Vertrieb von Torfmoosen Unternehmen in Geeste will Moor-Renaturierung beschleunigen

Von pm

Ein Blick auf die Torfmoosbank Provinzialmoor im Oktober 2019. Foto: Klasmann-DeilmannEin Blick auf die Torfmoosbank Provinzialmoor im Oktober 2019. Foto: Klasmann-Deilmann

Geeste. Das Unternehmen Klasmann-Deilmann in Geeste-Groß Hesepe beginnt mit dem Vertrieb von Torfmoosen. Die seltenen Pflanzen stammen aus der eigenen Sphagnum-Bank im Emsland sowie aus der Vermehrung in Gewächshäusern. Ziel ist es, innerhalb weniger Jahre eine moortypische Flora und Fauna zu etablieren.

„Unser Konzept hat einen direkten Bezug zum Klimaschutzpaket der Bundesregierung“, führt Geschäftsführer Moritz Böcking aus. „Wir bringen die Torfmoose auf Moorböden aus und beschleunigen die Renaturierung. Es entstehen Kohlenstoffsenken, mit denen Emissionen vermindert werden und die zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen.“

Torfmoose sind in Deutschland sehr selten und daher geschützt. Aus natürlichen Beständen dürfen sie auch in kleinen Mengen nur unter strengen Auflagen entnommen werden. „Unsere Torfmoose hingegen stammen aus speziellen Vermehrungsflächen oder wurden im Gewächshaus kultiviert“, erläutert Jan Köbbing, der als Head of Sustainability Management für die Torfmooskultivierung verantwortlich ist. „Daher stehen sie in größeren Mengen zur Verfügung und können als Impfmaterial für Renaturierungsprojekte eingesetzt werden.“

Positive Wirkung aufs Klima

Seit 2015 pflegt Klasmann-Deilmann laut einer Pressemitteilung groß angelegte Versuchsflächen für die Torfmoos-Kultivierung. Der Anbau verlief so erfolgreich, dass nunmehr eine Sphagnum-Bank besteht, aus der verschiedene Torfmoosarten vor allem zu Renaturierungszwecken entnommen werden können. „Durch das aktive Einbringen der Bulten-Torfmoose lässt sich die positive Klimawirkung wiedervernässter Moore schon innerhalb weniger Jahre deutlich steigern“, unterstreicht Köbbing. „Auch eine hochmoortypische Flora und Fauna entwickelt sich deutlich schneller.“ Herkömmliche Verfahren der Wiedervernässung hingegen benötigen zum Teil Jahrzehnte, um vergleichbare Effekte zu erzielen.

Darüber hinaus hat sich Klasmann-Deilmann die exklusiven Vertriebsrechte für im Gewächshaus vermehrte Torfmoose gesichert. Ende 2019 wurde ein entsprechender Vertrag mit dem britischen Anbieter Micropropagation Services Ltd. unterzeichnet. „Dieses Impfmaterial nutzen wir bereits mit großem Erfolg im eigens angelegten Moorbecken, das unsere Hauptverwaltung umrahmt“, so Jan Köbbing. Aufgrund der Vertriebsrechte – zunächst für Deutschland – können nun auch regionale Moose gezielt weitervermehrt werden. „Unser Vorteil ist, dass wir bei kommenden Projekten nicht in geschützte Flächen eingreifen müssen, sondern über eigene Ressourcen verfügen.“

Bei der Vertragsunterzeichnung: (v. l.) Bert von Seggern (Director Production & Sustainability), Neal und Barbara Wright vom britischen Torfmoos-Anbieter MPS sowie Matthias Hermsen (Geschäftsführer Klasmann-Deilmann Service GmbH) und Dr. Jan Köbbing (Head of Sustainability Management). Foto: Klasmann-Deilmann

In der nächsten Zeit möchte Klasmann-Deilmann potenzielle Kunden in Deutschland für eine beschleunigte Hochmoor-Renaturierung gewinnen. Unter dem Label „Peat Bog Restoration“ werden sowohl die Torfmoose als auch die damit verbundenen Dienstleistungen auf den Flächen angeboten.

Im vergangenen Herbst wurden bei einer Testernte zwei Kubikmeter gesammelt, die für den Botanischen Garten der Universität Heidelberg bestimmt waren. Dort will man im kleinen Maßstab ein lebendiges Moor anlegen und zählt auf die zügigen Wachstumserfolge mit den Torfmoosen von Klasmann-Deilmann. Für dieses Frühjahr ist eine Ernte von 15 Kubikmeter Torfmoosen geplant, die bei einem weiteren Forschungsprojekt im Landkreis Diepholz zum Einsatz kommen werden. „Das ist der Startschuss für unsere Aktivitäten in der Torfmoos-Renaturierung,“ so Moritz Böcking. „Wir haben ein großartiges Produkt und werden nennenswert zum Natur- und Klimaschutz beitragen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN