Bäuerinnenstammtisch beim Planspiel Die Idylle auf dem Lande in Dalum ist Einstellungssache

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Die Bäuerinnen suchten die Landidylle. Foto: privatDie Bäuerinnen suchten die Landidylle. Foto: privat

pm Geeste. „Achtung! Heute Morgen wurde bei der Polizeistelle Dalum eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Vermisst wird: die Idylle! Sie hält sich nicht mehr im gewohnten Lebensumfeld, der ländlichen Region, auf.“ Mit diesen Sätzen hat Andreas Brinker, Bildungsreferent der Landvolkhochschule Oesede, die Gäste des Bäuerinnenstammtisches in Dalum zum Planspiel eingeladen.

In Gruppenarbeit wurden Steckbriefe mit Phantombildern erstellt unter dem Motto: Wer ist eigentlich diese Idylle? Alte Fachwerkhäuser, weidende Kühe, spielende Kinder, Großmütter, die Kartoffeln schälen, und ein blauer Himmel mit strahlender Sonne waren das landlustverdächtige Ergebnis.

Wie es in einer Pressemitteilung heißt, befragte „Kommissar“ Brinker im Rollenspiel verdächtige Personen, z. B. die Dorfbewohnerin oder die Journalistin. Doch alle, bis auf wenige Bäuerinnen, behaupteten, dass die Idylle bereits seit Jahren spurlos verschwunden sei und niemand wisse, warum!

Um die Schuldfrage zu klären, sollte die Soko Landwirtschaft mögliche Hintergründe entschlüsseln. Wer könnte maßgeblich am Verschwinden der Idylle beteiligt gewesen sein? Wer hätte ein Motiv? Politiker, die z. B. die Biogasbranche gefördert hätten, ohne Folgen wie überhöhte Pachtpreise und Vermaisung zu bedenken, seien schuldig, war sich die Soko einig. Selbst die Kirche bereichere sich an hohen Pachtpreisen.

Aber auch Urlauber, die geteerte Radwege und piekfeine Hotels beanspruchten, hätten das Verschwinden verursacht. Mit seiner „Geiz-ist-geil-Mentalität“ zwinge der Verbraucher die Bauern zu größeren Produktionseinheiten, weg von Weidehaltung und Gemischtbetrieben. Auch schwarze Schafe unter den Landwirten selbst und deren Vertragspartner seien schuld, wenn sie Profitgier über Tierwohl stellten.

Einig war sich die Soko in puncto Presse. Häufig müssten hier die Agrarbetriebe als Sündenböcke herhalten. Skandalträchtig würde die Massentierhaltung verteufelt. Durch Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ würden Vorurteile bewusst geschürt. Zwischenergebnis für Kommissar Brinker: „Wir haben es nicht mit einem Einzeltäter, sondern mit einer ganzen Bande zu tun!“

Bei einer kritischen Durchleuchtung des Phantombildes stellten die Frauen fest, dass die ländliche Idylle ein Doppelleben geführt habe. Früher sei es keineswegs besser gewesen! Bemängelt wurde die fehlende Hygiene auf den Höfen, wenn z. B. die Milch vor dem Abtransport zur Molkerei ungekühlt gestanden und lediglich grob durchgesiebt wurde. Die Tierhaltung auf Stroh hätte schwere körperliche Arbeit zur Folge gehabt. Da das Vorstrafenregister der Landidylle endlos lang zu sein schien, waren sich am Ende alle einig: Hier und Heute ist die Idylle anwesend, wenn wir selbst mit Freude und Genuss auf unseren Höfen und in unseren Dörfern leben und das auch zeigen!


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