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25.08.2014, 17:45 Uhr

Fall der Roma Suzana S. aus Geeste in Ruhe prüfen

Ein Kommentar von Carola Alge


Die seit 26 Jahren in Geeste lebende Suzana S. fürchtet die Abschiebung. Die Härtefallkommission könnte ihr möglicherweise Zeit verschaffen, ihren Fall weiter zu prüfen. Symbolbild: dpaDie seit 26 Jahren in Geeste lebende Suzana S. fürchtet die Abschiebung. Die Härtefallkommission könnte ihr möglicherweise Zeit verschaffen, ihren Fall weiter zu prüfen. Symbolbild: dpa

Geeste. Von 32 Jahren ihres Lebens hat Suzana S. 26 im Emsland verbracht. Sie sagt aus ihrer Sicht zu Recht, es sei ihre Heimat. Sie verlassen zu müssen wäre für sie Vertreibung. Serbien, das Land, in das die Frau abgeschoben werden könnte, kennt sie nicht. Im Kosovo, der Heimat ihrer Eltern, tobte ein Krieg mit heftigen Pogromen gegen Roma.

Noch heute leben sie dort wie auch in Serbien oft in menschenunwürdigen Verhältnissen, werden vielfach diskriminiert, aus wichtigen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen. Dorthin abgeschobene Roma haben kaum eine Chance auf Reintegration. Vieles, was ihnen dort widerfährt, verstößt gegen die Menschenrechte. Der Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Gesundheitsversorgung, zu Bildung und die Möglichkeit, Sozialleistungen zu erlangen, sind mehr als beschränkt.

Suzana S. und ihre Kinder, alle im Emsland geboren, würden bei einer Abschiebung nicht nur das vertraute soziale Umfeld und den Schutz ihrer privaten Beziehungen verlieren, sondern sie würde ein hartes Leben erwarten. Ein Leben mit wenig Perspektiven.

Die Roma-Familie aus Geeste ist auf den ersten Blick sicher ein Fall, der nun in aller Ruhe von den zuständigen Stellen gründlich geprüft werden muss. Suzana S. und ihre Kinder, die in unserer Region durchaus eine gute Perspektive hätten, wurden schon so lange in Deutschland geduldet, dass Eilentscheidungen jetzt das falsche Signal wären.

Die vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat ins Spiel gebrachte Härtefallkommission könnte hier dringend notwendige Zeit bringen. Zeit, in der der Landkreis Emsland durch weitere vorübergehende Duldung ein Zeichen setzen könnte.


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