Stegemann und Toepffer bei Klasmann-Deilmann Forschungsgelder für alternativen Nährboden

Von Konstantin Stumpe


Geeste. Zu Gast bei der Firma Klasmann-Deilmann in Geeste ist nun eine Delegation der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag sowie der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann gewesen. Moritz Böcking, Geschäftsführer von Klasmann-Deilmann stellte das Unternehmen vor und ging dabei auf den Wandel ein, dem das Unternehmen aufgrund der schwindenden Torfbestände bevorsteht.

Noch etwa 10 bis 15 Jahre sei der Torfabbau in der Region möglich. „Grund dafür sind die bestehenden Abbaugenehmigungen“, erklärt Geschäftsführer Moritz Böcking auf Nachfrage unserer Redaktion. Zunehmend setzt Klasmann-Deilmann daher für die Produktion seines Nährbodens auf Torfimporte aus dem Baltikum. Derzeit verwendet das Unternehmen noch zu etwa 40 Prozent Torf aus Deutschland. 60 Prozent seien Importe aus Ländern wie Litauen oder Irland. Die Grenze verschiebe sich aber immer weiter.

Neubau

Bewusst habe man sich dennoch dazu entschlossen, den Standort in Geeste mit einem Neubau als Hauptsitz des Unternehmens zu festigen. An diesem Standort wolle man Technik und Know-how vereinen, um den Nährboden durch Innovationen und alternative Rohstoffe weiterzuentwickeln. Ende Dezember will Klasmann-Deilmann den Einzug ins neue Gebäude feiern.

„Uns bleibt nichts anderes als umzubauen“, sagte Böcking. Derzeit bestünde der Nährboden aus 6,8 Prozent alternativen Rohstoffen. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, den Wert bis 2020 auf 15 Prozent auszubauen.“ Klasmann-Deilmann forciere daher den Einsatz von Alternativen und forsche mit Hochdruck nach neuen Rohstoffen. Die Schwierigkeit dabei: Das Produkt muss Wurzeln Halt geben, Wasser speichern und Luft aufnehmen. Gleichzeitig darf es nicht nährstoffreich sein, denn Dünger müsse gesondert hinzugefügt werden, um Pflanzen optimale Wachstumsbedingen zu bieten.

Silicon-Valley der Agrarwirtschaft

Auf Nachfrage des Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann erläuterte Böcking: „Torf vereint alle diese notwendigen Eigenschaften. Kompost und Holzfasern sind eine geeignete Ergänzung.“ Natürlich haben wir auch geprüft, inwieweit Stoffe wie beispielsweise Tier-Gülle für die Düngung geeignet ist. Für die Kultur von Pflanzen im professionellen Gartenbau werden jedoch unter anderem sehr homogene Stoffe benötigt.“ Diese gleichbleibende Qualität könne Gülle nicht bieten und habe daher bis dato im Gartenbau kein Einsatzgebiet gefunden. „Da lassen sich im Bundestag sicher Forschungsgelder locker machen. Wir sind hier im Silicon-Valley der Agrarwirtschaft. Der Überschuss an Nährstoffen muss von hier aus nach ganz Deutschland verteilt werden“, hielt Stegemann fest.

Zielführendes Ergebnis

Zu dem von Albert Stegemann angeregten Forschungsprojekt werde es jedoch laut Dirk Röse, Pressesprecher bei Klasmann-Deilmann, jedoch nicht kommen. In Rücksprache mit der Forschungsabteilung habe man klären können, dass es auf absehbare Zeit keinen Sinn mache, da entsprechende Projekte in der Vergangenheit kein zielführendes Ergebnis ergeben hätten.

Wichtig sei aber auch, das Image des Produktes Torf aufzuwerten. „Wenn man in der Großstadt Hannover in den Baumarkt geht und einen Sack Torf kauft, wird man schief angeschaut“, führte Dirk Toepffer, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag aus. Dort verstehe man Torf als fossilen Rohstoff, den sich die Menschen von der Natur rauben. Ähnlich sieht es Moritz Böcking. „Viele Wissen nicht, dass unsere Torf-Produkte zu 43 Prozent an die Ernährungswirtschaft gehen. Sie sind Nährboden für Salate und anderes Gemüse, dass wir im Supermarkt kaufen. Das Image unserer Produkte muss besser werden.“