken zu lassen. „Meine ehemaligen Schüler aus dem Kunstleistungskurs sind sogar gekommen“, freute sich Katrin Balßen. Einige von ihnen hätten sich nach ihrem Abitur im künstlerischen Bereich weiter entwickelt, Design oder Mode studiert, erzählte Balßen stolz.

Dramaturgische Werke

Drei Semester haben sich die Abiturienten mit der Kunst auseinandergesetzt. „Jedes Halbjahr bekommen wir zwei Künstler vorgeschlagen, an denen wir uns im Unterricht orientieren“, erklärte Balßen. „Ich führte die Schüler schrittweise an das Zeichnen heran.“ So wurden zu Anfang erst Strichmännchen gezeichnet, die sich später nach und nach zu einer richtigen Figur entwickelten, sagte die Kursleiterin. Ein Thema war „Der bewegte Mensch“. „Wir orientierten uns am Künstler Umberto Boccioni und dem Tänzer Vaslav Nijinsky.“ Dessen Skulpturen stellten Personen in Bewegung dar. „Damit sich die Schüler besser vorstellen konnten, wie die Menschen in ihrer dramatischen Bewegung und dem Ausdruck gezeichnet und gar abgebildet werden können, haben wir die Fotografie hinzugezogen“, erklärte Balßen. Zum Thema „Ich kriege keine Luft“ sollten die Schüler sich selbst in dramatischen Szenen darstellen und diese fotografisch umsetzen, damit sie sich selbst eine Bildvorlage für die weiteren Zeichnungen schaffen konnten, so Balßen. „Der Einfluss der Fotografie auf die bildende Kunst sollte nicht unterschätzt werden.“ Mit den Selbstportraits wurde dann weiter an den eigenen Skulpturen aus Gips und Ton gearbeitet.

Gesellschaftskritik

Einen Raum weiter zeigen Acrylmalereien auf Leinwand Werke zu den Themenfeldern Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. „Hier sollten sich die Schüler kritische Aspekte aussuchen, mit denen sie sich bildlich auseinandersetzen sollten.“ Im dritten Semester orientierten sich die Schüler an Künstler und Fotograf Thomas Demand. „Er stellte Räume aus aktuellen Pressefotos nach. Zum Beispiel die „Küche“ des irakischen Diktators Saddam Hussein kurz vor seiner Entdeckung durch die Amerikaner.“ Demand stellte die Räume aus Pappe und Papier 1:1 nach und fotografierte diese mit spezieller Beleuchtung. „Die Schüler wählten die gleiche Herangehensweise wie Demand. „Unsere Papierbauten setzten wir in den Maßstab 1:20 um und fotografierten sie mit der Beleuchtung in Anlehnung an den Künstler“, erklärte Balßen.

Zweiwöchige Ausstellung

„Mir ist es wichtig, dass jeder eine Chance auf eine Kunstausstellung hat und die Leute dafür offen sind“, sagte Balßen, die selbst schon eigene Werke ausgestellt hat. „Die anderen Ausstellungen fanden sonst in unserer Schule statt, doch leider ging dort auch im Schulbetrieb mal etwas kaputt. Deswegen war es schön, dieses Jahr in der Villa Stahmer ausstellen zu dürfen.“ Schüler und Lehrerin bauten ihre Ausstellung selbst auf. Säulen wurden gestrichen und Passepartous geschnitten. Bis zum 28. Januar können Interessierte sich die Werkschau der praktischen Kunstarbeiten des Kunstleitungskurses des Gymnasiums Oesede in dem Museum in Georgsmarienhütte ansehen.


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