Verein spart durch Erdwärme Die Dorfscheune Varloh ist ein Modellprojekt


Geeste. Ein Modellprojekt für die Erdwärmenutzung ist seit zehn Jahren die Dorfscheune in Varloh. Anfangs umstritten hat sich die Technik mittlerweile bewährt, sagt der Vorsitzende des Dorfscheunen- und Fährvereins Varloh, Reinhold Temmen.

2005 hatte sich der Verein gegründet um einen Dorftreffpunkt und eine Fährverbindung über die Ems nach Groß Hesepe zu schaffen. Im folgenden Jahr wurde die Dorfscheune gebaut, sie erhielt eine Erdwärmeheizung, die Kollektoren liegen unter dem Bolzplatz neben dem Gebäude. Die Anlage soll Anschauungsobjekt für Bauwillige sein. Dazu werden die Temperatur- und Kostendaten aufgezeichnet und auf Anfrage Interessierten zur Verfügung zur Verfügung gestellt.

Das Gebäude ist etwa so groß wie ein Einfamilienhaus, verfügt über eine Nutzfläche von 177 Quadratmetern, davon 107 im Erdgeschoss. Die Gesamtkosten betrugen 195.000 Euro. 50.000 Euro stellte das Land Niedersachsen zur Verfügung, der Landkreis Emsland 15.000 Euro. Mehr als 1500 Stunden Eigenleistung brachten die Varloher ein, denn hier gibt es Handwerker aus vielen Berufen.

Temmen ist froh, dass sich der Verein seinerzeit für die ungewohnte Technik entschieden hat. Über Wärmetauscher wird die Temperaturdifferenz zwischen dem Boden und der Umgebungsluft ausgenutzt. Der dafür benötigte Strom wird steuerlich begünstigt. So zahlt der Verein rund 550 Euro pro Jahr für angenehme Temperaturen im Dorfgemeinschaftshaus. Lichtstrom wird über einen zweiten Zähler abgerechnet, erklärt der Vereinsvorsitzende. So machen sich die höheren Anschaffungskosten für die Anlage im Vergleich zu herkömmlichen Gasheizungen bezahlt.

Eine Erdgasheizung wäre 2006 keine Alternative gewesen. Denn Varloh ist erst vor zwei Jahren an das Netz angeschlossen worden. Man hätte mit Holz, Flüssiggas oder Öl heizen müssen. 2007 erhielt der Verein den RWE-Klimaschutzpreis der Gemeinde Geeste wegen der umweltfreundlichen Erdwärmenutzung.

Der Verein finanziert das Haus über Mitgliedsbeiträge, pflegt und verbessert das Umfeld hauptsächlich in Eigenleistung. So wurde 2010 das Umfeld neu gestaltet. 2011 entstand ein Pavillon unter Beteiligung von Auszubildenden der Berufsbildenden Schulen Meppen. Maurer, Zimmerer und Dachdecker durften ihm Rahmen ihrer Abschlussprüfung etwas Bleibendes errichten. Das war dem Land Niedersachsen eine Materialkostenzuschuss in Höhe von 12.570 Euro wert. Gleichzeitig ist der Spielplatz erweitert worden. Für die Pflanzung einer Buchenhecke und das Anlegen einer Wildblumenwiese mit unterschiedlichen Gräsern, Stauden und Obstbäumen erhielt der Verein 2012 erneut den RWE-Klimaschutzpreis der Gemeinde Geeste. Denn diese Gemeinschaftsaktion stelle einen wichtigen Beitrag für die Vogelvielfalt und den Naturschutz dar, lobten die Juroren. Zudem habe der Verein mit seiner Aktion „Sauberes Varloh“ einen wichtigen Beitrag geleistet.

Die Fährverbindung nach Groß Hesepe existiert noch nicht. Aber ein Boot mit einem Fährmann vor dem Eingang der Dorfscheune erinnert stets an das Projekt, für das noch eine Finanzierung aussteht.


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