Bekommt GMHütte ein neues Baugebiet? SD Automotive hält an Wohnraum-Plänen fest

Der Bereich an der Wellendorfer Straße gegenüber dem neuen Wohngebiet Auf der Nathe, der hinter dem Feuerwehrgebäude zum Baugebiet werden könnte. Foto: Jörn MartensDer Bereich an der Wellendorfer Straße gegenüber dem neuen Wohngebiet Auf der Nathe, der hinter dem Feuerwehrgebäude zum Baugebiet werden könnte. Foto: Jörn Martens

Georgsmarienhütte. Aktuell verfügt die Stadt GMHütte, nachdem die zuletzt ausgewiesenen Baugebiete Auf der Nathe im Zentrum und Buchgarten II am Harderberg komplett vermarktet sind, über keine Baugrundstücke mehr. Nachdem Gespräche, in Holzhausen Bauplätze auszuweisen, bisher zu keiner Einigung mit den Flächeneigentümern geführt haben, kommt jetzt wieder ein Bereich in Oesede in den Blickpunkt – ein bis zu rund sieben Hektar großes Gebiet.

Als Punkt fünf und sechs der Tagesordnung beschäftigen den Stadtplanungsausschuss am Montag ab 18 Uhr die im vergangenen Mai erstmals öffentlich gewordenen Baugebietspläne. Die notwendige „Änderung des Flächennutzungsplanes Bereich Brünemann/Sandbrink“ und der von der Verwaltung vorgeschlagene „Aufstellungsbeschluss“ haben die Pläne des GMHütter Automobildienstleisters SD Automotive zum Hintergrund, hier ein Baugebiet zu entwickeln, um in zentrumsnaher Lage Wohnraum für Mitarbeiter und deren Familien anbieten zu können. Die Flächen sind größtenteils auch schon im Besitz des Unternehmens.

Noch einige offene Fragen

Es hat im Frühjahr wegen der Pläne auch einen Ortstermin mit SD-Geschäftsführer Markus Dröge gegeben. Dabei haben Vertreter der Ratsfraktionen die Baugebietpläne nicht grundsätzlich abgelehnt, aber deutlich gemacht, dass es im Vorfeld in jedem Fall einige Fragen zu klären gibt. Dies betrifft, wie aus dem Rathausumfeld zu hören ist, zum Beispiel die Aspekte: Wer ist Projektträger?, Wie hoch ist der Anteil Baugrundstücke, die von Automotive vergeben werden?, Ist ein bestimmter Teil für bezahlbaren Wohnraum vorgesehen?, und: Inwieweit ist es möglich, dass die Stadt bei den Vergabekriterien eingebunden ist?

In der Vorlage zur Stadtplanungssitzung wird hierzu ausgeführt: Die Parteien hätten „eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber einer Verplanung der Flächen südlich der Wellendorfer Straße vertreten und die Ausweisung von Wohnbauflächen unter ,gewissen Bedingungen“ als denkbar bezeichnet.

Bei Ratsvertretern herrscht aber etwas Erstaunen, dass jetzt plötzlich ohne eine weitere inhaltliche Vorbereitung ein Aufstellungsbeschluss gefasst werden soll, um ins ergebnisoffene Verfahren zur Ausweisung eines Baugebiets einzusteigen. Für ein Fragezeichen sorgt dabei auch, dass SD Automotive Ende Oktober 111 der rund 530 Beschäftigten wegen der schwierigen Auftragslage entlassen musste.

Bürgermeister Ansgar Pohlmann hat am Montag auf Anfrage unserer Redaktion erklärt: „Für SD Automotive ist es weiter wichtig, Mitarbeitern eine Wohnraum-Perspektive bieten zu können – sowohl im Eigentum als auch zur Miete.“ Die Fragen, in welcher Konstellation die spätere Bebauung umgesetzt würde, sei derzeit nach seinem Stand noch offen. Hier könnten auch Kooperationen mit der Stadt oder mit Erschließungsträgern möglich sein. In jedem Fall müsste bei einem positiven Aufstellungsbeschluss dann auch ein städtebaulicher Vertrag geschlossen werden. Es gehe am Montag aber auch nicht um Detailfragen, sondern den Einstieg in das Verfahren.

Ob die Politik diesen Schritt mitgeht, oder vor einer Entscheidung noch weiteren Klärungsbedarf sieht, erscheint im Vorfeld der Ausschuss-Sitzung offen.

An welcher Stelle Baugebiet sinnvoll?

Dass in der Hüttenstadt grundsätzlich Handlungsbedarf besteht, um weiteren Wohnraum zu schaffen, hat gerade noch einmal die Diskussion um die aktuelle Bevölkerungsprognose des Landkreises deutlich gemacht. Danach droht GMHütte bei Fortschreibung der derzeitigen Entwicklung bis 2035 ein Rückgang der Einwohnerzahl um rund fünf Prozent.

Derzeit gibt es in GMHütte jedenfalls keine Baugrundstücke, die Bauinteressierten von der Stadt angeboten werden können. Auch im Baugebiet Am Wiesenbach, das Erschließungsträger NLG (Niedersächsische Landgesellschaft) alleine realisiert hat, gibt es keine freie Fläche mehr. Hier entsteht aber noch eine Mehrfamilienanlage mit rund zehn Wohneinheiten. Ob „die optimierte Ausnutzung bestehender Bauflächen“ ausreicht, um die Nachfrage zu decken, ist eher fraglich. Die spannende Frage dürfte daher sein: An welcher Stelle ist es sinnvoll, weitere Baugrundstücke auszuweisen?


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