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Vier Schwerverletzte Minister Lies besucht Ort der Gasexplosion in Geeste


trg/iwe/mf Geeste. Die Explosion an einer Erdölbohrstelle im Fördergebiet Bramberge in der Gemeinde Geeste ereignete sich laut Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, als Mitarbeiter ein Sicherheitsventil auf ein Bohrloch schrauben wollten.

Unter Federführung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) gehen die Ermittlungen am Unglücksort weiter. Wie die LBEG mitteilt, ereignete sich das Unglück am Dienstag gegen 19.10 Uhr bei Arbeiten an der Erdölbohrung. Damit waren sieben Mitarbeiter der GdF-Suez E & P Deutschland und einer weiteren Firma beschäftigt. Dazu wurde die Bohrung mit Salzwasser aufgefüllt und anschließend der Bohrlochverschluss demontiert. Beim Fortgang der Arbeiten stieg unerwartet Gas aus der Bohrung. Es kam zur Explosion und dem anschließenden der Brand der Ölfeldwinde. Die genaue Herkunft des Gases und die Zündquelle sind noch nicht bekannt.

Vier Arbeiter, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, zogen sich bei der Explosion schwere Brandverletzungen zu. Sie wurden mit Rettungswagen und in einem Falle mit einem Rettungshubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht und noch im Laufe der Nacht in Spezialkliniken für Brandverletzungen nach Dortmund, Gelsenkirchen, Hannover und Hamburg verlegt.

„Wir stehen alle unter Schock. Ein solch heftiges Unglück ist seit Jahrzehnten nicht mehr geschehen und ich möchte mich bei den Einsatzkräften für ihr schnelles Einschreiten bedanken“, sagte Andreas Sikorski, Präsident des LBEG.

Die Feuerwehren in Osterbrock, Bawinkel und Meppen waren mit zwölf Löschfahrzeugen und über 120 Rettungskräften bei den Löscharbeiten tätig. In den Morgenstunden wurden sie von frischen Kräften abgelöst. Hinzu kamen die Schnelleinsatzgruppen des Roten Kreuzes aus Geeste und Lingen, das Technische Hilfswerk, das den Unglücksort ausleuchtete und der ABC-Zug des DRK aus Bawinkel, der Messungen vornahm, um Umweltgefahren erkennen zu können, und Gasmessgeräte aufstellte. Insgesamt waren mehr als 200 Helfer eingesetzt. Das THW legte vorsorglich Ölsperren in die Gräben in der Nähe der Unglücksstelle.Das Löschwasser wurde in einem am Bohrplatz befindlichen, dafür angelegten Becken aufgefangen.

Am Nachmittag machten sich der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Olaf Lies (SPD), der Landtagsabgeordnete Bernd-Carsten Hiebing (CDU), Landrat Reinhard Winter (CDU) und der Bürgermeister von Geeste, Hans-Josef Leinweber (CDU) ein Bild der Lage. Lies sprach den Angehörigen der Verletzten und deren Kollegen sein Mitgefühl aus. Die Einsatzkräfte hätten schnell, abgeklärt und sachgerecht den Verunglückten geholfen und den Schaden begrenzt. Ein Lob gab es für die gute Zusammenarbeit der Einsatzkräfte, der betroffenen Unternehmen, dem Landkreis und der LBEG. Als Nächstes gelte es das Unfallgeschehen aufzuarbeiten, die Unglücksstelle zu sichern und den Sachverhalt aufzuklären.

Landrat Reinhard Winter sagte, dass sich das ständig besetzte Lagezentrum im Kreishaus bewährt hat. Ebenso die vielfach erprobte Zusammenarbeit von Feuerwehren, THW, DRK und Malteser-Hilfsdienst. Bürgermeister Leinweber hatte beobachtet, dass sich innerhalb von 15 Minuten nach dem Alarm alles was benötigt wurde, um die Verletzten zu versorgen und das Feuer unter Kontrolle zu bringen an Ort und Stelle befand.

Die Untersuchungen zur Ermittlung der Unglücksursache durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie zusammen mit Polizei und Staatsanwaltschaft gehen weiter. „Wir werden ebenso einen Experten aus den USA einfliegen lassen, der diese Katastrophe untersuchen wird“, sagte Sikorski.

Nach Angaben von Einsatzleiter Burkhard Kalmer schweben die vier Verletzten nicht in Lebensgefahr, jedoch haben sie schwerste Verbrennungen davongetragen und liegen derzeit noch in Spezialkliniken. Am Abend hatten Notfallseelsorger die unverletzt gebliebenen Arbeiter und die Einsatzkräfte, die als Erste am Ort des Unglücks waren, betreut. Kalmer kündigte an, dass die Seelsorger auch in die Nachbereitung des Einsatzes einbezogen werden sollen. Bis zur technischen Sicherung der Bohrstelle bleiben 60 Feuerwehrleute im Schichtdienst dort, unterstützt vom THW und DRK.

Auch die Experten des Betreibers Suez suchen nach der Ursache. Danach hat die Aufwältigungswinde (eine einfach gebaute Bohranlage zur Reparatur defekter Bohrungen) durch eine Gasentflammung Feuer gefangen. Der Unfall passierte, als die sogenannte „Komplettierung“ aus der Bohrung ausgebaut wurde. Die Ablenkbohrung wurde nach Angaben des Betreibers ursprünglich im Jahr 2007 gebohrt.

Vor rund zwei Wochen war es in Ritterhude bei Bremen in einer Entsorgungsfirma zu einer schweren ‚Explosion gekommen.

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Die GdF-Suez E & P Deutschland mit Sitz in Lingen fördert in Deutschland Erdöl und Erdgas. Das Ölfeld Bramberge in Geeste-Osterbrock wurde 1958 erschlossen, es ist über eine Pipeline an die Erdölraffinerie Emsland im benachbarten Ortsteil Holthausen der Stadt Lingen verbunden. Das Erdöl befindet sich hier unter undurchlässigen Tonschichten in Tiefen von 600 bis 1000 Metern unter der Erdoberfläche. Während in den anderen Ölfeldern der Region Pumpen das Gemisch aus Lagerstättenwasser und Öl nach oben holen, wird in Bramberge das Gaslift-Verfahren angewendet, bei dem durch Gasdruck die Öl-Wasser-Emulsion gefördert wird.