Alternative gegen Altersarmut Das solidarische Rentenmodell der KAB

Konzepte gegen Altersarmut: Irmgard Wellenbrock und Ulrich Köhne von der KAB begrüßen den Referenten Martin Peters (Mitte). Foto: Petra PieperKonzepte gegen Altersarmut: Irmgard Wellenbrock und Ulrich Köhne von der KAB begrüßen den Referenten Martin Peters (Mitte). Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Immer wieder sensibilisieren, anmahnen und eben auch Perspektiven aufzeigen gegen drohende Altersarmut – das ist eines der großen sozialen Themen, die sich die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) auf die Fahnen geschrieben hat. Martin Peters stellte jetzt in Oesede ein von katholischen Verbänden erarbeitetes Rentenmodell vor, das Altersarmut verhindern soll.

Zum Themenabend der KAB St. Peter und Paul Oesede begrüßte die stellvertretende Vorsitzende Irmgard Wellenbrock den ehemaligen Rechtsschutzsekretär der KAB Münster, Martin Peters aus Glandorf. Er erläuterte das sogenannte „Cappuccino“-Rentenmodell, das eine Sockelrente aus den Einkünften aller steuerpflichtigen Bürger („Espresso“), eine Erwerbstätigenversicherung („Milchkaffee“) sowie private und betriebliche Altersvorsorge („Milchschaum“) vorsieht. „Dieses Rentenmodell, das die KAB in Zusammenarbeit mit weiteren katholischen Verbänden erarbeitet hat, ermöglicht eine solidarische und gerechte Rente für alle und verhindert Altersarmut“, erklärte Peters.

Schlecht entlohnte Tätigkeiten und befristete Arbeitsverträge

Gegenwärtig und seit langen Jahren schon arbeiteten viele Menschen in schlecht entlohnten Tätigkeiten, in befristeten Arbeitsverträgen, im Niedriglohnsektor oder seien ganz arbeitslos. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen sei zurückgegangen. Hinzu komme die oftmals unterbrochene Erwerbsbiographie, zum Beispiel in Folge von Erziehungs- und Pflegephasen oder aufgrund von Arbeitslosigkeit. „Alle diese Menschen können später von ihrer Rente kaum leben, sie müssen zusätzlich Grundsicherung beantragen“, machte Peters deutlich. Daran hätten auch die vermeintlichen Rentenreformen der vergangenen Jahre und der Mindestlohn nichts verbessert, wie er mit Rechenbeispielen demonstrierte. Während ein Durchschnittsverdiener heute nach 40 Jahren 1241 Euro Rente erwarten könne, bekomme ein Mindestlohnempfänger bei gleicher Arbeitszeit 608 Euro.

Eigenständige Alterssicherung für Frauen und Männer

Die KAB hingegen setzt sich für mehr Solidarität aller Bevölkerungsgruppen in der gesetzlichen Rentenversicherung ein und will eine eigenständige Alterssicherung für Frauen und Männer. Grundsätzlich sei die paritätische, umlagenbasierte gesetzliche Rente nicht schlecht, so Peters, allerdings werde der Faktor Arbeit zu stark belastet. Deshalb empfiehlt die KAB eine Flankierung der aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen finanzierten gesetzlichen Rente durch Sockelrente und Betriebsrente. Die Sockelrente für alle Bürger würde eine Hartz-IV-ähnliche Höhe erreichen und speist sich – bei Freistellung des Existenzminimums – aus gut 5-Prozent-Beiträgen auf die Summe der positiven Einkünfte jedes Steuerpflichtigen, also Einkünfte auch aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbe, aus selbstständiger Arbeit, aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und Verpachtung oder aus Spekulationsgewinnen.

Steuerfinanzierte Basis

Damit wäre die Basis jeder Altersrente steuerfinanziert und die Beiträge zur herkömmlichen Arbeitnehmerpflichtversicherung könnten von derzeit 18,6 Prozent auf rund 11,8 Prozent sinken. Das wiederum würde den Arbeitgebern Luft geben, Beiträge in eine betriebliche Altersvorsorge für alle Arbeitnehmer zu zahlen, sagte Peters. Man habe das Cappuccino-Modell vom ifo-Institut checken lassen mit dem Ergebnis, „dass es sich rechnet“. Nun gelte es, „mit langem Atem“ in der politischen Landschaft für dieses gerechtere Rentenmodell zu werben. „Die Politik wird von der Unzulänglichkeit des geltenden Rentenmodells eingeholt werden“, zeigte sich Peters überzeugt.

Vorbild Österreich

In der anschließenden Diskussion wurde der Blick nach Österreich gelenkt, wo die Rentenhöhe 80 Prozent des Verdienstes betragen soll. Andere Teilnehmer forderten höhere Löhne in Deutschland und einen Mindestlohn von 12,50 Euro.


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