Drei Frauen mit Handicaps Besondere Wohngemeinschaft in Meppen ergänzt sich gut

Von Ann-Christin Fischer

Meine Nachrichten

Um das Thema Geeste Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Twist/Meppen. Drei junge Frauen mit Handicap, drei einzelne Wohnungen und ein Stockwerk: Wie Liza Schmitz (25 Jahre), Meike Hartmann (29) und Franziska Schmitz (31) Tür an Tür in einer WG in Meppen zusammenleben.

Vor 16 Jahren machte es Klick. Während einer Kur in Bayern lernen sich Meike Hartmann und Franziska Schmitz kennen. Schon in der zweiten Nacht schlafen sie in einem Zimmer und auch nach sechs Wochen Krankengymnastik, Schwimmkursen und Gesprächsrunden zerbricht die Freundschaft zwischen den jungen Teenagern nicht. Jahrelang telefonieren sie jeden Sonntag stundenlang. Besuchen sich gegenseitig in den Schulferien. Und das, obwohl zwischen ihren Wohnorten Twist und Düppenweiler (Saarland) knapp 500 Kilometer liegen und beide verschiedene Probleme mit sich tragen.

Meike Hartmann hat seit ihrer Geburt Epilepsie, einen Tunnelblick verbunden mit Gleichgewichtsschwankungen und eine rechtsseitige Spastik. Franziska Schmitz leidet unter Cerebelläre Ataxie, einer Störung der Koordination von Bewegungsabläufen. Genau wie ihre Schwester Liza Schmitz. „Als Kleinkinder waren beide noch gesund“, erinnert sich ihre Mutter Doris Schmitz und erzählt: „In einem Jahr konnten sie noch Seilspringen, im nächsten Jahr nicht mehr.“

Handicap verbindet

Die körperlichen Einschränkungen verbinden die Geschwister Schmitz und Meike Hartmann. Gegenseitig bauen sie sich auf, ermutigen einander und entwickeln eine einzigartige Freundschaft. Und sie fassen einen Entschluss: Irgendwann ziehen wir zusammen. Aus dem Konstrukt Hartmann-Schmitz wird mit den Jahren eine Hartmann-Schmitz-Schmitz- Konstellation. „Erst lauschte Liza immer nur an der Tür, aber mit den Jahren wurde es immer mehr und jetzt gibt es uns nur noch im Dreierpack“, betont Hartmann.

Heute sitzen die jungen Frauen zusammen in Franziskas Wohnung - links daneben hat sich ihre Schwester eine pinke Prinzessinen-Wohnung eingerichtet und rechts daneben ist Hartmanns Reich. Sie arbeiten zusammen im Vitus-Werk und verbringen vor und nach der Arbeit jede Stunde miteinander. „Das ist das Beste, was uns passieren konnte. Manchmal hatte ich Gedanken, ob es zwischen uns mal knallen könnte, aber nein. Wir gehören zusammen und sind ein eingespieltes Team“, sagt Franziska. Dass die beiden Schwestern und ihre langjährige Freundin tatsächlich behindertengerechte Wohnungen finden, die auch noch alle im gleichen Stockwerk liegen, ist ein Glücksfall.

Einzug im vergangenen Jahr

2015 ließen die Bauherren Frank und Andreas Brüning an der Fullener Straße in Meppen ein Wohnhaus bauen, in dem Menschen mit Handicap und einer Betreuung unterkommen sollten. Ute Hartmann, die Mutter von Meike Hartmann, stellte ein Wohnungsgesuch online, Brüning meldete sich und nach ein paar Monaten stand fest, dass die Truppe zusammenziehen kann.

Ihr Alltag ist so normal wie besonders. Weil Liza Schmitz noch am meisten Feinmotorik besitzt, pellt sie die Eier für ihre Freundinnen, schält Kartoffeln, macht den Abwasch und schmiert die Mettbrötchen. Meike Hartmann bringt den Müll hinunter, macht Fenster auf und hebt etwas auf, wenn die Schwestern etwas fallen gelassen haben. Franziska Schmitz hilft ihrer Schwester beim Schuhe binden, hält Türen auf - oder deckt den Tisch. „Sie sind ein eingespieltes Team“, weiß Ute Hartman und hat einen schönen Vergleich parat: „Die drei sind wie ein geflochtener Zopf. Man braucht drei Stränge, die man nicht trennen kann.“

Starker Zusammenhalt

Dieser Zopf hält auch zusammen, wenn Passanten sie anstarren und kleine Kinder ihre Eltern fragen, warum „die Tante“ im Rollstuhl sitzt.

„Es ist schrecklich. Ich wünsche mir, dass irgendwann die Leute aufhören, uns anzustarren. Wenn Kinder ihre Eltern fragen und die Eltern sie wegschieben und nicht antworten, ist das manchmal wie ein Schlag ins Gesicht“, gibt Meike Hartmann zu Bedenken und ihre Freundinnen stimmen zu. Die Geschwister sind sich einig und appellieren: „Sprechen statt starren. Fragt uns doch einfach, was wir haben.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN