Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken Ex-GMHütter Jan Korte in Berlin in der ersten Polit-Reihe

Von Wolfgang Elbers


Georgsmarienhütte. Derzeit hat wohl kein Bundestagsabgeordneter aus der Region in Berlin eine interessantere Position als das frühere GMHütter Grünen-Ratsmitglied Jan Korte: Der 40-Jährige, der im September zum vierten Mal als ,,Die Linke“-Kandidat den Sprung ins Parlament schaffte, ist seit Oktober Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion seiner Partei.

Der Ex-GMHütter wurde von der Fraktion mit 81,5 Prozent gewählt, was für Linke-Verhältnisse ein Spitzenwert ist. Er steht durch den neuen Job noch mehr in der Öffentlichkeit als in der vergagngenen Legislaturperiode. Da war Korte, der Ende der 90er Jahre während seiner Studienzeit in Hannover aufgrund der Zustimmung zum Kosovo-Krieg bei den Grünen ausgetreten war und dann bei der PDS beziehungsweise in der Nachfolge Die Linke eine neue politische Heimat gefunden hatte, seit 2015 Stellvertreter der Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht.

Jetzt hat er die Funktion, die zum Beispiel bei der SPD von 2007 an sieben Jahre lang Thomas Oppermann ausübte, bevor er dann nach der Bundestagswahl 2013 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion wurde. ,,Der neue Job macht wirklich viel Spaß, aber es ist auch viel Arbeit“, ist das Zwischenfazit des seit 2005 als ,,Wessi“ den Wahlkreis Anhalt in Sachsen-Anhalt vertretenden Parlamentariers.

Fraktion öffentlichkeitswirksam präsentieren

Die Schlagzahl, was Medienanfragen betrifft oder Social-Media-Aktivitäten, um die Linke-Fraktion öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, ist in der neuen Aufgabe hoch. Sogar vor Heiligabend hat er vor der Kamera eines TV-Nachrichtenteams gestanden, um ein Statement zu den von der Bundesregierung in Marokko geplanten Heimen für zurückkehrende minderjährige Flüchtlinge aus Deutschland zu geben.

Die Zeit zwischen den Jahren hat der Wahlberliner, der mit seiner Familie im Stadtteil Pankow wohnt, wieder zum traditionellen Abstecher in die alte Heimat genutzt: ,,Das sind immer ganz ruhige Tage.“ Diesmal gab es beim Weihnachten-Trip der Familie zu ,,Oma Maria und Opa Rainer“ nach Oesede eine Premiere: Erstmals hat Jan Korte bei der Fahrt am Steuer gesessen.

,,Ich hab im Mai meinen Führerschein gemacht und bin jetzt zum ersten Mal selber die Strecke gefahren“, verrät der Linke-Politiker. Dabei erinnert er sich mit einem leichten Schmunzeln daran, dass er mit 14 in GMHütte seine erste Prüfung absolviert hat - den Angelschein, nachdem er zuvor einen Kurs im Kolpinghaus besucht hatte. Dem Hobby, das ihn auch mit dem SPD-Geschäftsführerkollegen Carsten Schneider verbindet, geht er übrigens bis heute nach.

,,Da ist auf dem Roten Platz voll wat los“

Zum GMHütter Programm gehört wegen der Kinder inzwischen der Besuch der Eisbahn vor dem Rathaus: ,,Da ist auf dem Roten Platz voll wat los“, berlinert der Familienvater fast schon ein wenig und freut sich, dass die Stadt hier etwas Tolles im Zentrum bietet. Der Draht zur Hüttenstadt ist nach wie vor eng. Kortes Eltern sind während des Jahres regelmäßig in der Hauptstadt, um auf ihre Enkel aufzupassen. Und der Kontakt zu alten Freunden und Bekannten ist geblieben. So hat er nach Weihnachten zum Beispiel im Atelier des GMHütter Künstlers Robert Meyer vorbeigeschaut.

Zum Jahreswechsel ging es wieder zurück nach Berlin, wo im Januar dann die Bundestagsarbeit ihren richtigen Start erlebt: ,,Das sind schon gerade spannende Zeiten ohne eine feste Regierungsmehrheit. Da ist auf einmal auch als Oppositionspartei einiges möglich“, blickt Korte auf die aktuelle Situation. ,,In den Sitzungen des sogenannten Ältestenrates entscheidet sich derzeit, was läuft“, macht er die Bedeutung des 30-köpfigen Gremiums deutlich, zu dessen Mitgliedern neben Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und dem Präsidium 23 weitere Abgeordneten der Fraktionen zählen, darunter für Die Linke auch Jan Korte. Hier werden Geschäftsordnungsfragen behandelt, Tagesordnungen festgelegt oder zum Beispiel Streitpunkte zwischen den Fraktionen geklärt.

Ein Erfolg ist für ihn, dass seine Fraktion mit durchgesetzt hat, dass die Fachausschüsse jetzt die Arbeit aufnehmen und das Parlament mehr als drei Monate nach der Bundestagswahl damit endlich ,,voll handlungsfähig“ ist. Die Rolle der 69-köpfigen Linke-Fraktion sieht Korte gestärkt: ,,Wir sind die einzige zuvor schon im Parlament vertretene Partei, die bei der Wahl am 24. September, wo wir 9,2 Prozent erreicht haben, dazu gewonnen hat.“

SPD hat Chance zu Rot-Rot-Grün ,,nicht genutzt“

Dagegen räche sich für die SPD jetzt, dass in der Vergangenheit die Chance zu Rot-Rot-Grün ,,nicht genutzt“ worden sei. Für ihn ist offen, ob ,,die SPD am Ende des Tages in GroKo-Gespräche“ einsteigt: ,,Die Sozialdemokraten müssen sich jetzt entscheiden, was aus ihnen werden soll, und wie ein weiterer Absturz verhindert werden kann.“ Das Ende der Ära Merkel hat auch für Korte jedenfalls begonnen: ,,Sie wirkt mit ihrem abwartenden Politik-Stil inzwischen wie völlig aus der Zeit gefallen.“

Es gibt auch schon einen Termin, wann er das nächste Mal in der Region vorbeischaut und über die Entwicklungen in Berlin berichtet. Anfang des Jahres will der Parlamentarische Geschäftsführer zum Grünkohlessen des GMHütter Linke-Ortsverbands kommen.