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Ausstellung im Moormuseum Wie das Emsland einst vermessen wurde

Von Tobias Böckermann | 21.07.2014, 18:30 Uhr

Mit dem Start einer aufwendigen Ausstellung hat das Emsland Moormuseum eine Forschungsarbeit zur Vermessung des Emslandes abgeschlossen. Sie hatte vor 130 Jahren eine der wichtigsten Grundlagen für die spätere Erschließung der bis dahin weitgehend unbekannten Region gelegt.

Die Ausstellung „Pläne von solcher Accuratesse als noch keine vorhanden sind“ fasst die Ergebnisse einer dreijährigen Forschungsarbeit zusammen, die sich mit der Geschichte der Landvermessung im 19. Jahrhundert speziell im Emsland beschäftigt. Anlass für die Arbeit war ein 2008 überraschend gescheitertes Projekt , das auf dem Windberg in Werpeloh einen Lernstandort zur Vermessung des Emslandes entstehen lassen sollte. Dort steht bis heute einer der letzten historischen Vermessungstürme, und dort befindet sich einer deutschlandweit wichtigsten Vermessungspunkte überhaupt.

Der Windberg hatte sich vor 150 Jahren als höchste Erhebung weit und breit als Vermessungspunkt angeboten, denn, das macht die Ausstellung deutlich, Landvermessung im 19. Jahrhundert war schwierig, schweißtreibend, in Teilen zerstörerisch und immer auf Erhebungen angewiesen. Denn nur von Hochpunkten aus konnte man Messdistanzen von bis zu 50 Kilometern überwinden. Satelliten-Technik, daran sei erinnert, gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Die kartografischen Grundlagen wurden damals sämtlich zu Fuß erarbeitet.

Und so haben sich damals Messtrupps von bis zu 90 Personen durch das Emsland gekämpft, um vor allem die sogenannte Meppener Basis zu vermessen, eine 35 Kilometer lange gerade Verbindung, die auf der heutigen Wehrtechnischen Dienststelle liegt und zum Teil noch heute als Schneise erkennbar ist.

Die Meppener Basis war eine von nur fünf Basismessungen im damaligen deutschen Reich und damit als Grundlage für alle weiteren Berechnungen besonders wichtig. Sieben Kilometer wurden damals millimetergenau vermessen und dann die Ergebnisse hochgerechnet. Mit moderneren Methoden stellte man 1962 fest, dass sich die Kartografen damals nur um maximal 28 Millimeter vermessen hatten.

Gauß war nie im Emsland

Wie genau die Vermessung funktionierte, warum man den Kirchturm in Groß Hesepe und den Windberg dafür benötigte und wie man auf große Distanzen überhaupt zu einem genauen Ergebnis kommt, das berichtet die Ausstellung mit zum Teil sehr seltenen Exponaten. Sie legt einen sehenswerten Schwerpunkt auf die Geschichte der Region und erklärt, wie man mithilfe der Triangulation, also der Berechnung von Dreiecken, ein ganzes Land vermessen konnte sobald man eine Basisseite genau kannte.

Bei der Ausstellungseröffnung würdigte Erster Kreisrat Martin Gerenkamp die geleistete Forschungsarbeit und betonte, ein spannender Themenkomplex sei nun nicht nur um die emsländischen Aspekte reicher. Das Moormuseum mit den in dieser Arbeit federführenden Wissenschaftlern Menno Dirks, Agnes Kaltenecker, Ansgar Becker und Michael Haverkamp sei seinem Ruf als Forschungsstandort wieder gerecht geworden.

Einen kurzweiligen Einführungsvortrag hielt Manfred Bottmeyer. Er war jahrelang beim Katasteramt Meppen beschäftigt, bevor er vor wenigen Jahren nach Nordrhein-Westfalen wechselte. Bottmeyer hatte sich mit der Vermessung des Emslandes beschäftigt und erläuterte unter anderem, wie der berühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauß im 19. Jahrhundert Teile des heutigen Niedersachsens vermessen hatte und dass er, entgegen einer landläufigen Auffassung, das Emsland nicht selbst vermessen habe. Das sei sein Sohn Josef gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts sei dann Oberstleutnant Oscar Schreiber wichtigster Vermesser des Emslandes gewesen.

Die Ausstellung ist noch bis November im Moormuseum zu sehen. Ein Katalog ist erschienen. Forschung und Ausstellung kosteten insgesamt 86000 Euro, von denen der Landkreis 50000 übernahm. Weitere Geldgeber waren die Naturschutzstiftung des Landkreises, Bingo Umweltstiftung, die Sparkassen-Stiftung und die Emsländische Landschaft.