„Wir hatten nichts, aber uns“ Geeste: Seit 65 Jahren sind die Hellers verheiratet

Von Ina Wemhöner


Geeste. Die schönsten Erinnerungen sammelt man immer zu zweit – so steht es auch auf der Einladung von Agnes und Bernd Heller zu ihrer Eisernen Hochzeit. Nach 65 Ehejahren wissen die beiden aber, dass es auch harte Zeiten gibt, die man gemeinsam übersteht und das schweißte die beiden Klein Heseper fest zusammen.

An seinen Hochzeitstag heute (10. November) vor genau 65 Jahren erinnert sich Bernd Heller noch ganz genau. „Es regnete morgens, als wir auf dem Weg zur Kirche mit der Kutsche unterwegs waren. Die Blumen hingen mit ihren Köpfen schon nach unten“, erzählt der 94-Jährige. Dies sollte aber kein schlechtes Omen für die Ehe der beiden sein , wie sich herausstellte.

Das Ja-Wort gaben sich die beiden 1949 in der St. Nikolaus Kirche in Groß Hesepe im engen Familienkreis . „Später am Tag kam dann doch noch die Sonne raus“, erinnert sich die 89-Jährige. „Ich war so nervös, aber habe mich total wohlgefühlt in meinem weißen Kleid mit dem Schleier bis zum Boden, obwohl es gar nicht mir gehörte“. Das Kleid war von ihrer Schwägerin geliehen und Bernd Heller hatte sich den Anzug von einem Nachbarn für diesen besonderen Tag geliehen. „Es waren die Nachkriegsjahre und wir hatten zu der Zeit ja nichts − aber wir hatten uns“, so der gebürtige Osterbrocker.

Als einen besonders schönen und magischen Moment bezeichnen die beiden auch ihr Kennenlernen. „Ich war damals 24 und mit einer Freundin auf einer Tanzfeier in Rühle im Gasthaus Kock. Sie war es auch, die uns vorstellte und es war sofort Sympathie da“, erzählt Agnes Heller.

Der damalige 28-jährige Bernd Heller war zu der Zeit gerade erst aus der Gefangenschaft aus Russland gekommen und hatte nach vier Jahren Gefangenschaft mit der großen Liebe bei seiner Rückkehr in die Heimat am Wenigsten gerechnet. „Ich musste mir für den Tanzabend erst mal Ausgehkleidung besorgen. Mit einem geliehenen Fahrrad bin ich dann zur Tauschzentrale nach Meppen Domhof gefahren“, erinnert er sich.

Ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung hielt Bernd Heller dann um die Hand von Agnes an. Sie wohnten gemeinsam mit ihren Eltern in dem Haus in der Feldstraße in Klein Hesepe, wo sie auch heute noch mit ihrer Tochter und ihrer Familie leben. „Es waren am Anfang unserer Ehe harte Zeiten. Ich musste meine Eltern pflegen, die drei Kinder versorgen, und hab zusätzlich im Moor gearbeitet und dann bei Coppenrath in Geeste“, erzählt Agnes Heller. Auch die zwei Schweine zu versorgen und den Gemüsegarten zu ernten, war Aufgabe der jungen Mutter.

„Diese schweren Zeiten haben uns aber zusammengeschweißt. Man muss einfach durchhalten“, weiß die Mutter und Großmutter von vier Enkeln.

Neben der harten Arbeit als Maurer gab es für Bernd Heller eine Leidenschaft, die er nach der getanen Arbeit im Keller ausübte. Auf Holzplatten brennt der 94-Jährige bis heute Sprüche und Gedichte über Hoffnung, Liebe und Vertrauen ein. „Ein ruhiges Händchen hatte ich schon immer“, erzählt der gelernte Maurer. Auch als Schütze macht sich dieses Händchen gut: Zweimal wurde er bei den Schützen schon zum König gekürt. „Damals gab es hier gar kein Schützenverein. Den Schützenverein Sankt Nikolaus Klein Hesepe haben wir erst zusammen 1980 gegründet“, sagt er.

Auch noch heute sind die Hellers bei den Feiern der Schützen immer mit dabei. „Das Einzige, was sich geändert hat, wir sind jetzt nicht mehr die Letzten, die das Schützenfest verlassen“, witzelt Agnes Heller, die in wenigen Wochen ihren 90. Geburtstag feiert.

Klein Hesepe ist für das eiserne Paar ein Ort zum Wohlfühlen seit über 65 Jahren. „Wir waren in unserer gemeinsamen Ehe nie im Urlaub, nur einmal zur Kur in Bad Nenndorf. Aber danach wollten wir schnell wieder nach Hause. Sich bedienen lassen und Wellness ist nicht mein Ding und Zuhause ist es immer noch am Schönsten“, freut sich Agnes Heller.

Am Samstag, 15. November feiert das Ehepaar Heller dann auch mit Familie, Freunden und Nachbarn in ihrer Heimatstadt die Eiserne Hochzeit in der Gaststätte „Zur Fähre“, nachdem sie zuvor in der St. Nikolaus-Kirche ihr Traugelübde erneuert haben.