Glauben an Menschen nicht vergessen Darbietung des Aktionskreises Pater Beda in Geeste

Von Heiner Harnack


Geeste. Die Fußball-WM hat Brasilien für vier Wochen zum sportlichen Mittelpunkt der Welt gemacht, und Deutschland gewann den Pokal. Die TV-Teams sind längst abgezogen und Millionen von Brasilianern leben weiter ohne Schulbildung, mit Korruption, Gewalt und in Armut. Der Aktionskreis Pater Beda hatte zu einer Aufführung der ungewöhnlichen Art in das Wohn- und Pflegezentrum „Am Park“ in Geeste-Dalum eingeladen.

Der Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeitkam mit acht jungen pastoralen Mitarbeitern, gekleidet in an die WM erinnernden Trainingsanzügen und dem Franziskaner-Pater Wellington mit einer Gitarre auf die Bühne. Wellington trug den für den Franziskaner-Orden typischen braunen Habit mit weißer Kordel und zeigte sich im Lauf des Nachmittags zusammen mit seinen Begleitern als wahrer Verwandlungskünstler.

Ungefähr ein Jahr lang hatte sich die Truppe aus Campo Formoso, gelegen im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia, auf ihre vierwöchige Reise durch den Nordwesten Deutschlands vorbereitet. Bei ihren Auftritten, so der Dalumer Organisator Ulrich Wallura, gehe es nicht nur darum, neue Spenden zu sammeln, man wolle einfach auch „Obrigado“, das portugiesische Wort für „Danke“, dafür sagen, dass die Menschen in Deutschland über viele Jahre den Aktionskreis unterstützt hätten.

Vor allem die Altpapier- und Kleidersammlungen, Spenden und öffentliche wie kirchliche Zuschüsse machten die Bewegung möglich. Diese unterstütze unter anderem Straßenkinderprojekte, Kleinbauerngenossenschaften oder auch Menschrechtsorganisationen.

In einem bewegenden Rollenspiel erinnerten die vier Frauen und vier Männer im ersten Bild an die fehlende Bildung für junge Menschen. Auch das Thema Gesundheit nahm einen breiten Raum ein. Kranke können sich medizinische Versorgung in dem Land, das rund 24-mal so groß ist wie Deutschland, nur gegen entsprechende Barzahlung leisten oder werden einfach abgewiesen.

Im dritten Bild wurde an eine fast schon an die Drogenmafia verlorene junge Generation erinnert. Es folgten die Themen Korruption, Gewalt und Armut, die von den Laiendarstellern so eindrücklich dargestellt wurden, dass man fast die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können.

Moderator Udo Lohoff erinnerte mit seinen deutschen Übersetzungen immer wieder daran, dass vor Wahlen viel versprochen werde, der erwachende Gigant Brasilien aber nach wie vor nicht in der Lage sei, Millionen von Hilfsbedürftigen Wohnungen zu geben, in die es nicht hineinregne oder in denen wenigstens die simpelsten Hygienestandards eingehalten würden. Auch die Vernichtung der indianischen Ureinwohner werde kaum thematisiert und Unterstützung für einkommensschwache Familien komme hauptsächlich in Wahlkampfreden vor.

Ein besonders erschütterndes Bild war die Darstellung der Ermordung einer Tochter und das Trauern der Mutter. Gewalt gegen Frauen ist auch in Brasilien ein großes Tabuthema und wird sogar durch Repressionen des Staates kaum in die Öffentlichkeit getragen. Frauen hätten noch zu oft einfach nur zu gehorchen, und das trotz einer Präsidentin Dilma Rousseff im höchsten Staatsamt. Selbst der tot geglaubte Sklavenhandel sei immer noch ein gut gehendes Geschäftsmodell in dem riesigen Land.

Sozialprojekte im Fokus

Heute, so Lohoff, gelinge es aber immer mehr, Sozialprojekte in den Fokus der Medien zu bringen. So sei auch der Erzbischof von Recife mit Tausenden auf die Straße gegangen. Er habe daran erinnert, dass nie vergessen werden dürfe, an die Menschen zu glauben.

Mit dem letzten Bild erinnerte die Laientruppe an Erdbeben, Überflutungen und vom Menschen herbeigeführte Brandrodungen. Mit der Darstellung der Elemente Wasser, Luft, Feuer und Erde und der Rolle des Menschen, der diese Elemente schamlos ausbeutet, setzten die Schauspieler einen eindrucksvollen Schlusspunkt. Ein wenig Hoffnung keimte dann noch mit dem letzten Lied „Salz der Erde“ auf, das den Zusammenhalt der Menschen anmahnt und diese auffordert, am Aufbau einer neuen, besseren Welt mitzuwirken.

Ein sichtlich bewegter Pater Beda, seit über einem halben Jahrhundert in seiner Mission für die Menschen unterwegs und heute im Rollstuhl sitzend, dankte allen Anwesenden für ihre bisherige Unterstützung.


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