Baukunst aus der Not geboren Die Pauluskirche in Dalum ist ein Baudenkmal

Von Gerd Mecklenborg

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Geeste. Am Tag des offenen Denkmals ist die Pauluskirche in Geeste-Dalum vorgestellt worden.

Etwas versteckt liegt sie in Dalum an der Schaftrift, die Evangelisch-lutherische Pauluskirche. Man kann sie als ein Kleinod bezeichnen. Warum das so ist, erfuhren die Besucher - darunter sogar ein an Baugeschichte interessiertes Paar aus Berlin, das am Geester Speichersee Urlaub macht - von Günter Hermes, der dem Arbeitskreis Kirchenbau (OBAK Welterbe-Initiative) angehört.

Die Dalumer Pauluskirche ist 1950 fertiggestellt worden und gehört zu den Notkirchen, die nach den Plänen des Architekten Otto Bartning erbaut wurden. In mehreren Bautypen entstanden zwischen 1948 und 1950 einfache und formschöne Gebäude, wo in Deutschland nach Kriegszerstörung und Ansiedlung von Flüchtlingen Kirchen und Versammlungsräume für lutherische Gemeinden fehlten.

„Wenn man diese Kirche betritt, empfindet man Wärme“, sagte Hermes. „Das macht das viele Holz, das verbaut wurde“, so der Kirchenbetreuer. Die Besucher erfuhren, „dass es sich hier - genau genommen - um den Typ D der Bartning‘schen Notkirchen handelt“. Betritt man das Gotteshaus, erblickt man gleich seinen Mittelpunkt, den durch eine massive Holztür verschließbaren Altar. Beleuchtet wird der Innenraum der Kirche durch eine schmale Rundumfenstergalerie „hoch oben, damit die Gottesdienstbesucher nicht von dem was draußen passiert abgelenkt werden“, schmunzelte Hermes. Von draußen, „ähnelt das Gebäude einer mongolischen Jurte“, befanden die Rundgänger. Zu der Kirche gehören drei Glocken in dem 1962 errichteten Glockenturm.

„Stolz sind wir darauf, dass nach den Vorgaben des berühmten Architekten einheimische Handwerker den Innenraum bereichert haben“, erklärte Hermes. Denn links vom Altar steht die 1961 in nordischer Kiefer vom Tischlermeister Forsting aus Geeste gefertigte Kanzel, und rechts vom Altar ein Lesepult, gefertigt vom Geester Tischlermeister Slomka. Dazu fällt noch ein Taufbecken auf, das 1957 in der Justizvollzugsanstalt Groß-Hesepe hergestellt wurde. Der Besuchergruppe zeigte Hermes eine Gedenktafel, die an den Stifter der Kirche erinnert und von Bruno Fenske aus Lingen geschnitzt wurde. Verziert wurde die Tafel zusätzlich mit einer offenen Hand und einer Opferschale als Sinnbild des Abendmahls. Sie trägt die Inschrift: „Diese Kirche ist ein Geschenk der lutherischen Glaubensbrüder in Amerika. Erbaut 1950. Eingeweiht am 15. Oktober 1950“.

Einig waren sich alle Teilnehmer an der Führung, „das hier ist ein sehenswertes Gotteshaus, denn hier findet man wirklich Ruhe und kann das Auge meditativ schweifen lassen“. Es könne sogar sein, dass die kleine Kirche bald gemeinsam mit den anderen ihrer Bauart zum Weltkulturerbe zähle, erfuhr die Besuchergruppe, denn die Bartning-Notkirchen-Welterbe-Initiative der OBAK bemühe sich um diesen Status.


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