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Mehr als 70 Nominierte Jury sucht „Kleinen Alltagshelden“ im mittleren Emsland

Von Matthias Engelken, Matthias Engelken | 09.02.2017, 14:51 Uhr

Die Qual der Wahl hat nun die Jury: Weit mehr als 70 Kinder und Jugendliche sind zur Wahl zum „Kleinen Alltagshelden 2016“ vorgeschlagen worden. Breit gefächert war dabei die Vorschlagsliste mit teils bewegenden Geschichten.

Zum dritten Mal sucht die Meppener Tagespost in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Emsland und den Freiwilligenagenturen und –zentren in ihrem Verbreitungsgebiet nach dem „Kleinen Alltagshelden“. „Erneut haben wir tolle Beispiele ehrenamtlichen Engagements erhalten“, erzählt Martin Schwill von der Freiwilligenagentur Haren. Ausschau halten er und seine Mitstreiter nach Schülern im Alter zwischen 5 und 15 Jahren, die sich im vergangenen Jahr ehrenamtlich engagiert oder in anderer Form positiv für die Mitmenschen eingesetzt haben.

„Dabei lag die Latte sehr hoch“, sagt Sandra Robbe vom Familienzentrum in Twist. So hatte der Vorjahressieger Tom Beckering einen Mitschüler vor einem Unfall bewahrt und ihm das Leben gerettet. „Zwar haben wir in diesem Jahr keinen Lebensretter, aber dafür auch ganz viele tolle Vorschläge bekommen“, sagt Robbe. Vor allem Nominierungen zu jungen Menschen, die über einen längeren Zeitraum anderen Menschen halfen, haben sie beeindruckt.

Hilfe in der Schule und außerhalb

So etwa die zehnjährige Lisa Adeli. Die Schülerin der Hasebrinkschule in Meppen kommt aus einer Familie mit verschiedenen Nationalitäten, weshalb sie neben Deutsch gut Persisch, Englisch und ein wenig Niederländisch spricht. Als im Frühjahr 2016 ein afghanisches Kind ohne Deutschkenntnisse in die Klasse kam, unterstützte Lisa den Jungen uneigennützig, bereitwillig und ausdauernd sowohl sprachlich als auch bei der Integration in die Klassengemeinschaft. Bis zum heutigen Tag hilft sie bei Übersetzungen, aber auch bei außerschulischen Aktivitäten.

Ähnlich Avesta Soro, Schülerin der Klasse 3b der Ludgerischule in Groß Hesepe. Sowohl beim Übersetzen als auch bei anderen Fragen hat sie jederzeit bereitwillig geholfen. „Ohne sie“, heißt es in der Nominierungsbegründung der Schulleiterin Melanie Burchert, „hätten wir viele organisatorische Fragen der Flüchtlingsfamilien nicht bearbeiten können.“

Unermüdlicher Einsatz

Aus Twist kommt Leonie Fischer. Die 14-jährige wurde für ihr beständiges Engagement vorgeschlagen. So ist sie Messdienerin, Sternsingerin, Kirchenzettelverteilerin, war Mitglied im Kirchenchor, nebenher ist sie Jugendsprecherin beim SC Twist und ebenso Trainerin der jüngeren Wettkampfschwimmer.

Im Rahmen der Aktion „Kleine Alltagshelden“ wurden aus Haren unter anderem Julia Reisner und Jan-Florian Hankofer von der Martinus-Oberschule Haren vorgeschlagen. Die beiden Schüler der neunten und zehnten Klasse stehen stellvertretend für etwa 50 Schüler des Profils Gesundheit und Soziales der Jahrgangsstufen 9 und 10. In regelmäßigen Abständen betätigen sie sich bei Veranstaltungen des Initiativkreises für Behindertenarbeit und unterstützen diesen in der Betreuung und Bewirtung der Menschen mit Behinderung. „Die Vorgeschlagenen zeichnen sich durch unermüdliche Beteiligung an unterschiedlichen Aktionen aus und stellen dabei ihre eigenen persönlichen Interessen hintenan“, begründet Lehrerin Maria Feldker ihren Vorschlag.

Ein Buch zum Trost

Ebenso genannt ist eine Gruppe von Schülern der Grundschule Marienschule in Meppen-Esterfeld. Die Mitglieder der Nachmittags-AG „Honig im Kopf“ besuchen im Zwei-Wochen-Takt den benachbarten Wohnpark Esterfeld für eine Stunde, spielen dort mit Bewohnern Spiele, lesen Geschichten vor, singen Lieder oder lassen die Senioren einfach erzählen. Durch den Umgang mit den Bewohnern haben die Schüler einen natürlichen und freien Umgang mit dem Thema Demenz entwickelt, „der von allen Begleitpersonen nur bewundert und mit Respekt beobachtet werden kann“, heißt es in der Begründung von Lehrerin Kira Bolmer.

Besonders heraus stach bei den vielen weiteren Nominierungen einzelner Schüler und Gruppen auch eine Clique, die ihrer Freundin nach einem tödlichen Unglücksfall in der Familie zum Trost ein Büchlein anfertigten, in dem die Klassenkameraden ein paar persönliche Worte hinein schrieben, ganze Texte verfassten, aber auch Bilder, tröstende Sprüche und viele sehr persönliche Gedanken eintrugen.

Gewonnen haben viele

Ebenso wurde die Geesterin Sophie Lingers nominiert. Die 15-jährige Schülerin hatte im vergangenen Jahr von einer Haarspendenaktion gelesen. Über www.haar-spenden.de informierte sie sich, ließ ihre ehemals langen Haare abschneiden und spendete sie. Daraus wurde im Anschluss eine Perücke erstellt, die kostenlos beispielsweise an an Krebs erkrankte Menschen geht.

Wie geht es nun weiter? Derzeit ermittelt die Jury den Sieger des Wettbewerbs. Alle Nominierten werden dann zur Verkündung eingeladen. Klar ist schon jetzt: „Gewonnen haben ganz viele Menschen, denn noch viel Menschen profitierten von unseren vielen kleinen Alltagshelden hier“, sagt Martin Schwill.