Rückzugsort für Tiere Geeste: Landwirte legen Blühstreifen an

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Setzen sich mit dem Anbau von Blühstreifen für den Erhalt der Artenvielfalt von Tier und Pflanze ein: Josef Schröer, Ansgar Tappel und Wilhelm Schepers (von links). Foto: LemkeSetzen sich mit dem Anbau von Blühstreifen für den Erhalt der Artenvielfalt von Tier und Pflanze ein: Josef Schröer, Ansgar Tappel und Wilhelm Schepers (von links). Foto: Lemke

Geeste. Wild lebende Tiere benötigen Rückzugsorte und Nahrungsflächen. In freier Flur finden Rebhuhn, Hase, Fasan und andere heimische Wildarten allerdings oft nicht mehr genügend Raum dazu.

Denn auf landwirtschaftlichen Äckern wachsen vor allem Getreide, Kartoffeln und Mais. Um die erforderliche Artenvielfalt in der Natur dennoch zu erhalten, bauen viele Landwirte nützliche und zugleich schöne Blühstreifen an.

Derzeit stehen die Sonnenblumen von Landwirt Ansgar Tappel aus Groß Hesepe in leuchtend gelber Blüte. Der Ortslandvolkvorsitzende baut an Feldrändern und Gräben farbenfrohe Blühstreifen aus Gräsern, Buchweizen, Ölrettich und Sonnenblumen an. Gerade Rebhuhn, Fasan und Hase, aber auch viele andere Tiere der Feldflur, finden hier im Winter Schutz und Nahrung, denn die Pflanzen bleiben über die kalte Jahreszeit stehen. Auch Insekten wie Bienen und Schmetterlingen wird hier eine abwechslungsreiche Futterstelle und Lebensgrundlage geboten. Josef Schröer, Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, betont die Notwendigkeit solcher Feldinseln: „Wildtiere benötigen ungestörte Rückzugsorte, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen und genügend Futter finden. Vor allem das Rebhuhn profitiert davon, denn es braucht eine abwechslungsreiche Feldflur und Insektennahrung für seine Küken.“ In Gebieten mit einem hohen Maisanteil werde dies zunehmend schwieriger. Landwirt Ansgar Tappel weist darauf hin, dass die hochgewachsene Maispflanze zudem oft für Kritik in der Bevölkerung sorge. Um dem entgegenzuwirken, setzt der Agraringenieur neben Mais auch Zuckerrüben in seiner Biogasanlage ein und erweitert damit seine Fruchtfolge. Zudem bringt er mit seinen Blühstreifen Farbe ins Feld. „Blühstreifen erfreuen nicht nur Wildtiere, sondern auch Radfahrer und Spaziergänger. An Feldwegen tragen wir somit zur Verschönerung des Landschaftsbildes bei. Für uns Landwirte ist das zudem ein positiver Imageeffekt“, erklärt Tappel. Nach Auskunft von Torsten Gabriel, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, wurden im Jahr 2012 in Deutschland insgesamt 2,6 Millionen Hektar Mais angebaut. Doch was die wenigsten wissen: Nur 0,8 Millionen Hektar oder 31 Prozent der Maisflächen wurden für Biogasanlagen verwendet. Der wesentlich größere Teil diente der Futtermittelgewinnung.

Biotop-Fonds

Die Jägerschaften des Emslandes und der Grafschaft Bentheim haben zum Erhalt der biologischen Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt vor zwei Jahren eigens einen Biotop-Fonds ins Leben gerufen. Dieser fördert unter anderem den Anbau von Blühstreifen und stellt Landwirten Saatmischungen zur Verfügung. Das innovative Konzept hat bereits Vorbildcharakter für andere Landkreise und Bundesländer. Wilhelm Schepers von den Jägerschaften im Emsland und Vertreter des Biotop-Fonds betont die gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern. „Obwohl in dieser Region die Pachtpreise besonders hoch sind, ist die Bereitschaft der Landwirte, auf den knapp zur Verfügung stehenden Flächen Blühstreifen anzulegen, dennoch außerordentlich hoch“, lobt er.

Es wurden mit Unterstützung der Jägerschaften circa 475 Hektar Blühstreifen im Emsland und der Grafschaft Bentheim angelegt. Darüber hinaus haben viele Biogasanlagenbetreiber weitere
Flächen freiwillig zur Verfügung gestellt. „Landwirte und Jäger arbeiten hier Hand in Hand“, freut sich Schepers.


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