Tourismuskonzept geplant Im Speicherbecken Geeste fehlen neun Millionen Kubikmeter Wasser

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So sieht das Speicherbecken in Geeste derzeit aus. Neun Millionen Kubikmeter Wasser wurden abgepumpt. Foto: Uwe HarmsenSo sieht das Speicherbecken in Geeste derzeit aus. Neun Millionen Kubikmeter Wasser wurden abgepumpt. Foto: Uwe Harmsen

Lingen. Der heiße Sommer im Emsland hat dazu geführt, dass das Speicherbecken in Geeste nur noch halbvoll ist. Neun Millionen Kubikmeter Wasser fehlen. Doch wie wird der See, der zu einer Touristenattraktion werden soll, wieder aufgefüllt?

Als Kühlwasserbecken für das zwölf Kilometer entfernte Kernkraftwerk Emsland ist das Speicherbecken Geeste in den 1980er-Jahren angelegt worden. Mittlerweile erfreut sich der künstlich angelegte See nicht nur bei Emsländern sondern auch bei Touristen immer größerer Beliebtheit. Nicht verwunderlich: Zahlreiche Wassersportarten werden angeboten, sei es Tauchen, Surfen oder Segeln. Rund ums Wasser gibt es einen 15 Kilometer langen Wanderweg und auch einen Sandstrand, der 850 Meter lang ist. 

Statt Wasser ist Sand zu sehen

Derzeit ist der Sandstrand aber nicht nur lang: Er ist derzeit auch extrem breit. Aus dem See, der eine Füllmenge von 18 Millionen Kubikmetern Wasser hat, wurden neun Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. Statt Wasser ist nun viel Sand zu sehen. Als Grund dafür nennt der Energiekonzern RWE, Besitzer des Sees, die langanhaltende Trockenheit über die Sommermonate in diesem Jahr. Laut Anna-Lena Meyer, Pressesprecherin am RWE-Kraftwerksstandort Lingen, wurde das Speicherbecken parallel zum Bau des Kernkraftwerks errichtet – und zwar extra für die Zeiten, in denen die Ems wenig Wasser führt, um den Betrieb und Kernkraftwerks uneingeschränkt fortführen zu können. Meyer betont, dass die Ems selbst keine direkte Kühlfunktion erfüllt. Dennoch sei sie für die Aufrechterhaltung des Kühlwasserkreislaufs wichtig, also eine Art "Ergänzungswasser".  (Weiterlesen: Der Turm im Speicherbecken Geeste und sein Geheimnis)

Das Speicherbecken in Geeste im April 2018. Da war das Becken noch voller Wasser. Foto: Uwe Harmsen

Die über Wochen anhaltende Hitze im Emsland führte in den vergangenen Monaten nun aber dazu, dass nicht genügend Wasser über das Wehr Hanekenfähr floss und die Ems Niedrigwasser hatte. Kurzerhand wurde das Wasser für das Kraftwerk aus dem Speicherbecken in Geeste über den Dortmund-Ems-Kanal in die Ems geleitet – die Ems wurde mit dem Wasser aus dem Speicherbecken ergänzt. Und das nicht zu knapp: Von dem Nutzvolumen von 18 Millionen Kubikmeter Wasser wurde laut Meyer 50 Prozent bis heute entnommen.

In der Ems muss genügend Wasser sein

Nach Aussage der Unternehmenssprecherin laufen derzeit "die Vorbereitungsmaßnahmen für eine Befüllung des Speicherbeckens". Doch das Auffüllen ist nur in den Herbst- und Wintermonaten möglich. Hinzu kommt, dass die Ems genügend Wasser haben muss, besagt die Rechtssprechung. Ist das gegeben, wird das Speicherbecken mit Hilfe von Pumpen aus dem Dortmund-Ems-Kanal wieder aufgefüllt – der Verbindung zwischen Ems und Speicherbecken. 

Speicherbecken ist ein "Juwel"

Dann ist auch wieder weniger vom Sand und Schlamm am künstliche See zu sehen, den Geestes Bürgermeister Helmut Höke im Gespräch mit dieser Redaktion im April dieses Jahres als "Juwel" bezeichnet hatte. Ziel sei es dort das Freizeitangebot  zu fördern, zu stützen und zu erweitern. 

Zusammen mit der Stadt Lingen – auf deren Gebiet sich der See zu zwei Dritteln befindet – will die Gemeinde Geeste ein Tourismuskonzept erarbeiten, geht aus einer Vorlage der Verwaltung der Stadt Lingen für den Wirtschafts- und Grundstücksausschuss am Dienstag, 16. Oktober 2018, hervor.  Angedacht ist, dieses als Gemeinschaftsprojekt der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) "Südliches Emsland" sowie der LAG "Moor ohne Grenzen" in Gang zu setzen.  (Weiterlesen: Touristikverband Emsland zieht in Geeste Bilanz)

"Erhebliches Potenzial für Naherholung und Tourismus"

Die Verwaltung der Stadt Lingen sieht mit Blick zur Nähe der zwei größten europäischen Ballungsräume Rhein-Ruhr-Gebiet und das Städtegeflecht rund um Amsterdam in den Niederlanden ein "erhebliches Potenzial für Naherholung und Tourismus". Eine Analyse der Situation vor Ort, die Konzeptentwicklung mit Maßnahmenvorschlägen und Kosteneinschätzungen sollen erfolgen.

Das Speicherbecken im Oktober 2018. Insgesamt neun Millionen Kubikmeter Wasser wurden entnommen. Foto: Uwe Harmsen


 Doch es gibt ein Problem: Nachdem der geplante Agentur-Pitch, sprich ein Wettbewerb zwischen Agenturen, aufgrund mangelnder Beteiligung nicht zustande gekommen ist, soll nun laut Vorlage der Verwaltung eine direkte Vergabe des Projekts an eine Agentur verfolgen. Drei Agenturen aus Hannover, Lingen und Köln sollen gebeten werden, entsprechende Angebote abzugeben. 

30.000 Euro Kosten

Die Gesamtkosten für das geplante Tourismuskonzept belaufen sich laut Verwaltung auf 30.000 Euro. Auf die Gemeinde Geeste sowie die Stadt Lingen kommen jeweils 6000 Euro zu. Da es sich um ein Kooperationsprojekt handelt, könnten 60 Prozent der Kosten, also 18.000 Euro, über Leader finanziert werden, hoffen die Gemeinde Geeste und die Stadt Lingen. Mit dem Maßnahmenprogramm der Europäischen Union werden seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert.  


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