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Fachkräftemangel und freibleibende Ausbildungsplätze Wieso das Elektrohandwerk eine niedrigschwellige Ausbildung einführen will

Von Monika Vollmer | 25.07.2019, 13:42 Uhr

it einer zweijährigen Ausbildung zum „Elektromonteur“ hat die Elektro-Innung Osnabrück ein Konzept entwickelt, um einer neuen Zielgruppe den Zugang zu einer Fachausbildung zu eröffnen. Gleichzeitig soll damit dem anhaltenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Die Berufsaussichten sind gut. Der Bedarf an elektrotechnischen Arbeiten steigt kontinuierlich und die Forderung nach besserer Energieeffizienz sowie die fortschreitende Digitalisierung sorgen für volle Auftragsbücher bei Unternehmen des Elektrohandwerks. Und doch steht die aktuelle personelle Entwicklung dem entgegen, denn von Jahr zu Jahr bleiben Stellen frei, immer mehr Auszubildende fehlen.

Gesammelte Erfahrungen

Nach Einschätzung von Klaus Eismann, Geschäftsführer der Firma Osmo-Anlagebau in Georgsmarienhütte, sind die Gründe für den Fachkräftemangel ein gesellschaftliches Problem. „Einerseits ist die Geburtenrate gesunken und damit auch die Zahl der Schulabgänger zurückgegangen. Andererseits ist die Zahl der Abiturienten und die damit verbundene erhöhte Neigung zu studieren, stark angestiegen.“ Während seiner Meinung nach Funktionäre davon „träumen“, diese Abiturienten ins Handwerk zu bringen, hält Eismann dies für eine Utopie. Seit Jahren sieht er die Basis und weiß, wie chancenlos das ist. „Vielleicht ist da mal eine Ringeltaube dabei, doch darauf kann man keine solide Personalpolitik aufbauen“, verweist der Geschäftsführer auf seine gesammelten Erfahrungen.

Problematisch sieht die Innung dabei auch die Erfahrungen von Handwerksbetrieben, die gezeigt haben, dass Hauptschülern insbesondere die theoretischen Inhalte der dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Elektroniker sehr schwerfallen. Angesichts dieser Vorzeichen signalisieren bereits 79 Prozent der Innungsbetriebe in der Stadt und dem Landkreis die Bereitschaft, der aktuellen Schieflage entgegenzutreten.

Zusätzliche Mitarbeiterressourcen

Mit dem Konzept einer neuen zweijährigen Ausbildung zum „Elektromonteur“, eine Ausbildung mit einer entsprechend niedrigeren Zugangsschwelle, wollen sie einer neuen Zielgruppe den Einstieg in eine Fachausbildung eröffnen. Angesprochen werden sollen Jugendliche mit praktischer Neigung aber verlangsamter oder verminderter Lernfähigkeit. Ebenso Berufseinsteiger mit vergleichbarem Handicap, beispielsweise Zuwanderer mit sprachlichen Defiziten. Die Innung erhofft sich, so zusätzliche Mitarbeiterressourcen für das Elektro-Handwerk zu erschließen. Unangetastet bleibt, dass weiterhin alle geeigneten Bewerber für die Elektronikerausbildung einen entsprechenden Ausbildungsplatz erhalten.

Der von einem Kompetenzteam entwickelte Ausbildungsrahmen orientiert sich zwar an den Lerninhalten der Berufsausbildung zum Elektroniker für Energie-und Gebäudetechnik, doch soll die auf Fachpraxis ausgerichtete Ausbildung zum „Elektromonteur“ um Inhalte und Zeit reduzieren werden. Die Ausbildung erlaubt den Jugendlichen die Montage von elektrotechnischen Komponenten, Durchführung elektrischer Anschlüsse nach Vorgaben, Unterstützung bei Inbetriebnahmen oder Instandhaltungen oder die Prüfung bestimmter Schutzmaßnahmen mit menügeführten Geräten. „Das Konzept sieht vor, dass die „Elekromonteure“ nach ihrer Ausbildung die Möglichkeit haben, sich in einer zusätzlichen, eineinhalbjährigen Weiterbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik weiterqualifizieren zu lassen“, bestätigt Eismann. Diese Möglichkeit des Durchstiegs zu einer höheren Qualifikation ist auch der Obermeisterin der Innung, Astrid Herkenhoff, sehr wichtig.

„Viele denken, das Handwerk der Elektro-Innung sei unattraktiv, man sei häufig auf Baustellen. Doch der Beruf ist heute durch die ganzen Datennetzwerke, das Smart Home vielseitiger denn je“, sagt Eismann. Die Innung ringt um die letzten Ausbildungsplätze und signalisiert die Bereitschaft, selbst die neue Ausbildung anzubieten. Doch noch bedarf es der Zustimmung von 16 Landesverbänden, Tarifpartnern und Sozialversicherungen. Das kann noch Jahre dauern. „Diese Zeit zu überstehen wird anstrengend werden, aber wenn man nicht irgendwann einmal damit anfängt, wird das nichts“, gibt sich der Georgsmarienhütter Geschäftsführer optimistisch. Das umfassende Konzept der Osnabrücker Elektro-Innung ist auf der Homepage im Downloadbereich verfügbar unter www.kh-os.de .