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Der lange Weg zur Kunst Bernhard Huys: Von Oesede an die Front und weiter nach Worpswede

Von Dominik Lapp | 10.04.2019, 16:03 Uhr

Bauernhöfe, Blumen, Birken, Wolken, Wasserläufe und Wege. Die karge, schwermütige norddeutsche Landschaft mit ihrer herben Schönheit hat der Oeseder Maler Bernhard Huys in seinen Bildern festgehalten. Und einige davon hängen womöglich in GMHütter Wohnstuben. Josef Börger spach jetzt im Rathaus über den Oeseder Lehrersohn, den es nach Worpswede verschlug.

Über Umwege gelangte der 1895 geborene Lehrerssohn Bernhard Huys (ausgesprochen: Heus) zur Landschaftsmalerei. Zunächst einmal erlangte er aber am Carolinum in Osnabrück das Abitur und studierte 1913 Zahnmedizin in Münster, bis er sich im Ersten Weltkrieg freiwillig als Soldat meldete. Nachdem er 1917 schwer verwundet von der Westfront zurückkehrte, bewachte er in Schwanewede Kriegsgefangene. "Huys lernte dort Land und Leute kennen und kam ins benachbarte Worpswede", so Börger beim stadtgeschichtlichen Stammtisch: "Worpswede hat ihn fasziniert."

Als Tischler Bilderrahmen gefertigt

Dort lernte er Martha Vogeler, die Ehefrau des Malers Heinrich Vogeler kennen, die ein Café und eine Boutique führte. Huys arbeitete als Sänger, kellnerte in Martha Vogelers Café und half als Verkäufer in ihrer Boutique aus. Nachdem er immer wieder in Worpswede zu Gast war, zu zeichnen begann und den Umgang mit der Radiernadel von Martin Paul Müller erlernte, ging er bei einer Tischlerei in Hoya in die einjährige Lehre. Er heiratete 1931 Maria Gründel, mit der er zwei Kinder hatte, und begann als Tischer Bilderrahmen zu fertigen, die durch seine eigene Technik schon sehr bald Bekanntheit erlangten.

Bilder von Mackensen und Modersohn studiert

"Er studierte bei jeder Rahmung die Bilder von Fritz Mackensen und Otto Modersohn", so Josef Börger. Nebenbei zeichnete und malte er immer mehr, war mit seinen Bildern schließlich in der Worpsweder Kunstschau regelmäßig vertreten.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Huys von der Gestapo verhaftet und wegen "Verächtlichmachung des Führers" im Dezember 1943 ins Hamelner Zuchthaus gesperrt, aus dem er 1945 befreit wurde.

Auf Zuchthaus folgten beste Schaffensjahre

Körperlich zwar schwer gezeichnet, innerlich allerdings gefestigt, begannen die besten Schaffensjahre von Bernhard Huys. Landschaften im Nebel oder im Schnee, aus wenig sanften Farbwerten entwickelt. In den früher 1950er Jahren bekam er ein Grundstück in Worpswede geschenkt, von einer Familie, deren Tochter er einst rettete. Auf dem Grundstück entstand letztlich das Wohnhaus von Bernhard Huys, in dem heute noch immer sein Sohn Till wohnt. Vater Bernhard, der 1973 starb, galt als einer der letzten Maler, die noch auf freiem Feld ihre Staffelei aufbauten, um während des Arbeitsprozesses dem Objekt nah zu sein. "Seine Bilder von Kloster Oesede hängen auch heute noch bei etlichen Familien", so Börger.