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Im Zentrum der Alten Musik Lautenkompositionen der Renaissance bei "Musica Viva"

Von Thomas Hitzemann | 16.09.2019, 16:24 Uhr

Schauplatz des zweiten Abends der renommierten Konzertreihe "Musica Viva" ist die Katholische Kirche in Kloster Oesede. Hopkinson Smith, Meisterlautenist von der Schweizer Schola Cantorum Basiliensis gibt einen Soloabend auf der Renaissance-Laute.

Es dauert ein Weile, bis man sich in die hauchzarte Klanglichkeit eingehört hat, welche durch die alte Kirche schwebt. Italienisches Repertoire macht den Anfang. Im anonymen "Madrigal" aus dem Jahre 1538 hebt Smith einzelne Töne hervor, lässt die Bassnoten würdevoll auf und ab schreiten und arbeitet sich durch das kontrapunktische Geflecht der Mittelstimmen. Ein Saltarello aus Mantua erfreut mit lebhaften Rhythmen.

Francesco da Milanos Fantasia dal primo tono strahlt Ruhe aus. Je nach Platzierung der Anschlagshand klingen die Töne härter oder weicher. Lebhafter wird es wieder beim "Gesang eines Fischers" (Pescatore que va cantando).

Es folgt Lautenmusik der Englischen Renaissance. Diese ist gekennzeichnet von längeren Melodiebögen und häufiger Verdoppelung der Tempi. Smith phrasiert sehr übersichtlich und gestaltet fugierte Abschnitte in feiner Transparenz. Bei John Dowland´s Prelude und der Fantasie auf Themen von Gregorio Huwet bereichert Smith sein Spiel durch Klangfarben, die man von der Laute kaum erwartet hätte. "Lady Clifford´s Spirit" lässt ein Viibrato in der Oberstimme hören. So wird Smith dem besonders als Liedkomponisten hervorgetretenen Dowland doppelt gerecht.

Ausgewogen im Klang

Wie frisch improvisiert wirken die Toccaten von Giovanni Girolamo Kapsberger. Doppelgriffe und rasche Läufe durch den ganzen Tonumfang der Laute beherrschen diese Kompositionen. Smith Anschlagstechnik der rechten Hand tritt dabei in den Vordergrund. Da ist ein enorm lockerer Wechselschlag zwischen Daumen und Zeigefinger, wie auch zwischen Daumen und Mittelfinger zu beobachten, wogegen der Ringfinger nur für Akkorde zum Einsatz kommt.

Eine von drei Zugaben rückt das Instrument Laute in ein ganz neues Licht. Zierlich aber ausgewogen im Klang, spielt Smith die Nummer sechs aus Felix Mendelssohn-Bartholdys "Liedern ohne Worte".

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