Freiwillige erfassen Flora und Fauna Naturkundliche Schatzsuche im Naturpark Moor

Bei einer der ersten Erkundungen dieses Jahres Anfang Februar haben Robert Boczki, Johannes Weise, Andreas Laumann, Sebastian Hold und Joachim Bickhofe (v.l.) die gerade erst erwachende Natur untersucht. Foto: Michael Haverkamp/MoormuseumBei einer der ersten Erkundungen dieses Jahres Anfang Februar haben Robert Boczki, Johannes Weise, Andreas Laumann, Sebastian Hold und Joachim Bickhofe (v.l.) die gerade erst erwachende Natur untersucht. Foto: Michael Haverkamp/Moormuseum

Geeste. Der Naturpark Moor soll seine Geheimnisse preisgeben. Mit Fangnetz, Lupe und Fotoapparat erfassen Freiwillige zwei Jahre lang die Tier- und Pflanzenwelt der Moorschutzgebiete. Denn über deren Flora und Fauna ist weniger bekannt, als gedacht.

Museumsleiter Michael Haverkamp vom Emsland Moormuseum in Geeste hatte die Idee zur Erfassung von Flora und Fauna schon im Jahr 2014. Ihm war aufgefallen, dass es kaum belastbare Daten über Tiere und Pflanzen im Naturpark gab. „Wir wissen gar nicht so genau, welche Naturschätze es bei uns noch gibt – oder eben nicht“, berichtet er. Wo wächst zum Beispiel noch welches Torfmoos, wo fliegt die Hochmoor-Mosaikjungfer und wo trällert noch der Brachvogel? 

Das Hohmoor- und Heidegebiet rund um das Emsland Moormuseum. Foto: Tobias Böckermann

Als dann mit Gunnar Gad ein Biologe bei einer Untersuchung der museumseigenen Hochmoorfläche zahlreiche Überraschungen vor allem in der Tierwelt fand, bemühte sich Haverkamp darum, diese Untersuchung auf die Hochmoorschutzgebiete des gesamten Naturparks auszuweiten. Um eine so umfangreiche Untersuchung überhaupt durchführen zu können, setzte Haverkamp auf freiwillige Experten: Naturschützer, Naturkundler und Naturfotografen oder sonstig Interessierte und Qualifizierte sollten sich zu einem Kartiernetzwerk zusammenschließen, koordiniert vom Emsland Moormuseum. 

Auf der Suchliste: Schlingnattern. Foto: Tobias Böckermann


Und das Vorhaben gelang: Rund 30 Experten sind seit Ende 2018 unterwegs, die meisten ehrenamtlich. Als Koordinator stellte der Landkreis Emsland mit Johannes Weise einen Biologen mit halber Stelle ein und ordnete ihn zum Moormuseum ab, die Finanzierung des 211000 Euro umfassenden Projektes erfolgt über Mittel aus dem LEADER-Programm und durch den Landkreis Emsland. „Lediglich für Wildbienen, Käfer und Heuschrecken haben wir keine ehrenamtlichen Erfasser finden können“, sagt Johannes Weise. Hier habe man hauptamtliche Planungsbüros mit der Artenerfassung beauftragt.

Ausgesprochene Rarität und nur noch aus dem Barger Veen bekannt: Der Langblättrige Sonnentau.


Alle gemeinsam sind nun nach festgelegtem Plan unterwegs im Dalum-Wietmarscher Moor, dem Südlichen Versener Moor oder im Wesuweer Moor und lauschen auf insgesamt mehr als 3000 Hektar der Vogelwelt, suchen nach Sonnentau und Rosmarinheide oder sind mit dem Bat-Detektor den Fledermäusen auf der Spur. Mit dabei sind Experten des NABU ebenso wie Moorfreunde aus den Niederlanden oder Wissenschaftler und Naturfotografen.

Selten und unscheinbar: Ein Birkenspinner. Foto: Tobias Böckermann


Das Ergebnis der großangelegten Untersuchung auf deutscher Seite des Naturparks, in die der Versener Heidesee als Sandlebensraum nicht mit einbezogen wurde, soll nicht in den Archiven verschwinden, sondern über eine Dokumentation und eine Datenbank öffentlich zugänglich sein – jedenfalls, soweit das nicht dem Naturschutzziel entgegensteht und sehr seltene Arten gefährden könnte.

 „Das ganze Projekt ist auf Dauer angelegt“, sagt Michael Haverkamp. Er hoffe, dass auch nach Projektabschluss 2021 die Erfassung weitergehen könne. Die Ergebnisse dienen nicht allein dem Erkenntnisgewinn und der Forschung, sondern können auch dabei helfen, Schutzmaßnahmen und Pflegearbeiten zu verbessern.

Was gibt es hier zu entdecken? Foto: Michael Haverkamp/Moormuseum


Bereits erfasste Vorkommen, etwa bei den Brutvögeln, sollen in die Datenbank eingearbeitet werden. Am Ende fließen die Ergebnisse auch in die Umweltbildung des Moormuseums und die in Planung befindliche Dauerausstellung zur Moorökologie ein. 2021 sollen alle Ergebnisse im Moormuseum präsentiert werden.

Dass es überraschende Entdeckungen geben könnte, deutete sich bereits an. So konnte am Meerkolk bei Groß Hesepe ein Vorkommen der Arktischen Smaragdlibelle, einer extrem seltenen und an lebendes Hochmoor gebundenen Libelle festgestellt werden.

An seltene Torfmoose wie diese gebunden ist die Arktische Smaragdlibelle. Foto. Tobias Böckermann


Und der Münsteraner Schmetterlingsexperte Frank Rosenbauer hat im Südlichen Versener Moor Raupen der Heidekraut-Bodeneule und des Ginster-Streckfußes entdeckt – die beiden Falterarten sind extrem selten geworden.

Wer sich an der Kartierung der Moorschutzgebiete im Naturpark beteiligen möchte, ist eingeladen sich bei Johannes Weise zu melden im Emsland Moormuseum, Geestmoor 6, 49744 Geeste, Email: weise@moormuseum.de oder Telefon: 05937/7099915 und an Dr. Michael Haverkamp, 05937/7099913

haverkamp@moormuseum.de wenden.


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