Ohrmarken gegen Trittbrettfahrer Verein will Bentheimer Schweine vom Aussterben bewahren


Geeste. Der Zuchttierbestand des vom Aussterben bedrohten Bunten Bentheimer Schweines ist weiter angestiegen. Um Trittbrettfahrern das Leben schwerer zu machen, hat der Verein zur Erhaltung der alten Schweinerasse nun neue Ohrmarken ausgegeben. Ein Besuch beim Sommerfest des Vereins im Emsland Moormuseum.

Mehr als 50 Mitglieder des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines sind an diesem Nachmittag ins Moormuseum in Geeste gekommen, unter ihnen auch der Retter der Rasse, Gerhard Schulte-Bernd aus der Grafschaft Wengsel. Wenn es um seine Swatbunten geht, ist der Senior dabei, schon in den 1950er Jahren war er von seiner Rasse überzeugt, hielt später als einziger Züchter überhaupt an ihnen fest und rettete damit die Bentheimer Schweine vor dem Aussterben.

Nur 27 Tiere hatten in seinem Stall überlebt – sie waren der Ausgangspunkt für einen stetigen Aufschwung. Aktuell gibt es genau 550 Zuchttiere in Deutschland – 104 Eber und 446 Sauen, die meisten davon in Niedersachsen. In den Niederlanden gibt es weitere mehrere Hundert Tiere.

Vor 25 Jahren waren es nur 91, ein Erfolg also, der inzwischen auch Nachahmer anzieht. Weil die Mast von Bentheimer Schweinen beschwerlich ist und sie nicht in normale Ställe passen, weil gleichzeitig aber für ihr delikates Fleisch höhere Preise zu erzielen sind, wird manchmal auch Fleisch von „Normalschweinen“ als Bentheimer Schwein in den Handel gebracht.

Deshalb prangen der Schriftzug „Bunte Bentheimer“ und ein stilisiertes Schwein auf den neuen gelben Ohrmarken, die seit Jahresbeginn an alle Herdbuchzüchter ausgegeben wurden. Für den Vorsitzenden des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines, Hubert Wahoff aus dem emsländischen Andervenne, ist das mehr als nur Marketing: „Wir geben unsere Ohrmarken nur an unsere Züchter aus und gewährleisten damit, dass Schlachttiere mit diesen Ohrmarken auch echte Bentheimer Schweine sind“, sagt Wahoff. Der Verein führt das bundesweite Zuchtbuch für die Swatbunten, wer hier nicht verzeichnet ist, kann nicht reinrassig züchten.

Von der Qualität des Fleisches sind die Züchter des Bentheimer Schweines ohnehin überzeugt. Es ist aber zudem Mitglied in der Slow Food Arche des Guten Geschmacks und das Land Niedersachsen hat die luftgetrocknete Mettwurst des Grafschafter Genusskontors aus Samern als „Kulinarischen Botschafter Niedersachsens 2015“ ausgezeichnet.


Das Bunte Bentheimer Schwein ist im 19. Jahrhundert etwa ab 1860 durch die Kreuzung von heimischen Landschlägen mit leistungsfähigen englischen Rassen entstanden. Sein Ursprungsgebiet liegt hauptsächlich in der Grafschaft Bentheim und in Cloppenburg, aber auch das angrenzende Nordrhein-Westfalen und das Emsland spielten in der wechselvollen Geschichte der Rasse später entscheidende Rollen. Die „Swatbunten“ hat man zum einen wegen ihrer Färbung, zum anderen wegen positiver Eigenschaften wie Genügsamkeit, hoher Fruchtbarkeit und gesunden Ferkeln geschätzt. Nach 1960 brach der Bestand zusammen, weil der Verbraucher nur noch Magerfleisch kaufen wollte und will. Über die Geschichte des Schweines ist Ende 2014 ein Buch erschienen, dessen erste Auflage fast vergriffen ist.

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