Aufräumarbeiten begonnen Experte aus USA soll Ursache für Explosion in Geeste finden

Von Manfred Fickers

Bohrspezialisten schreiten die Unglücksstelle am Erdölbohrloch bei Geeste ab. Foto: dpaBohrspezialisten schreiten die Unglücksstelle am Erdölbohrloch bei Geeste ab. Foto: dpa

Geeste. Rußbedeckt und krumm ist am Tag nach dem Explosionsunglück auf einem Erdölförderplatz in Geeste im Emsland ein Windengerüst über ein Maisfeld hinweg zu sehen. Vier Arbeiter haben hier am Dienstagabend schwere Verbrennungen erlitten.

Die Unglücksstelle im Erdölgebiet Bramberge zwischen den Dörfern Osterbrock und Bramhar ist weiträumig abgesperrt. Bei einem Bauernhof in der Nähe steht einer der großen Einsatzleitwagen des Landkreises Emsland, in dem die Arbeit der bis zu 200 Einsatzkräfte von drei Feuerwehren, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk mit dem Erdölbetrieb GdF Suez E & P Deutschland und den mit Instandsetzungsarbeiten an den Förderplätzen betrauten Firmen koordiniert werden.

Es wird mit großer Vorsicht gearbeitet. „Ein kleines, aber kontrolliertes Feuer brennt noch immer. Wenn das vollständig erlischt, werden wir mit den weiteren Maßnahmen voranschreiten. Zunächst muss jedoch das Gerüst am Bohrloch gesichert werden, weil noch immer Einsturzgefahr besteht“, erzählte Burkhard Kalmer, Einsatzleiter der Feuerwehr, am Mittag. Wie man solche Brände eindämmt, haben die Feuerwehren der Umgebung einmal im Jahr an den Anlagen der GdF Suez geübt, entsprechend routiniert gingen sie in der Nacht an die Löscharbeiten. Denn die Gefahr durch das aus dem Erdöl entstehende Gas ist bekannt, große Warnschilder sind an jeder Anlage im Erdölgebiet zu finden, und die Arbeiter der Firmen, die hier tätig sind, entsprechend geschult.

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„Wir stehen alle unter Schock. Ein solch heftiges Unglück ist seit Jahrzehnten nicht mehr geschehen, und ich möchte mich bei den Einsatzkräften für ihr schnelles Einschreiten bedanken“, sagte Andreas Sikorski, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) am Mittwoch bei einem Besuch an der Unfallstelle. GdF Suez plane das Bohrloch zu fluten, nachdem das Feuer erloschen ist, erklärte Sikorski. Die Untersuchungen zur Ermittlung der Unglücksursache durch das Landesamt zusammen mit Polizei, Staatsanwaltschaft und GdF Suez gehen weiter. „Wir werden einen Experten aus den USA einfliegen lassen, der diese Katastrophe untersuchen wird“, sagte Sikorski.

Zum Ablauf des Unglücks hat das LBEG mitgeteilt, dass am Dienstagabend sieben Mitarbeiter von GdF-Suez und von beauftragten Firmen mit Instandsetzungsarbeiten an der Erdölförderbohrung beschäftigt waren. Es wurden mithilfe der Winde Anlagen am Kopf des Bohrlochs ausgebaut. Dabei gab es eine Gasentflammung, die vier Arbeiter erfasste und die sogenannte Aufwältigungswinde, die einem kleinen Bohrturm ähnelt, in Brand setzte. Drei Verletzte wurden mit Rettungswagen und einer mit einem Rettungshubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht und noch im Laufe der Nacht in Spezialkliniken für Brandverletzungen nach Dortmund, Gelsenkirchen, Hannover und Hamburg verlegt. Nach Angaben von Burkhard Kalmer schweben die vier Verletzten nicht in Lebensgefahr.

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Die Feuerwehren aus den Nachbarorten Osterbrock, Bawinkel und Meppen waren mit zwölf Löschfahrzeugen und über 120 Rettungskräften bei den Löscharbeiten tätig. Das Sprühen von Wasserschleiern verhinderte ein Übergreifen der Flammen auf die Anlagen und Baucontainer am Platz. In den Morgenstunden wurden sie von frischen Kräften abgelöst. Hinzu kamen die Schnelleinsatzgruppen des Roten Kreuzes aus Geeste und Lingen, die die Helfer versorgten, das Technische Hilfswerk, das den Unglücksort ausleuchtete, und der ABC-Zug des DRK aus Bawinkel, der Messungen vornahm, um Umweltgefahren erkennen zu können, und Gasmessgeräte aufstellte. Löschwasser wurde im dort vorhandenen Auffangbecken gesammelt. Das THW legte vorsorglich Ölsperren in die Gräben.